Kochen für alle

Ich würde mir zutrauen für Sechs bis Acht Leute zu kochen. Wenn es mehr Leute sind, dann bräuchte ich mindestens Hilfe beim Einschätzen der Menge an Zutaten. Wenn ich ehrlich bin brauche ich das eigentlich auch bei weniger Leuten, weil für gewöhnlich koche ich etwas zu viel. Aber da in dem Fall am Ende alle satt sind, ist das nicht so schlimm. Übung sei dank koche ich inzwischen auch besser als früher, so dass ich auch meist recht sicher sagen kann, das es schmecken wird. Besonders wenn ich vorher schon eine Idee hab, was meine Gäste mögen. 

Menschen die mit ihrer Kunst ins Internet gehen oder als Teil ihrer Veröffentlichungen Content machen fallen manchmal auf die Vorstellung rein, ihr Inhalt müsste für alle sein und auch alle erreichen. Die Digitalität macht, dass wir uns um die Menge nicht so viel Sorgen machen müssen. Wann immer jemand auf unseren Inhalt trifft, kann diese Person ihn vollständig ansehen. Auch solche Inhalte können allerdings an Nährwert verlieren. Auf den Plattformen dreht sich der Algorithmus unweigerlich weiter und behauptet, dass neu und frisch immer besser ist. Egal ob das stimmt. 

Wenn ich mir das machen von Content und das machen von Essen nebeneinander anschaue, dann berühren sich die Bilder. Ich brauche Zutaten, ich muss sie zubereiten, ich möchte das Menschen nachher satt werden und/oder dass sie es lecker finden. Wenn ich auf unsere Küche zuhause gucke, dann erkenne ich schnell, dass sie nicht die Basis ist um für alle menschen auf der Welt zu kochen. Es würde nicht mal für alle Menschen im Stadtteil reichen. Nur mit Anpassungen und viel langer Arbeit. Aber nicht für alle gleichzeitig. Dafür bräuchte ich mehr Struktur. Eine größere Küche, ein Team, mehr Ressourcen, Mehr Werkzeuge, mehr Kochplatten. Das überträgt sich auch für mich auf den Content. Wenn ich etwas erschaffen möchte, dass für viele ist, dann werde ich dafür mehr brauchen. Ich werde mehr Tools brauchen, mehr Ressourcen und vermutlich auch mehr Zutaten (Bei Content sind diese oft durch Recherche zu bekommen). Und dann ist da noch Zeit die ich brauche. Denn auch die steigt, wenn die Mengen steigen. 

Bei einigen Blogbeiträgen denke ich an bestimmte Personen, Situationen oder Gruppen. Teile meiner Gemeinschaften oder eben Menschen denen ich schon mal begegnet bin. Dann "koche" ich für sie. Oft koche ich auch für mich, weil ich gerne üben und probieren mag. Oder weil ich mir Texte vorbereite, die ich später mal gebrauchen könnte. Falls mal überraschend jemand auftaucht und zum Beispiel eine Schreibübung braucht, habe ich dazu schon einige eingelagert und haltbar gemacht. Ich versuche nicht mehr so meine Inhalte zu machen, dass sie wirklich für alle gut sind. Ich versuche eine gute Zugänglichkeit herzustellen, im Rahmen der Möglichkeiten meiner kleinen "Küche" und Zeit. Wenn ich die Chance habe, werde ich Ressourcen hinzunehmen und für mehr kochen. Aber ich versuche nicht über meine Möglichkeiten zu gehen. 

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