Was ist ein Game-Jam? (Und warum wir alle welche machen sollten)

Eine der Kunstformen, die oft gar nicht als Kunstform anerkannt wird, ist das Erschaffen von Videospielen. Dabei kommen hier Technik, Gestaltung, Geschichten und Interaktion mit einem Publikum zusammen. Ähnlich wie andere Formate in Kunst und Kultur es auch anbieten. Und das Videospiele schon lange tief in Kultur verankert sind, zeigt sich alleine daran, dass auch Leute die wenig bis gar nicht spielen Super Mario oder andere Figuren trotzdem kennen. Oder eben auch Spiele benennen können, ohne sie gespielt zu haben. 

Videospiele werden von Entwickler*innen erschafft und wie in vielen anderen Bereichen, reicht da das Spektrum von einzelnen Seelen, Teams bis hin zu großen Unternehmen. Kleine Entwickler*innen werden dabei oft dem "Indipendent"-Bereich zu geordnet. Entwickler*innen, die "unabhängig" arbeiten, was viel Freiheit bedeutet, aber auch weniger Ressourcen. In diesem Bereich gibt es immer mal wieder so genannte "Game-Jams". Diese können sowohl in Präsenz und auch online stattfinden und sind eine Art Treff für Entwickler*innen. 

Ähnlich wie bei einer Jam-Session in der Musik, wo Musiker*innen mit ihren Instrumenten zusammen kommen um zu improvisieren, kommen bei einer Game-Jam Spieleentwickler*innen zusammen, um mit ihren Werkzeugen zu improvisieren. Meist gibt es beim Game-Jam dann ein Zeitlimit und eine Thema. Die Aufgabe der Teams ist es in der Zeit ein spielbares Spiel zu entwerfen, welches eben ein bestimmtest Thema erfüllt. Viele Entwickler*innen sehen diese Jams als tolle Lerngelegenheiten, weil es einen großen Austausch von Ideen, Konzepten und Techniken gibt. Außerdem ist es eine Chance zu netzwerken, sich zu zeigen und aber auch aus der Komfortzone herauszubewegen. Und manchmal macht es auch einfach echt, was mensch da tut. Denn wer in der stillen Kammer arbeitet und sich/die Arbeit niemandem zeigt, ist leider auch wenig sichtbar. Und was wenig sichtbar ist, fühlt sich manchmal noch nicht echt an, 

Game Jams bringen dabei häufig Prototypen zu stande, die sogar später in eine vollwertiges Spiel entworfen werden. Wie eine Sammlung von Werksproben gibt es Plattformen wie "itch.io", wo Entwickler*innen ihre Werke zeigen können. Gerade die Game-Jams fluten immer wieder diese Plattformen. Ein Publikum kann dann dort Testen und Feedback hinterlassen. Aber auch mitteilen, wenn da Lust auf mehr und Potential vorhanden sind. 

Testen ist ein wesentlicher Prozess bei (Video-)Spielen. Denn da die Kunstform von Interaktion lebt, aber auch mit dem Programmcode sehr viele - teilweise senisble - bewegliche Bauteile im Hintergrund hat, mit Regeln auch viele wichtige stare Bauteile im Vordergund, ist Testen ein wichtiger Weg um herauszufinden, was vielleicht übersehen wurde. Welche Dinge passieren, wenn Menschen das Spiel anders spielen als ursprünglich gedacht. Wer dazu ein gutes beispielhaftes Video sehen mag, dem empfehle ich diese (Selbst-)Dokumentation von Entwickler InBound Shovel. Dort wird gezeigt wie Tester*innen und andere Entwickler*innen Dinge im Regelwerk des Spiels herausfinden, die der Entwickler so nicht vorher gesehen hat. 

Game-Jams sind also selbst Spielwiesen für Menschen in ihrer Kunstform. "Game". Durch die Lektüre von Eric Zimmermann und Bernarnd de Koven weiß ich auch, dass es auch für analoge Spiele sowas wie Game-Jams gibt. Sogar große Festivals wo Menschen sich zum Spielen treffen. Und die Nachbarschaft von Kreativität, Spielen, Kunst und Lernen habe auch schon häufiger hier im Blog erwähnt. Sie ist über Forschung in Psychologie und Pädagogik auch nachgewiesen. Wenn wir also an unserer Kreativität arbeiten wollen und alleine nicht voran kommen, dann könnten vielleicht "Jams" das richtige für uns sein. 

Offene Treffs gibt es zum Glück (im Ruhrgebiet) einige und auch mit guter Zuverlässigkeit. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass solche Jams für viele Kunstformen interessant sein könnten. Was passiert wenn sich Künstler*innen, einer oder verschiedenen Kunstformen treffen, ein Thema vornehmen und dann in einer bestimmten Zeit versuchen kleine Werke zu erschaffen und sich die gegenseitig vorstellen? Was lernen wir daraus? Welche Projekte könnten daraus entstehen? 

Ich habe natürlich Blick auf die schreibende Zunft, bei denen habe ich aber besonders häufig den Eindruck, dass sie isoliert und alleine in ihrer Kammern und Cafes sitzen und an ihren Texten schreiben. (Dieser Artikel wurde alleine in meinem Zimmer am Schreibtisch geschrieben) Die Recherche passiert alleine, das was wir lesen, was uns inspiriert, das passiert irgendwie alleine. Dabei gibt es immer mal wieder Produktionen und Projekte, Magazine die entstehen, wenn auch schreibende Menschen zusammen aktiv werden. Mich reizt herauszufinden was passiert, wenn auch andere Künste ganze Jams machen. Ich glaube die Erlebnisse und Erkenntnisse für uns als Künstler*innen sind mehr als wertvoll. 

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