Text: weinen

wenigstens kann ich weinen
sage ich mir selbst
einiges auf mir liegt schwer
auf mir liegt welt
liegt schmerz
aber wenigestens kann ich weinen
bestätige ich mir als zeuge
vor meiner eigenen geschichte
von der ich so manches mehr 
und anderes weniger bereue
bestätige ich mir als betroffener
meiner eigenen fehler und dummheiten
ich war niemals nie ein held
wollte keiner sein 
zu keinen zeiten
wenigstens kann ich weinen
aber gebe olivenöl aufs messer
dann passiert es eben nicht
so geht das zwiebeln schneiden besser
wenn ich in der küche stehe 
und meine nächsten fehler zerschnitten vor mir sehe
wenigstens kann ich weinen
wenn ich mich zum zittern zwing
wenn ich meine atemübungen mach
wenn ich nicht zur ablenkung scherze und lach
wenn ich "last minutes with oden" schaue
wenn ich sehe wie andere verluste fühlen
ich habe sie hinter mir
mir stehen sie noch bevor
ich bleibe kühl
wenigstens kann ich weinen
ich wünschte es wären nicht nur zeilen
ich wünschte das fühlen wäre tief
was weiß ich ob ich stumpf bin oder balanciert
ob ich einfach bewusst bin oder aussortiert
ich glaube mein fühlen ist gut dosiert
weil es nicht mehr unterdrückt sondern jeder zeit passiert
und wenigstens kann ich weinen
wenn ich mir einen finger ins auge stecke
drücke und recke 
auf meiner tränendrüse
würde ein wenige salzige tropfen so gerne begrüßen
wenigsten ein wenig weinen
doch dafür bräuchte ich den einen
raum
wo ich mich auflösen kann
nicht mehr was andere an mir sehen
ich wünschte ich wäre nicht mehr junge und nicht mann
zersetzt in meine energie und essenz
und wenn ich dich dann mit dem universum fließe
dann bin ich tränen
hoffe das mich das universum noch erkennt
als einen teil von sich
als eine freundschaft
eine liebe
ich wünschte ich könnte etwas weinen
ich wünschte es ginge jetzt
vielleicht überschätze ich den effekt
aber etwas loslassen dürfen
das wäre nett  


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