Royal Rumble

Letztes Wochenende war in der WWE, also im Professional Wrestling der so genannte Royal Rumble. Technisch gesehen gab es zwei davon, einen der Frauen und einen der Männer. Der Royal Rumble ist ein interessantes Format, weil er einige Abweichungen zu anderen Wrestling-Matches hat. Die Grundidee ist, dass 30 Personen gegeneinander antreten. Damit allerdings nicht einfach nur ein großes Chaos im Ring ist, starten die Personen nicht gleichzeitig. Es beginnen zwei im Ring und alle paar Minuten kommt eine Person hinzu. Statt wie sonst, ist das Ausscheiden aus dem Match vorallem dadurch möglich, dass jemand über das oberste Ringseil geworfen wird und mit beiden Füßen den Boden berührt. Eine Regel die absichtlich etwas Raum für Interpretation und Schummeln lässt, denn es ist ja nicht nur Sport, sondern narrative Performance.

Ein "guter" Rumble erfüllt ein paar besondere Bedingungen. So ist es üblich, dass im Rumble oft nochmal ein paar Legenden, Altstars ihre Chance bekommen sich zu zeigen und mitzumachen. Oft als eine Art Fanservice. Dann gibt es immer ein paar Comedy oder Artistikspots, die das Match auflockern sollen, da es recht lang ist. Außerdem kehren oft überraschend beliebte Stars aus der Verletzungspause zurück oder tauchen sogar zum allerersten Mal auf, auch wenn sie eigentlich aus einem fremden Kader sind. Manchmal sind es auch Promis die eigentlich keine Wrestler*innen sind die auftauchen. 

Der Royal Rumble ist ein Format bei dem ich schon länger darüber nachdenke, wie mensch in spannend in den Poetry Slam oder Spoken Word holen könnte. Die Rahmenbedingungen bei uns sind sehr anders, aber einige Ideen hinter dem Format auch für uns spannend. Aber beim Erweitern dieses Gedanken habe ich mich plötzlich gefragt, wie wohl der Royal Rumble in anderen Kunstformen aussehen könnte? 

Wenn ich mir zum Beispiel vorstelle, dass ich 30 Maler*innen aussuchen dürfte, eine Reihenfolge festlegen, ein paar Legenden, reichlich aktuelles und junges Talent am Anfang des Potentials. Leute mit ähnlichen, Leute mit kompletten verschiedenen Stilen. Leute die die Regeln brechen, wie zum Beispiel Graffiti-Artists die keine klassische Malerei machen, aber Bilder erschaffen. Wen würde ich auswählen? Wer würde vorraussichtlich wen rauswerfen? Was wären kurzzeitige Allianzen um wen aus dem Ring zu heben? Wie würde es fürs Publikum interessant sein und nicht nur für mich cool? An diesem Gedankenexperiment habe ich viel Freude. Weil es nicht nur eine Topliste ist die gradlinig ist. Weil es Überlegungen und Potentiale für Geschichten beinhaltet. Weil es vermischt, was sich sonst nicht trifft. Banksy gegen Van Gogh gegen Kusama gegen Frida Kahlo. Wer hat was gemeinsam? Wer steht im Kontrast? Welche Entscheidungen treffe ich? 

Solche Gedankenspiele sind auch ein guter Weg um sich mit seinem eigenen Stil auseinander zu setzen und zu fragen was mensch mag und aus welchen Gründen? Denn auch beim Wrestling sind nicht alle im Ring, weil sie aktuell die besten in dem Sport sind. Manche haben andere Aufgaben dort. Gerade weil der Ausgang des Matches vorher festgelegt ist. 

Was wäre euer Royal Rumble eurer Kunstform? Wer oder was müsste auf jeden Fall rein? 

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