Rezension: Avengers Vs. X-Men

Wie soll ich denn noch epischer einleiten, als mit diesem Titel der Rezension? Hallo!? Die Avengers, die Weltauswahl der Superheldenliga des Marveluniversums kämpft gegen die X-Men, die ewig unterjochten und verfolgten Mutanten. Was mehr soll da noch kommen? Es ist das Weltmeisterschaftsfinale der besten Teams, eines dieser Dream-Matches, von zwei Fraktionen die eigentlich nie gegeneinander hätten kämpfen sollen und müssen.

Beide Gruppierungen kennt so mancher von uns noch aus den alten Comics und Zeichentrickserien, aber dem Mainstreamkino der letzten Jahre zum Dank, sind sie im Gedächtnis und der Wahrnehmung wieder ganz weit vorne.
Wer nur die aktuellen Filme gesehen hat, was ja auch schon ein ganzer Batzen an Material ist, sollte aber beim Lesen dieses Comicgesamtbandes vermutlich trotzdem daneben die Marvelwiki auf machen. Die Fülle der Figuren, Helden, Vorgeschichten des Universums, die es nicht in die Filme geschafft hat ist einfach zu hoch. Vielleicht auch sinnvolles Beiwerk zu dieser Rezension.

Wichtig: Wer die Geschichten der Filme als komplett wahr bzw. „canon“ hinnimmt, der wird ab hier gleich (und vermutlich auch mit dem Comic) nicht so ganz glücklich. Wer nur wissen will ob der Comic gut ist, der scrollt runter und liest ab dem fett-kursiven „Also“ weiter.

Also, wie kommt es denn jetzt zu dieser unwahrscheinlichen Schlacht?
Die Ausgangssituation liegt so: Nach den Ereignissen von „House of M“ ist die Population der Mutanten aus den Millionen auf wenige Hundert herunter geschmolzen. Scarlet Witch, ehemaliger Avenger und aber auch Tochter von Magneto hatte diesen Vorfall zu verschulden und versucht jetzt langsam mit sich ins Reine und ins Heldenbusiness zurück zu kommen.

Die Mutantengemeinschaft ist ein wenig gespalten. Während Cyclops mit seiner Ehefrau und Telepathin Emma Frost, aber auch netten Gesellen wie Magneto auf Utopia versucht einen sicheren seperaten Ort für die Mutanten zu schaffen, werden an Wolverines (ehemals Professor Charles Xavier) Schule für begabte Kinder die Mutanten immer noch auf ein Zusammenleben mit den Menschen geschult.
Da Hugh Jackm....., Logan auch einer der Avengers ist, kann hier schnell erahnt werden, wie da so im weiteren Comic die Laune liegen wird. Cyclops und Wolverine haben ja eh schon eine fragwürdige Beziehung.

Wegen einer Beziehung, die beide hatten und ähm, unterschiedlich raus gekommen sind. Nämlich mit Jean Grey, der ersten Frau von Cyclops, die aber von der Phoenix-Force ergriffen wurde. Einer übergeordneten universellen Macht, die das Leben auf Welten zurücksetzen will, um es in besserer Form wieder zum Leben zu erwecken. Warum erzähle ich das, Jean Grey ist doch tot? Ja, aber die Phoenix-Force nicht. Diese ist nämlich auf dem Weg zur Erde. Diese hat sich aus Sicht des Phoenix wohl schon wieder aufgehangen und braucht dringend einen Reset.

Die Avengers, dank ihrem Superwissenschaftlerplayboyalleskönnersprücheklopfer-IronMan Tony Stark, bemerken dieses Anrücken einer höheren Macht und planen den Phoenix vorher zu zerstören. Und mit „dank Tony Stark“ meine ich: Der Weltraumheld Nova sagt es ihm als er auf die Erde stürzt und fast stirbt, Tony Stark entdeckt es dann auf seinen Scannern und niemand bedankt sich bei Nova. Warum auch? Wer bekommt schon gerne schlechte Nachrichten?

Da die Avengers sich aber auch fragen warum der Phoenix überhaupt zur Erde kommt, treten sie mit den X-Men in Konfli....Kontakt.

Die wiederum – Falls ihr bis hier folgen konntet, Respekt, aber es wird noch besser – haben nämlich einen ganz besonderen Mutanten auf Utopia: Hope Summers. Diese wurde von Cable, einem zeitreisenden Verwandten von Cyclops, aus der Zukunft gerettet und zu Scott gebracht. Hope Summers steht zum einen nämlich in der Prophezeiung der Mutantenmessias zu sein, zum anderen hat sie – bis auf den Namen – aber auch so ziemlich alle Eigenschaften von Jean Grey, was passt, weil sie drittens quasi Cyclops und Jeans Tochter ist. Daher also der Verdacht, dass die Phoenix-Force zu ihr will. Die Tatsache, dass sie aber auch immer mal wieder wilde Energieausbrüche hat, lenkt auch weiteren Verdacht auf sie.

Bis hier hin sind wir etwa auf Seite 30 von 400 und eigentlich ist noch nichts passiert. Wenn ich in Zukunft weitere Marvelgroßgeschichten rezensiere, werde ich nur noch auf diesen Beitrag hier verweisen. Kann man ja nicht alles immer neu erzählen.

Achso, jetzt wollen wir endlich auch zu dem Konflikt kommen. Als erstes kommt es bei der Abholung von Hope Summers durch die Avengers zu einer kleineren Meinungsverschiedenheit, da Cyclops die Unterdrückung durch die Menschen leid ist und im Phoenix eine Chance sieht, die Mutanten zu retten. Wenn Hope der Messias sein soll, sieht Cyclops sich hier als hoher Priester. Und das äußerst fanatisch. Im Streit geht zwar schon mal was zu Bruch, aber als zur Eröffnung des Disputs direkt mal der Helicarrier der Avengers im Meer versenkt wird, diese fliegende Festung, habe ich schon geschluckt. Was soll denn danach noch kommen?

Das Hinspiel geht als Unentschieden aus und statt sich gegenseitig zu jagen, antizipieren Avengers und X-Men auf ihre Art die Ankunft des Phoenix. Iron Man will ihn zerstören, die X-Men empfangen. Und wie Lukas Podolski schon mal so passend sagte: „Am Ende überwiegt beides.“

Iron Man schafft es den Phoenix zu zerschlagen, trotzdem empfangen die X-Men seine Macht. Und zwar nicht einer – Und schon mal gar nicht Hope Summers – sondern gleich Fünf: Cyclops, Emma Frost, Collosus, seine Schwester Magik und Namor, der Prinz von Atlantis. (Ja, ich bin auch immer wieder überrascht, das er einer der Mutanten ist)

Was die X-Men mit der unbegrenzt wirkenden Macht anstellen, wie die Avengers dagegen ankämpfen, was Hope Summers noch für eine Rolle spielt und und und und und und und und werde ich hier jetzt nicht weiter erläutern. Es sei an dieser Stelle nur gesagt: Wir sind immer noch nicht an Seite 100 vorbei gewesen.

Also: Der Gesamtband „Avengers Vs. X-Men“ erzählt wirklich die komplette Geschichte dieses Konfliktes und das sehr ausführlich, aber auch sehr gut. Dank der Bebilderung und angemessenen Erklärungen ist es leicht zu folgen und die allgegenwärtige Spannung der ganzen unterschiedlichen Beziehungen der Figuren macht diesen Wälzer zu einem so genannten Page-Turner. Ich wollte das Teil weglegen, aber ich musste weiterlesen.
Zum Zeichnerischen kann ich nur sagen, dass alles sehr ansprechend illustriert ist. Für mehr fehlt mir die Fachkenntnis. Was auch egal ist, denn die Geschichte macht alles aus. Und nicht nur, weil es die geschätzte Stärke beider Fraktionen diesen Konflikt auf gleicher Höhe mit „Imperium gegen Rebellen“, „Spartaner gegen Perser“, „Föderation gegen Dominion“, „Schalke gegen Dortmund“ und anderen Schlachten der Popkultur platziert.
Wenn in den Gesprächen der Figuren plötzlich Völkerrecht, Menschenrecht, Freiheit, Faschismus und auch die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Religion thematisiert werden, offenbart sich die zweite Ebene, neben dem Nerd-Orgasmus: Eine überraschende philosophische Tiefe, die hinter dieser Geschichte steht.

Der Preis von circa 30€ mag abschrecken, aber wer in der obigen Zusammenfassung der Grundsituation nicht ganz so schlimm ins gedankliche Wanken geraten ist – Sprich mit Marvels Superhelden etwas anfangen kann - sollte sich diesen Comic zu legen. Und wer sich schon immer gewünscht hat, diese beiden Truppen mal gegeneinander statt nebeneinander kämpfen zu sehen, sollte mindestens beim Comichändler seines Vertrauens mal anlesen. Wer vor hat die aktuellen Verfilmungen im selben positiven Licht wie bisher zu sehen, sollte das Geld lieber für die Kinokarten zur Seite legen.

Wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigt, ich muss mir noch ein paar wichtige „Superschlachten der Popkultur“ überlegen.

Kommentare

  1. Das klingt wirklich erstklassik! Auf deine anfängliche Frage was da noch mehr kommen sollte fiel mir sofort einer meiner damaligen Lieblingsreihen Marvel vs. DC ein, aber die hatte definitiv nicht so einen philisophischen, ethischen Hintergrund, was ich bei den X-Men sehr gemocht habe.
    Auch, dass auf die bestehenden lang entwickelten Hintergrundgeschichten eingegangen wird, statt den reinen Basics freut mich zu hören. Wenn ich meinen Freunden davon erzähle was allein Wolverine in seinem Leben bereits mitgemacht hat schlackern die meisten mit den Ohren.

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    1. Die Marvel Vs. DC-Sache war aber ja nur Fanservice. Dann kam die schreckliche Amalgam-"Unsere Helden sind vermischt"-Geschichte und ich mochte es nicht mehr.

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