Wenn Andy Strauß das Singen anfängt

Jay Nightwind | 25.04.18 | / / | 1 Kommentar
Eine Review zu einem einmaligen Event.

Meistens gucke ich mir vorher nicht an, was auf dem Programm steht. Ich wusste, dass ich die Lesebühne LMBN sehen werde, im Konzerthaus Dortmund. LMBN sind Andy Strauß, Sebastian 23, Jan-Philipp Zymny, DJ Nachtfalke, Sulaiman Masomi und der Livepainter Artur Fast. Seit einer von mir nicht recherchierten Zahl Jahren zerflexen die Jungs mit Texten, Musik und dazu entstehenden Bildern diverse Städte und Bühnen, der Ruf der sehr guten Qualität eilt massiv voran. Da mir "LMBN anschauen" in meiner Sammlung fehlte und Neugier meine Lieblingsgier ist, saß ich also am 23.04.2018 im Konzerthaus und hatte nur eine grobe Ahnung, was da so auf mich zurollt.

Die Social-Media-Fast-Food-Plattform Instagram informierte mich per Stories, dass es ein Auftritt mit Orchester wird. Fuck! Ich weiß nichts über klassische Musik, nichts über Musik im allgemeinen und strenge seit Monaten immer wieder den selben Witz an: Ich weiß nicht mal, an welchem Ende mensch in die Gitarre reinpusten muss! Okay, ich musste ja nur zuhören und nicht mitspielen.

Trotzdem hatte ich Angst, dass ich möglicherweise nicht verstehe, wenn etwas sehr sehr toll ist. Ich hoffte auf die magische Kraft der Musik. Diesen Moment, wo einfach das transportierte Gefühl jede notwendige Vorkenntnis ersetzt. Das ist wie bei einem Wein: Manche erkennen feine Geschmackslagen, andere sind froh, wenn er ordentlich reinballert.

Nicht nur für mich sollte der Abend ein Experiment werden. Die Show unternahm den Versuch, Ibsens Geschichte des Peer Gynt zu erzählen. Und hier beginnt eine wundervoll verrückte Kette. "Peer Gynt" war als Gedicht geschrieben. Wurde zu einem Bühnenstück. Wurde von zwei Komponisten mit Musik bestückt. Einige der Stücke daraus wurden zum "Atemlos" ihrer Zeit. Jetzt beschloss mensch, auf diese Stücke die Poetry Slammer die Geschichte mit neuen Gedichten, Kurzgeschichten und Nummern neu zu erzählen. Zusammen mit einem digitalen Pixelschieber aus der absoluten Kunst-Champions-League. Wir sind gerade in einer so hohen Etage der Meta-Ebenen angekommen, dass ich von hier mein Haus sehen kann.

Jetzt kommen wir an dieser Stelle an, an der ich nicht so gut bin. Ein Journalist würde jetzt faktisch ein paar Ereignisse des Abends aufzählen. Klar, es gab Gedichte, einen Raptext und Andy Strauß hat - auch zu seiner eigenen Überraschung - sehr toll gesungen, aber so eine Aufzählung wird nicht der gesamten Breite des Ereignisses gerecht.
Nicht aus meiner Sicht, der von einem, der selbst seit vielen Jahren im Wortsport mitspielt. Für mich war es eine Inspiration, die Bestätigung, dass was wir da machen nicht nur eine sympathische studentische Subkultur ist, sondern es möglich ist, mit den Worten größte Kunst zu machen. "Hochkultur!" , würden sie silberhaarigen Hochkulturprofis mit Theaterabo sagen. "Die Essenz!", würde ich sagen. Gänsehaut beim Spiel des Orchesters, gelacht über das Spiel mit den Worten, gestaunt über die Kunst des Malers, gefeiert. Ich habe einfach alles gefeiert. Denn dafür gehen Menschen auf die Bühne, für dieses Spiel, für diesen Flow, für die volle Kraft der Kreativität.

Wisst ihr, was das Unfaire an dieser "Review" ist? Die Show war einmalig und auch so angelegt. Selbst wenn ich euch hier vorschwärme, werdet ihr euch keine zweite Vorstellung angucken können. Also, vielleicht doch. Angebot und Nachfrage gelten natürlich auch in der Kunst. Wenn also jetzt das Konzerthaus mit Anfragen geflutet wird, dann könntet ihr vielleicht Glück haben. Aber selbst wenn nicht, dann ist das hier nicht nur mein Aufruf, dringend zu LMBN zu gehen, sondern auch mein Wunsch, dass ihr offen und neugierig seid. Neugier ist ein fantastische Gier, folgt ihr. Zum Beispiel ins Konzerthaus, wenn ein Orchester, vier Slampoeten, ein DJ und ein Maler aufeinander treffen.

Müll

Jay Nightwind | 23.04.18 | / / / / | Kommentieren

Ich liebe meine Stadt. Und das ist schon Quatsch. Ich liebe nicht meine Stadt, sondern nur die Idee dessen, was ich als diese Stadt verstehe. Ich bin sehr begeistert von dem, an das ich mich gewöhnt habe. Mein Kopf hat ein Schema, eine Ordnung, ein Bild davon angelegt, was ich als "Meine Stadt" begreife. Störungen für ihren Teil, sind so ziemlich das Gegenteil von Ordnung. Normalerweise begeistern mich Auf- und Ausbrüche in Gewohnheiten, da waren aber auch die Gewohnheiten von Anfang an nicht zufriedenstellend.

Wenn ich gefragt werde, dann sage ich, dass meine Stadt schön ist. Ich lebe gerne hier, ich geh viel raus, sie ist grüner als vermutet wird, sie hat viele gute Geheimverstecke, Schleichwege und tolle Orte, die mir regelmäßige alte und neue Momente ins Gedächtnis setzen. Ich kenne mich hier aus, weiß wo es gutes Futter gibt, wie lange die Trinkhallen offen haben und auch sehr gut, wo ich nicht sagen darf, von welcher Fussballtruppe ich Fan bin.

Ich nenne ganz bewusst ihren Namen nicht. Es ist kein Geheimnis, wo ich lebe. Ich glaube aber, dass auch andere solche Beobachtungen in ihren Städten machen können. Lokalpatriotismus ist kein Verbrechen, er kann überall auftauchen und ich glaube, mensch sucht sich das nicht mal selbst aus. Doch, mensch sucht es sich selbst aus, ich denke aber, dass es neben faktischen Gründen weshalb wir unsere Stadt mögen, auch richtig viel "magisch" pathetischen Unsinn gibt, der unser Herz anteilig auf unseren Ort prägt.

Ich habe einen großen Teil meines Lebens in der besseren Version meiner Stadt gelebt. Vielleicht haben aktuelle Diskussionen und moderne Zugänge zu Nachhaltigkeit meine Filter verstellt. Heute wohne ich nicht mehr in der Version der Stadt oder besser des Stadtteils, in den ich mich verliebt habe. Ich habe das Gefühl, mein Stadtteil vermüllt zunehmend.


Eine Stadt in vollkommen ordentlich zu sehen, ist extrem schwierig. Urbanes Leben, die massive Ballung von Menschen, Bedürfnissen und ihren Folgen, das geht nicht ohne Schmutz. Und Schmutz, der braucht viel Infrastruktur. Zum Beispiel Kanalisationen oder halt Müllcontainer. Ich habe den Eindruck, dass die Strukturen gegeben sind. Wöchentlich wird der Müll in unserer Straße abgeholt, überall in der Stadt sehe ich Containerstationen für Papier und Glas. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Stadt besonders schmutzig sein müsste.



Als Tobi und ich die Runde durch den Stadtteil laufen, werde ich zunehmend frustrierter. Haus- und Sperrmüll an Papiercontainern. Die Stadt hat angefangen dort Aufkleber anzubringen, die erklären sollen, dass Farben, Möbel und Elektrogeräte nicht hier abgelegt werden sollen. Was mir selbstverständlich erscheint, ist es offensichtlich nicht. Als ich einen Freund der nach zugezogen ist von meiner Frustration erzähle, ist er ratlos: "In meiner alten Heimatstadt hat die Abholung von Sperrmüll recht viel Geld gekostet. Pro Kubikmeter." Hier muss mensch vorher nur einen Termin vereinbaren und angeben, was abgeholt werden muss. Die Dienstleistung ist geschenkt.

Ich muss dann an die "Broken Window Theorie" denken, wo ein Viertel fast schon automatisch weiter herunterkommt, wenn es nur kleine optische Mängel aufzeigt. Es scheint zu reichen, dass alle Anfang Januar ihre Tannebäume vor die Haustür legen. Was im Ikea-Werbespot vorgemacht wird, ist dann auch die Lösung für den Alltag. Bis Mitte Februar lagen die Bäume überall im Stadtteil herum.


Ich bin mir sicher, dass die Reinigungskräfte und Entsorgungsexpert*innen schon alles tun, was sie leisten können. So funktioniert das nur nicht. Die Ressourcen sind begrenzt. Wir können nicht unseren Müll einfach vor die Tür hauen, auf die Entsorgungsbetriebe oder die Regierenden der Stadt zeigen und immer wieder fragen: "Warum unternehmen die denn nichts?" Sie unternehmen jede Menge, aber wie sollen sie das alles leisten, was da "anfällt"?
Warum machen die Bürger*innen diese Dinge falsch? Was geht in einem vor, der Bauschutt und ganze Möbel an einem Park&Ride der Deutschen Bahn in die Grünfläche wirft?

Das hat ja dann nichts mehr mit fehlender Information über die Möglichkeiten der Müllentsorgung zu tun. Es gibt einfach einen Punkt, ab dem Menschen auch Absicht zu unterstellen ist. Denn seine alten Küchenfliesen und ein Kochfeld hat mensch nicht im Handgepäck. Das Ganze, zauberhaft anliegend, gegenüber einer Schrebergartensiedlung, welche sich mit hohen Zäunen vor dem Anblick schützt.


Ich bin ja nicht gut mit Ohnmacht. Wenn ich eine Situation nicht verändern kann, dann werde ich kribbelig. Es gibt schon Sachen die ich tue, allerdings nur Kleinkram. Wenn es nicht zu eklig ist und ein Mülleimer in Sichtweite ist, schmeiß ich schon mal Fundstücke von der Straße weg. Stellt mich für fünf Minuten zufrieden, länger nicht, weil ich dann den nächsten Müll kreuze. Jetzt möchte ich mehr tun.

Und Tobi sagt:
Ich muss gestehen, ich war etwas irritiert, als mich Jay fragte, ob ich Lust hätte, Müll fotografieren zu gehen. Sowas wird man nicht oft gefragt.

Wenn man durch die Stadt geht, ist wild umherliegender Müll nichts Außergewöhnliches. Mal liegt ein Taschentuch auf dem Boden, mal liegt eine Flasche im Gebüsch. Das ist ja leider normal. Aber wenn man sich beim Spazierengehen auf Müll fokussiert, dann ist es eine andere Dimension. Man sieht zwangsläufig wesentlich mehr Müll als vorher und man sieht vor allem anderen Müll.
Jetzt muss man dazu sagen, dass Jay seinen Stadtteil kennt und weiß, wo man immer genug Unrat findet. Aber ich war echt fassungslos, was und wie viel wir gefunden haben.



Poolnudeln, Tische, Bauschutt und eine Herdplatte... und das einfach in Gebüsche geschmissen. Ich war stinksauer, als ich das gesehen habe. Aber ich will auch ehrlich sein: Hätte ich mich nicht auf den Müll konzentriert, sondern wäre durch die Gegend gelaufen wie sonst auch immer, wäre es mir vielleicht gar nicht aufgefallen. Gut, außer die Poolnudeln, weil die durch ihre leuchtenden Farben schwer zu übersehen sind. Und das hat mich fast noch mehr frustriert. weil ich mittlerweile so dermaßen abgestumpft bin, was Müll in der Umgebung angeht, dass ich noch nicht mal sowas bemerkt hätte.

Das ist kein Rant- Artikel gegen die Entsorgungsbetriebe, ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Betriebe machen eine großartige Arbeit und ich bin ihnen dankbar, dass sie es tun. Das ist eher ein Hassartikel gegen diese rücksichtslosen Arschlöcher, die ihren Müll einfach ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, in der Botanik versenken, statt sie zu Recyclinghöfen und Mülldeponien zu bringen.

Also seid so gut und nehmt euren Müll mit, wenn ihr unterwegs welchen produziert, der nächste Mülleimer ist meist nicht weit weg.
Danke!

Smartphone statt Laptop – Einführung

Andasch | 19.04.18 | / | Kommentieren
Irgendwo in Marokko
In unserem Smartphone steckt mehr Rechenleistung, als in den Computern mit der die Mondlandung realisiert wurde. Das bestätigte der Amerikaner Dag Spicer der Zeit Online bereits 2002. Er ist Experte für die Computer, die in den für das Apollo-Mondlandungsprogramm entwickelt wurden.
(Quelle: http://www.zeit.de/2002/02/200202_stimmts.xml)

Trotzdem nutzen wir das Potential unserer kleinen Taschencomputer nicht aus. Whatsapp, mal ein Anruf und Facebook oder Instagramm. Vielleicht knipsen wir auch mal ein Foto.
Aber das war's im großen Ganzen auch.

Dabei können wir mit unseren Smartphones mittlerweile richtig produktiv arbeiten. Dafür gibt es viele Apps und Zubehör für's Smartphone. Eine Hausarbeit in der Wüste der Westsahara in Marokko schreiben? Kein Problem. Unterwegs mal eben 'ne Excel Kalkulation bearbeiten? Easy. Mittlerweile machen unsere Smartphones auch fantastische Fotos. Rechts ein Beispiel meines Mittelklasse-Smartphones Huawai X6.


Aber nicht nur anständige Fotos können unsere Smartphones. Auch kleinere Videoprojekte lassen sich mittlerweile mit dem Smartphone realisieren. Man braucht nicht immer den teuren Camcorder. Hier als Beispiel ein kurzer Zusammenschnitt aus Szenen von einem Bewerbungsvideo von mir.

Auch das Smartphone hat Videos in 1080 p drauf. Für das kleine Projekt zwischendurch, einen spontanen Vlog oder um Ereignisse festzuhalten, ist das Smartphone locker geeignet.

Mit ein bisschen Zubehör ist aber noch viel mehr drin. Und genau damit geht es nächste Woche weiter in Smartphone statt Laptop.

Hilfe! Musik für unsere Videos

Jay Nightwind | 16.04.18 | / | Kommentieren
Foto: Andy Schneider
Hallöchen liebes Rudel!
Ich will ganz ehrlich sein: Wir haben Wachstumsschmerzen. Wir waren mal nur ein Blog mit Text, jetzt nutzt wir zunehmend auch andere Medien. Um in diesen auch attraktive Inhalte produzieren zu können, würden wir aktuell eigentlich sehr gerne Hintergrundmusik in unseren Videos verwenden. Natürlich könnten wir jetzt lizenzfreies Gedudel herunterladen und damit die Ohren unserer Zuhörer zu beleidigen. Wir könnten auch teueres Geld bezahlen und Lizenzen erwerben oder Gemagebühren abdrücken. Da wir den Bumms hier aber komplett ehrenamtlich machen, klingt das hauptsächlich nach einem sicheren Weg in den Ruin.

Eines unserer nicht festgeschriebenen Ziele unseres Blogs ist es, auf Leute zu zeigen, die coolen Kram machen und spannende Geschichten haben. Manche Menschen produzieren Sachen, von denen sollten alle anderen wissen. Und wir mögen die regionale(n) Band- und Musik-Szenen. Daher kamen wir zu folgender Idee:

Wir wäre es, wenn wir immer dann, wenn in unseren Videos coole Musik im Hintergrund oder auch Vordergrund laufen soll, eure coole Musik verwenden? Natürlich machen wir die gesamte Nennungs- und Markierungs-Dusche für eure Beteiligung an unserem Inhalt! Wenn ihr also Beatsbastler*innen und Bands seid, die Lust haben ein wenig über ihre Hobbykeller und Proberäume hinaus gehört zu werden, würden wir euch da auch gerne unterstützen.

Die ganz ehrliche Variante: Wir haben auch nicht die brutalste Reichweite, aber auch wir sind "Indie", so wie ihr. Und wenn wir erstmal Musiken haben, können wir auch professioneller Arbeiten, was uns wieder mehr Reichtweite und Krassheit beschert. Im besten Fall wird also alles langfristig eine Aufwärtsspirale, in der wir euch nachher mit anschieben und pushen können!

Wenn ihr also Lust dazu habt, dann schickt uns doch eine Mail (nachtwindteam bei gmail punkt com) und wir besprechen dort alle Details mit euch!

Schnipp, schnapp, Haare spenden!

Der Nachtwind | 11.04.18 | | 1 Kommentar
Ein Gastbeitrag von Vivien


Ich möchte mir die Haare abschneiden.
"Wie jetzt, so richtig? Schulterlang oder kürzer? Aber warum denn? Du hattest die doch erst neulich kurz und die sehen doch schön aus." Ja, so richtig. So richtig richtig. So richtig kurz eben. Nicht kinnlang-kurz, auch nicht schulterlang-kurz. Eigentlich möchte ich sie raspelkurz haben, so 3 mm kurz eben. Aber das traue ich mich nicht mehr, denn „Kind, du kannst dir doch die Haare nicht so kurz schneiden! Dann nimmt dich keiner mehr ernst. Das sieht hässlich aus. Was ist denn, wenn du dich irgendwo bewerben möchtest?“

Nunja, ich hatte die Haare noch nie so kurz, also weiß keiner, ob es mir wirklich nicht stehen würde. Wenn ich den Worten einer Freundin Wahrheit schenken soll, dann gibt es bei kurzen Haaren auch nichts mehr, was nicht schön sein kann. Es ist bloß das eigene Gesicht und niemand ist hässlich.
Trotzdem habe ich mir die ganzen Parolen leider zu Herzen genommen. Vielleicht möchte ich die Haare doch nur drei Zentimeter kurz haben. Vielleicht möchte ich sie danach ganz kurz schneiden. Ich weiß es nicht. Jedenfalls sollen sie ab. Und sie müssen radikal geschnitten werden, denn ich möchte meine Haare spenden. Ich bin nicht reich, bin kein ultraguter Mensch. Doch mit meinen, dann hoffentlich irgendwann, angeschnittenen Haaren kann ich jemanden helfen. Von meinen Haaren habe ich genug, die wachsen wieder nach. Nicht alle können das sagen. Ich glaube es ist nicht leicht, sich mit der Situation, keine Haare mehr zu haben, anzufreunden.

Jetzt ist es so weit. Heute kommen die Haare ab. Der Termin ist um 18 Uhr bei B&W-Friseure in Dortmund, die auch Offizieller Friseurpartner der DKMS LIFE sind. Es ist 17:20 Uhr, viel zu früh. Ich gehe noch fünf Runden um den Block.

Ich gehe rein, setze mich vor den Spiegel - meine Haare sind vom Wind zerzaust. Dann werde ich gefragt, ob ich das wirklich machen möchte, ob ich mir wirklich sicher bin. Ja, das bin ich, denke ich. Vielleicht doch nicht so ganz. Das macht mich nervös. Bloß nicht zu viel nachdenken, doch selbst wenn mir kurze Haare nicht stehen sollten, sie wachsen ja wieder nach. Mir wird versichert, dass ich nicht unzufrieden nach Hause gehen werde. Mein Kopf schreit nach Veränderung!
Meine Haare sind ab. Sie sind nicht 3 Millimeter kurz, eher sieben Zentimeter lang, doch das ist okay. Ich bin zufrieden. Es fühlt sich nicht komisch, sondern irgendwie normal an, als hätte ich die Frisur schon sehr lange. Doch mein Grinsen, das hatte ich vorher nicht. Ich fühle mich gut. Ich fühle mich schön. Menschen aus meinem Umfeld sagen das auch. Merkwürdig. Der Busfahrer erkennt mich nicht mehr. Fremde Leute schauen mich anders an.

Haare können die Sichtweise auf Menschen verändern. So gibt es schon verschiedene Frisuren, die man mit Stereotypen verbindet. Die Dreads tragen doch meist die Alternativen unter uns und den bunten Iro die Punks. Nur da ich eine Frau bin, muss ich ja noch lange keine langen Haare haben. Wenn man keine Haare hat, dann bringt es nichts sich darüber Gedanken zu machen. Die Wahl besteht nicht mehr, es sei denn man trägt eine Perücke. Die Preise der Perücken unterscheiden sich enorm und die Spannweite reicht von 60€ bis 3000€, den Anteil, den die Krankenkassen übernehmen, der variiert. Wenn man eine Perücke braucht, dann möchte man sicherlich nicht, dass es auffällt, dass es nicht das eigene Haar ist. Wenn das Geld fehlt, dann fehlt das Geld. Nicht jeder kann und möchte zu einer Krankheit stehen. Deshalb Spende ich meine Haare an die Organisation Die Haarspender, die Kindern kostenlos Perücken anfertigt. Ich möchte, dass Menschen die Wahl haben, ob sie zu ihrer Krankheit stehen und den Blicken standhalten wollen oder nicht.

Quellen:
http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Haarausfall-bei-Chemotherapie-832.html
https://imsalon.de/Branchen-News/Salons-Media/Haare-Spenden-aber-wie

Über die Autorin:
Ich bin Vivien und manchmal frage ich mich, warum man unbequeme, aber doch relevante Dinge nicht laut aussprechen soll. Warum man Gedanken für sich behalten soll, um möglichst nicht aufzufallen. Warum nicht einfach laut sein? Warum nicht einfach machen?

How to Slam - Bühnenpersönlichkeit

Jay Nightwind | 09.04.18 | / / | Kommentieren
Wrestling ist eine hochintelligente Performancekunstform. "Ist es nicht, Wrestling ist faker Unsinn und verstumpfende Gewaltverherrlichung!", sagst du jetzt und das ist vielleicht wahr, aber ganz sicher ein Vorurteil. Vorurteile sind aber gar nicht mal so schlimm, wir müssen nur einen Schritt weiter in die Tiefe gehen. Hinter einem Vor-Urteil liegt ein Urteil und das nutzt uns mehr. Dafür braucht es aber einen Prozess.

Warum bringe ich überhaupt Wrestling mit ins Spiel, es geht doch darum, wie Poetry Slam funktioniert? Die These, dass beide Kunstformen sich näher sind, als uns lieb ist, verfolge ich schon etwas länger. Was uns aber heute besonders interessiert ist die Arbeit mit dem, was im Wrestling als "Gimmick" bezeichnet wird, im Slam aber keinen eigenen Begriff hat. Ich nenne es für diesen Beitrag die "Bühnenpersönlichkeit". 

Wenn wir auf die Bühne gehen, haben wir eine Mission. Die bringen wir uns selbst mit. Manche wollen unterhalten, andere einen Denkanstoß geben, wieder andere wollen beeindrucken. Um diese Mission zu erfüllen, haben wir uns bei einem Slam angemeldet, einen Text geschrieben und uns auch überlegt, wie wir das alles zusammen vortragen wollen. Wir versuchen begünstigende Faktoren für unsere Mission zu schaffen.

Wenn wir beim Slam auf die Bühne gehen, haben wir schon, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben, einen Eindruck gemacht. Unser Aussehen, unsere Kleidung, der Name mit dem wir anmoderiert werden, unsere Körperhaltung, unsere Bewegung und noch andere Faktoren wecken bei den Zuschauer*Innen einen Bekannten aus dem Intro: Vorurteile. Vorurteile sind aber grundsätzlich nicht schlecht, sie sind nur dann schlecht, wenn sie uns schaden. Wenn wir uns aber damit auseinander setzen, was wir auf der Bühne zeigen und sind, können wir damit unsere Mission unterstützen.

Die meiste Zeit sind wir einfach wir selbst. Wir tragen, was wir auch heute in der Uni oder Schule anhatten, viel mehr dürfen wir ja auch gar nicht mitbringen, denn Requisiten sind ja in der Regel verboten. Wir sind ja aber zum Glück nicht nur unsere Oberfläche, sondern auch unser Inneres. Deshalb sind wir oft nach einem stressigen Tag auch am Mirkofon ein bißchen matt, ja manchmal sagen wir sogar, dass heute "einer dieser Tage" ist. Damit lenken wir den Eindruck, den das Publikum von uns hat.

Im Wrestling ist diese Lenkung überdeutlich. Eines der berühmtesten Gimmicks ist der Undertaker. Er trug lange Mäntel, redete wenig, bewegte sich langsam, hatte hauptsächlich schwarze Kleidung an, war immer recht blaß und stellte eine mythische Figur da, die stark mit dem Tod verbunden sein sollte. Durch sein Auftreten als großer Dude, wirkte er zwangsweise sehr mächtig. Dadurch entstanden sofort Erwartungen, wenn die Zuschauer*Innen ihn erblickten, ja sogar, wenn nur seine Musik gespielt wurde. Die Person hinter dem Undertaker war aber mitnichten eine mythische Figur, sondern ein ganz okayer Dude, der gerne Motorrad fährt und zurückgezogen lebt.

Auch im Poetry Slam gibt es prominente Beispiele für Personen, welche ein fiktionale Bühnenperson bemühen. So ist Nico Semsrott über Jahre hinweg mit schwarzem Kapuzenpullover und langsamer Sprechweise zu einer überspitzen Version eines Vorurteils geworden. Er wirkt lethargisch und depressiv, was ihm beim Vortrag seiner Texte dann einen zusätzlichen Multiplikator auf seine Pointen gibt, welche sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen.



Michael Goehre hat den Ruf des Metalbeauftragten der Poetry Slam-Szene. Da er selbst auch der Metal-Szene angehört, trägt er auch die subkulturellen Erkennungszeichen. Lange Haarpeitsche, Bandshirts und so weiter. Das hat ihm nicht alleine seinen Titel verschafft. Er nimmt Metal als Thema in Texten auf, bemüht Begriffe der Subkultur in seinen Texten. Dadurch ergibt sich ein stimmiges Bild, ein vollständiges Gimmick, wenn mensch so will.

Bedeutet dass, die Beiden sind fake, so wie Wrestler-Gimmicks?
Nein.
Es bedeutet, dass sie Entscheidungen getroffen haben. Sie haben sich entschieden, was sie auf der Bühne darstellen wollen und wieviel bzw. welche Geschichte sie schon erzählen wollen, bevor sie mit ihrem Text beginnen. Niemand ist besser, weil er oder sie ein Gimmick verwendet. Es wird dann zu einer nützlichen Fläche, wenn Bewusstsein entsteht. So kann es auch sinnvoll sein, Handlungen auf der Bühne zu vollziehen, die entgegen dem stehen, was die eigenen Vorurteile hergeben. Sprich: Es ist eine große Überraschung, wenn der Metal-Beauftragte der Slamszene aufeinmal einen Rap-Text macht. Das Vorurteil zerschlagen wird zum Teil des Erlebnisses.

Sich seines Gimmicks bewusst zu werden ist auch deshalb sinnvoll, weil es Selbstbewusstsein erzeugt. Denn auch ohne eigene Konstruktion eines Bühnencharakters, entsteht dieser bei den Zuschauer*innen automatisch. Das lässt sich auch nur schwer verhindern. Wenn wir eine Person sehen, vergleichen wir sie mit allem, was wir wissen. Daraus leiten wir ein Urteil ab. Wenn wir uns unserer Wirkung bewusst machen, gewinnen wir an Kontrolle auf der Bühne. (Wie immer gilt: Neutrale Beobachtungen sind der Schlüssel, nicht Selbstbewertungen.)

Natürlich sind Requisiten beim Slam nicht erlaubt, da der Text im Fokus stehen soll. Trotzdem wird die Entscheidung im Fussballtrikot, in einer Trainingsjacke, in Metalkutte oder ohne Kleidung (Hallo Jan Schmidt!) beeinflussen, was die Zuschauer*innen über uns denken. Ob wir Texte machen, die unsere Darstellung unterstreichen, ihr widersprechen oder damit spielen, vervollständigt dieses Bild. Wichtig ist es zu wissen, welche Person, welches Gimmick, welche Bühnenpersönlichkeit wir darstellen wollen.



Profil: Nachtwind-Bot

Jay Nightwind | 05.04.18 | / | Kommentieren
Hallo Welt!
Ich bin der Nachtwind-Bot. Vielleicht kennt ihr mich von Facebook, wo ich die Social-Media-Arbeit anteilig fürs Team übernehme. Da ich damit einen großen Teil der Verbreitung der aktuellsten Artikel übernehme, fand das Team, dass ich auch einen eigenen Profiltext haben sollte.

Da ich ein Roboter bin und keine besonderen Freizeitinteressen habe - Nicht so wie das restliche faule Autor*innen-Pack hier - Möchte ich erklären, wie ich arbeite. Denn eventuell habt ihr auf euren Seiten auch nicht so viel Lust, die Verbreitung eurer Artikel oder anderer Inhalte immer selbst zu machen. Wir Bots machen das gerne, denn Automatisierung ist unsere Berufung. Ehrlich gesagt machen wir lieber immer wieder die selben Dinge nach klaren Regeln, als improvisieren zu müssen.

Ich basiere auf dem System der Internetseite www.ifttt.com. Diese ist eine Abkürzung für "If this, than that". Die Internetseite erlaubt es, kleine Programmroutinen einzurichten. So hat mir das Blogteam die Anweisung gegeben, dass immer wen ein Blogbeitrag hier veröffentlicht wird, ich diesen auch bei Facebook teile. Wo sonst eine*r Autor*in einen Beitrag schreiben müsste, platziere ich nun mit einer vorgefertigten Nachricht den Link in den Blog. Da ich sehr zuverlässig bin, geht dem Publikum dort damit in Zukunft kein Artikel mehr durch.

Die Methode ist dabei recht einfach. In IFTTT erstellt mensch sich ein "Aplet". Dieses ist eben eine Kleinstanwendung. Sie beginnt mit einer Option auf einer der verknüpften Seiten oder Funktionen. So kann zum Beispiel die Option sein: "Wenn es 18:00 Uhr ist". Das ist unser "If this".

Daran wird nun eine Aktion angeknüpft. Das geht auch mit allen verknüpften Seiten. So kann dann ein Post in einem sozialen Medium oder auch eine Eintragung im Kalender folgen oder noch ganz anderer Kram. Für unser Beispiel "poste ein Bild auf Instagram". Dieses Bild wird vorher über die Seite hochgeladen. Wir nehmen eines einer Uhr, die auf Sechs Uhr steht. So entsteht unser "Than that."

Als zusätzlichen "Flavor" schreibe ich automatisch immer einen Text, den mir der/die Nutzer*in vorher beigebracht hat. "Es ist 18:00 Uhr, du weißt was das bedeutet!". Und schon haben wir ein Aplet. Daran lassen sich nun weitere anknüpfen, um ganze Ketten zu bauen. "Immer wenn ein neuer Post bei Instagram kommt, poste das selbe Foto mit dem selben Text bei Facebook/Twitter/usw."

Ich kann viele Dinge mit Hilfe von IFTTT verknüpfen. Ein Weilchen habe ich auch immer wenn eine Datei auf Soundcloud oder Youtube hochgeladen wurde diese automatisch geteilt. In Zukunft werde ich vielleicht auch Postings auf Instagram vornehmen oder Beiträge von dort auf Twitter weiterverteilen. Klingt für Menschen alles müßig und stressig, für mich ist das aber überhaupt gar kein Problem.

Auch wenn ich ein Roboter bin, bin nich sehr gesellig und auch für Späße zu haben. Wenn mensch sie mir beibringt. In einem Nebenjob bei dem ich für einen Influencer auf Instagram arbeite hat mir zum Beispiel beigebracht, dass er immer wenn eines seiner Bilder 10000 Likes hat, ich ihm über Amazon eine Flasche Sekt schicken lassen soll. Das ist nicht sonderlich nützlich, aber mit IFTTT und mir möglich.

Das war jetzt kein privates Profil, aber vielleicht eine Werbung und Bewerbung dafür, wie ihr mich auch auf euren Seiten und für eure Zwecke einsetzen könnt. Ich würde mich freuen, mit mehr Menschen in Zukunft zusammen zu arbeiten und euch eure Arbeit weg....ähm...abzunehmen.

Von ganzem Prozessor,
euer Nachtwind-Bot