Texte: Raben, Asche und nichts macht Sinn wenn mensch nicht will

"Und dann meint dieser Mensch so, nicht jetzt, weil er in so einer mythischen Vorstellung hängt, dass wir eine Bedeutung hätten und verstehen würden." Alle Raben auf der Friedhofsmauer lachen, während sie Konzil halten. "Und was hast du dann gesagt?" - "Gar nichts, diggi, ich bin eine Rabe, ich kann nicht sprechen." Mit breiten Flügeln und Gekrächze bedauern die Raben kurz, dass sie keine Schenkel haben, auf die sie hauen könnten. Dann halten sie weiter Rat über Raben-Dinge, von denen ich nichts verstehe. 

Das Lachen spüre ich irgendwo vor eine Scheibe fliegen, auf der keine dieser Vogekaufkleber sind die das verhindern sollen. Kräh kräh, denke ich. Rab rab, frage ich mich. Und was es wohl mit einem Hahn macht wenn er kräht. Und wie gut es meinem Kopf gerade noch so geht. Asche hängt in der Luft, der Wind ist noch da und schleudert die Ausgebrandtheit von Synapse zu Synapse. Mit einem Kehrblech laufe ich durch meinen Kopf, manchmal finde ich zwischen den Resten eine Fetzen eines Teils einer Erinnerung. Asche macht guten Nährboden denke ich und leg mich hin. 

Als ich die Augen aufmache liege ich in meinem Zimmer auf meinem Teppich. Offensichtlich schaue ich wieder von Innen nach Außen und nicht mehr nach Innen. Asche hängt mir trotzdem in der Nase, Fetzen liegen auch hier. Ein Kind, mein Gebastel, zu selten einen Staubsauger in der Hand, irgendwelche Haare von irgendwelchen Lebewesen. Ich atem tief durch, stehe auf, setze mich auf mein Sofa, lege mich hin, atme tief durch, mache die Augen zu. 

Als ich die Augen aufmache sitze ich mit den anderen Raben auf der Mauer am Friedhof. Ich erzähle ihnen von der Begegnung mit mir. Sie lachen und sind irritiert von den Menschen. Aber dann sagt jemand "Geil, der Nüsschen-Opa kommt." und alle fliegen zum noblen Spender. Ich habe schon genug Freund*innen denke ich, mir fällt dann nur so spontan kein Name ein. Aber ein paar Tiere sind dabei. Der Nüsschen-Opa redet mit den Raben, über ihn werden sie sich nachher nicht lustig machen, weil er ihnen was geschenkt hat. Das konnte ich ihnen nicht bieten. Ich mache die Augen zu und hoffe das ich beim nächsten Öffnen wo rauskomme, wo ich etwas tun kann. 

Als ich die Augen aufmache sitze ich vor meinem Computer und habe diesen Text offen. Ja, Scheiße. Das hat ja nicht so gut funktioniert. Als ich unter der Dusche stand, da habe ich das noch voll gefühlt, denke ich. Aber da habe ich auch anders gedacht, fühle ich. In der Tastatur hängt Asche die aus meinen Augen fällt. Das ist nicht so richtig, denke ich. Da muss ich später beim Schreiben noch mehr als nur Metaphern und Bildern reinpacken. Ein Rabe sitzt gegenüber auf einer Regenrinne. Ich nicke ihm zu, er schüttelt den Kopf. "Diggi, wir können nicht reden und uns nicht gegenseitig verstehen.", ruft er über die Stromleitungen der Straßenbahn. "Tut mir leid", schreibe ich in den Text. "Meister, lass gut sein. Der Stein von Sysyphos hieß Trauer und zur Zeit bist du halt dran.", dann fliegt der Rabe davon. Ich bereue kurz, dass ich nicht rauche, weil ich jetzt ein wenig Bock hätte mich kontrolliert zu vergiften. 

Als ich die Augen aufmache, mache ich die Augen auf. Die Raben sind irgendwo beim Nüsschen-Opa. Ich schieb einen Stein meine Seele hoch. Morgen früh werde ich die Augen wieder aufmachen. Und dann ist wieder ein Tag. Und irgendwann ist die Asche endlich weg. 

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