Staffellauf
Mit mir an dieser Stelle wurde gar nicht gerechnet, aber ich bin schon angelaufen und halte meine Hand auf. Einen Moment lang halten wir den Staffelstab gemeinsam, dann übernehme ich dankend und laufe solange ich kann. Auch mir wird jemand hoffentlich die Hand reichen und den Staffelstab übernehmen, wenn ich nicht mehr kann. Aber bis dahin schaue ich auf meine Strecke und ihre Herausforderungen.
Als unser heftig spuckender Deutschlehrer vorne durch den Klassenraum rotiert und in einer wahnsinnigen Rotation von der Liebe zur Literatur vortanzt, haben wir nichts verstanden. Mit allen Elementen wirbelte dieser Mensch durch den Raum, in einer Energie die seinem Körper kaum zu zutrauen war. Manchmal hatte ich den Gedanken, dass wenn er sich nicht bremst, er explodiert. Was er sagen wollte haben wir nicht verstanden. Wir mussten erst Anlauf nehmen. Ich musste erst Anlauf nehmen. Er weiß es nicht, aber viel später dann, als ich auf der Bühne stehe, wirbel ich aus und rufe und reime und streite für die Literatur. Nur ich weiß wieviel von Herrn Röhricht da noch in mir mitschwingt. Er ist leider schon nicht mehr da, aber das motiviert mich nur noch mehr für ihn die Fackel zu tragen.
Erbe, Tradition und Kultur. Wann immer wir etwas einüben was unsere Vorgänger*innen konnten, wann immer wir etwas daraus lernen und weitertragen, verlängern wir das Wirken einer Person über sie selbst hinaus. Wir werden Teil einer großen Strecke, die vor uns angefangen hat und nach uns endet. Das Ego wird kleiner, weil wir Teil einer großen Bewegung werden. Eine Staffel ist ein Erfolg einer Gruppe. Und es geht eben nicht darum selbst den Stab zu behalten, sondern sicher zu stellen, dass er sich weiter bewegt. Und da es um eine Langstrecke geht, gibt es eben viele Wege das zu tun und das Vorhaben zu unterstützen. Nicht jede*r muss dabei jeden Schritt der anderen kennen. Zu wissen dass es sie gibt, das reicht teilweise.
Egal ob in Freizeit, als Hobby, als Beruf, als Berufung, als Forschung. Wann immer wir etwas beitragen zu einem Bereich, tragen wir die Fackel weiter. Je bewusster wir uns dafür entscheiden, desto mehr Anteil können wir haben. Dieser Artikel hier ist ein weiterer Schritt weiter für verschiedene Staffeln. Und wenn du dich gleich hinsetzt und auch etwas erschaffst, dann machst du auch einen weiteren Schritt. Und wenn dann ganz viele Schritte gemacht sind, werden wir eben auf die Strecke schauen können und stolz sein, wieviel wir da eigentlich geschafft haben.
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Eigentlich hatte ich überlegt diesen Artikel "die olympische Fackel" zu nennen, weil ich eine bestimmte Vorstellung davon hatte, wie das gedacht ist. Bei meiner Recherche zu den Hintergründen stellte sich aber heraus, dass der moderne olympische Fackellauf eine gestohlene Idee ist. Der jüdische Archeologe Alfred Schiff hatte die Idee dazu, übernommen wurde sie dann aber von den Nationalsozialisten und im Rahmen der Winterspiele 1936 dann das erste Mal durchgeführt. Wenn auch manche Teile der Aktion sich verändert haben, gibt es wenig öffentliche Auseinandersetzung, vor allem von Seiten Verantwortlicher, damit wie diese Tradition zu Stande gekommen ist. Daher habe ich beschlossen mich nicht auf den modernen olympischen Fackellauf in meinem Artikel und Gedanken zu beziehen. Mir geht es um die Idee einer Staffel und des gemeinsamen Tragens, wie es schon in der Antike und vielen Kulturen üblich war.
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