Ben "Pac" Satterly
Jon Moxley geht in den Ring, um am Abschluss eine ungewöhnlichen Wrestling Show noch ein paar Worte ans Publikum zu richten. Die Show ist ungewöhnlich, weil sie zu ehren eines gerade recht frisch verstorbenen Wrestlers gemacht wurde. Viele O-Töne in denen die Wrestler als sie selbst, nicht ihre Charaktere an Ben Satterly erinnern wurden gezeigt, es wird viel getrauert, es ist eine sehr empatische und verbindene Show. Wir alle kennen Verlust und auch wenn es als Fan anders ist jemanden zu verlieren, als als Familienmitglied oder Freund*in oder anders nahe Person, alle sind eine Trauergemeinschaft für den Moment.
Jon Moxley teilt nun also eine der liebsten Lektionen, die er von seinem Freund Ben Satterly gelernt hat. "Give a Shit". In Anspielung auf die Floskel "I don't give a shit", hat Satterly dafür gesprochen, eben sehr wohl sich darum zu kümmern, wie Dinge sind. Mit Interesse und mit Absicht, mit Klarheit und Gedanken. Moxley sagt, dass es egal ist was wir tun und welchen Job wir haben, wir sollten es mit "Purpose" tun. Also mit Absicht und Nutzen und eben so, dass es uns nicht egal ist.
Aus meiner Sicht kommt da auch Verantwortung dazu. Ein Wort das ich inzwischen für mich auch so übersetze, dass wenn ich etwas tue, ich im Stande sein sollte dazu Fragen beantworten zu können. Antworten zu haben. Und das ist anfangs gar nicht so leicht, denn wenn wir nicht gewohnt sind bewusst zu handeln, dann gibt es manchmal auch keine Antworten. Und für einige Antworten warum wir Dinge tun wie wir sie tun, müssen wir forschen und verstehen und nachdenken. Gar nicht so einfach wie es klingt, vorallem, wenn wir Verletzungen in unserem Lebenslauf haben, die uns beeinflussen.
Aber "Give a shit" und Verantwortung heißt, denke ich, auch nicht alles immer und sofort zu können, sondern vorallem sich zu bemühen. Eine Antwort zu haben die haltbar ist und eine Antwort zu suchen die haltbar ist, ist sehr ähnlich im Wert.
Nicht nur weil mich Ben Satterlys überraschendes Versterben bewegt, sehe ich auf "give a shit" und fühle mich davon inspiriert. Ich mag eine gute Merkregel die schnell in den Kopf geht, aber Tiefe hat. Ich mag dass viele wichtige Ideen wie sich Leben gut leben lässt gar nicht so komplex sind, wie es die Welt ist. Und ich mag, wenn ich sehen konnte, das wer die Regel gesagt hat auch erkennbar versucht hat sie einzuhalten.
Ben Satterly schafft es in meine Kategorie der "Mentor*innen", eben weil ich ihn auch als Künstler sehr ernstnehmen kann. Wenn auch seine Kunstform, der unterhaltende Schaukampf mit improvisierten Theatersequenzen, eine ist, die vielen äußerst seltsam erscheint, er hat darin Meisterschaft angestrebt. Von dem was ich als Fan sehen konnte, waren seine Auftritte präzise durchdacht und voller Details, voller kluger Spielereien. Er war erfolgreich in dem was er tat, denn ich erinnere mich nicht daran mal eine schlechte Performance von ihm gesehen zu haben.
"Give a Shit" mag ich mitnehmen als Merkregel und als Credo. Weil es klug ist, aber auch, weil ich damit Teil des Andenkens an diesen besonderen Künstler sein darf.
Allen Angehörigen, allen Mitfühlenden wünsche ich, dass sie gut trauern können und Frieden in ihren Seelen mit diesem Verlust finden können.
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