Poetry Slam von Innen: Wenn die Punkte eine Bedeutung hätten

Jay Nightwind | 10.02.16 | / | Kommentieren
Abstimmungssysteme gibt es beim Poetry Slam so einige, aber manche sind einfach prominenter. Das Bekannteste, der Star unter diesen Systemen scheint mir seit Jahren das "Wertungstafel-System" zu sein, welches mir am häufigsten begegnet.

Am Ende ist ja egal, denn in der Slam-Szene schwingt über den Künstlern immer wie ein Damokles-Schwert der Satz "The points are not the point", aber für das Publikum ist das nicht so. Das Publikum sieht eine andere Erzählstruktur des Abends, als die Organisatoren und die Künstler. Für die Zuschauer sind auch die Punkte der Punkt, weil sich Favoriten bilden bei ihnen, weil sie bestimmte Stile scheitern, andere triumphieren sehen wollen. Und natürlich, weil sie auch wollen, dass ein Künstler auf der Bühne sich für ihre Gunst und die Kunst voll reinlegt, nicht nur vorliest, sondern performt und sich verausgabt. Und um die Anerkennung durch das Publikum erkennbar zu machen, braucht es halt Bewertungssysteme.

Das System mit der Wertungstafel ist ausgeliehen, aus anderen Kunst-Wettbewerben, welche schwer zu vergleichen sind: Tanz zum Beispiel, aber auch beim Skateboarden kommt dieses System zum Einsatz. Dort sitzt eine Jury, in der jedes Mitglied von einem bis zu Zehn Punkten vergeben kann. Die Jury hat eine ungrade Anzahl Mitglieder, da zur Ermittlung eines statistischen Mittels und zum Ausgleichen möglicher Befangenheiten die beste und die schlechteste Wertung wieder gestrichen werden. (Sollte der Wunsch einer Erklärung bestehen, einfach in den Kommentaren nachfragen) Beim Slam ist die Besonderheit aber, dass die Juroren keine Experten sein müssen. Sie brauchen keinerlei Vorerfahrung, werden recht spontan am Abend aus dem Publikum ausgewählt.

Und dann sitzen diese Leute da, mit der Verantwortung etwas - den Gerüchten nach - Unvergleichbares zu vergleichen. Eine gar nicht mal so einfache Aufgabe, die viele Zuschauer instinktiv bewältigen, einfach nach spontaner Eingebung gehen, aber dann auf einmal in eine neue Dynamik des Abends geraten können, denn während vielleicht fünf Leute Jury sind, Fünfzig oder auch schon mal Fünfhundert im Publikum sitzen, die nicht entscheiden wer nochmal lesen darf, aber trotzdem auch eine Meinung haben. Und dann wird eine Jury plötzlich für Zehnerwertungen gefeiert und für schlechte Wertungen ausgebuht. Sichere Menschen lassen sich davon nicht beeindrucken und werten freudig weiter nach ihrem eigenen Geschmack, aber weniger sichere lassen sich damit im Laufe des Abends vielleicht beeinflussen, was schwierig ist, da sie dann ja nicht alle Künstler nach gleichen Maßstäben bewerten.

Gleiche Maßstäbe könnten aber genau dabei eine gute Hilfestellung sein. Punkte von Eins bis Zehn sind natürlich irgendwie schwierig zu differenzieren. Natürlich kann jeder Mensch beantworten, ob ihm Texte gefallen haben oder nicht, aber welcher denn jetzt besser war, wenn sie auf sehr ähnlichem Qualitätniveau waren, ist extrem schwierig zu trennen.

Um Zuschauern eine Hilfestellung zu bieten, müsste mensch sich jetzt überlegen, worauf es beim Slam ankommt. Meine lieben Leser und Leserinnen, es ist Zeit für Streit, denn ich möchte eine Überlegeung anstellen, was denn wäre, wenn jeder Einzelne der Zehn Punkte einen Sinn hätte.

Der Respekt (1 Punkt)
Slam Poeten können, müssen aber keine Profis sein. Sich überwinden, sich trauen, sich vorbereiten, sich freuen, die Energie aktivieren und dann für die Sache brennen, ohne vorher zu wissen, ob Publikum und Text heute zu einander finden werden, das ist eine Leistung, das ist ein großer Einsatz. Und dafür ist Anerkennung angebracht. Daher sollte einer der Punkte der Wertung dem Respekt gelten. Auch wenn es vielleicht gerade der schlechteste Text aller Zeiten war oder vielleicht auch genau gerade dann, denn diesen Text vor zu tragen, braucht dann auch Mut.
Dankbarerweise nehmen Wertungstafeln die Entscheidung über den Punkt für Respekt gerne selbst in die Hand, indem es einfach keine Null als Zahl auf den Tafeln gibt.

Die Technik (0 - 2 Punkte)
Natürlich geht es hier nach Vorliebe, aber Technik ist ein entscheidener Faktor für Texte. Der beste Inhalt, die beste darstellerische Leistung verpuffen, wenn die Erzählstruktur, das Metrum oder auch die Qualität der Reime gegen das Werk arbeiten. Und das kann passieren, denn auch ohne Deutsch LK oder Hiphop-Kenntnisse kann mensch als Zuschauer erkennen, das "Haus-Maus"-Reime zwar auch Reime sind, aber keine hochwertigen. Das kann den besten Inhalt wirklich ins Schwanken bringen, wenn die Darreichung nicht stimmt.
Technik bezieht sich hier aber auch vorallem auf den Text. Eine Testfrage die ich mir zur technischen Untersuchung gerne stelle ist die: Würde dieser Text auch funktionieren, wenn ich ihn im stillen lese?
Wenn die Finessen und Handgriffe des Autoren auch ohne seinen Auftritt funktionieren, dann ist es ein technisch gut gemachter Text.

Wenn die Technik gar nicht stimmt, dann gibt es hier auch keinen Punkt. Ist sie herausragend, beeindruckend und besonders stark, dann gibt es hier natürlich die volle Punktzahl. Vielleicht sogar mehr. Dazu kommen wir später aber nochmal. Für alle Texte die technisch weder schlecht noch spektakulär sind, gibt es den einen Punkt dazwischen.

Die Performance (0 -2 Punkte)
Einige Menschen bezeichnen ja die Gesamtheit des Auftrittes eines Künstlers als seine Performance. Wenn aber technische Geräte beobachtet werden, bezeichnet die Performance die Leistungsfähigkeit. Das wiederum klingt irgendwie so "unkünstlerisch", beschreibt aber sehr treffend, um was es hier geht.
Bezieht sich die Technik auf den Text, geht es bei der Performance um die Leistungsfähigkeit des Künstlers.
Da ist beim Slam, also dem Vortrag von Texten mehr möglich, als das Format im ersten Moment vermuten lassen mag. Springen, Schreien, Flüstern, Gesten, Pantomime, Stimmwechsel, Bewegungen, die Bühne verlassen und was den Poeten sonst noch an spektakulären Aktionen einfällt, kann das Gesamtbild deutlich prägen und auch beeindruckend sein. Wenn nämlich der Vortrag unter theatralischen Methoden nicht einbricht, sondern unterstützt und verstärkt wird, dann ist die Leistungsfähigkeit gezeigt und stark. Fehlende Performance kann aber halt auch andersherum ebenfalls den Text schmälern, ja, im schlimmsten Fall sogar töten. Monotone unmotivierte Stimmlage ohne Abwechslung, ohne Feuer und schnell stirbt hinweg, was sprachlich viel verspricht.

Die Bewertungsempfehlung ist die selbe wie bei der Technik: Für nichts gibt es auch nichts, für die solide Leistung einen Punkt und für das Performance-Feuerwerk dürfen es dann gerne mal zwei Punkte sein.

Der Inhalt (0 -2 Punkte)
Es ist immer schwierig Inhalt qualitativ zu bewerten, aber das erfreuliche an Slam ist, dass die Bewertung super subjektiv sein darf. Aber, wenn mensch es objektiv(-er) probieren möchte, geht das natürlich auch. Daher ist es wichtig, hier "Inhalt" und "Thema" zu trennen. Gefällt einem als Zuhörer das Thema nicht, nehmen wir mal einen Slamklassiker wie "Zugreisen", kann es aber trotzdem inhaltlich sehr gut bearbeitet sein. Auch bei einem so alltäglichen Thema kann vorher Recherche betrieben werden, Fakten und Informationen gesammelt werden. Neben Performance und Technik kann auch der Inhalt durch sorgsame Vorbereitung die Stimmung des Vortrages prägen.
Inhaltliche gute Arbeit wird nicht immer spürbar, wenn der Künstler am Mikrofon steht. Aber mit Hilfsfragen, ob mensch zum Beispiel das Gefühl hat etwas neues erfahren zu haben oder neue Denkanstöße bekommen hat, können das Gespür für den Inhalt schärfen.
Vorsicht: Auch lustige Texte können inhaltliche Tiefe habe, ernste Texte können dafür aber auch trotzdem nicht besonders stark sein in diesem Segment. Da darf mensch sich von literarischen Stimmungen nicht täuschen lassen.

Wenn der Inhalt gar nicht überzeugt oder im schlimmsten Fall sogar falsch ist, gibt es auch keine Punkte. Am anderen Ende der Skala steht zum Glück nicht eine wissenschaftliche Facharbeit, aber eine kluger kausalschlüssiger Denkanstoß, der das eigene Wissen vergrößert, darf gerne zwei Punkte bekommen.

Die Authentizität (0-2 Punkte)
Ich weiß nicht mal sicher, ob das wirklich ein zu bewertendes Kriterium sein sollte. Heut zu Tage wird das Wort ja oft damit verbunden, ob jemand "echt" ist. Aber für Slam ist es auch okay, wenn eine Rolle eingenommen wird auf der Bühne. Aber wie soll ich dann die Echtheit dieser Person bewerten?
Es gilt sich von dem Gedanken zu trennen, dass ein Vortrag dann echt war, wenn Autor und Bühnenperson übereinstimmen. Authentizität entspricht für mich beim Slam zum einen der Originalität.
Wenn ein Künstler sehr stark versucht dem Stil eines anderen nach zu eifern, dann ist das für ihn selbst ein legitimes Ziel, aber ohne eigene Note, ist die Imitation als Eigenleistung nicht ausreichend. Inhalt, Technik und Performance greifen daher auch in dieses Feld mit ein.
Neben der Originalität geht es aber - für mich- um eine Sache, die Tobi Katze mal im Interview angedeutet hat: "Wir Autoren erleben Sachen, damit andere sie nicht mehr erleben müssen." Daraus leite ich für mich ab, dass ein authentischer Auftritt der ist, bei dem ich spüre, das der Vortragende fühlt, was dort zu fühlen ist. Seine Trauer, Anteilnahme, Freude, Neugier, all diese wunderbaren Emotionen, die einen Menschen umtreiben können, sind ihm in seinem Text wieder ab zu gewinnen. Was erzählt wird, ist ein lebendiges Erlebnis. Um diese erkennen zu können, spielen Augenkontakt, Bewegung, Gestik, Mimik, Stimme, alle eine Rolle, auch wenn es keine definitiven Kriterien gibt, nach denen hier zu bewerten wäre.

Trotzdem ist sie wichtig genug, um sie nach dem gewohnten System von Null bis Zwei Punkten in dieser Kategorie zu bewerten.

Der Unterschied (1 Punkt)
Manchmal, da gibt es diesen Moment an einem Abend. Da geht eine Künstlerin, ein Künstler an Mikrophon und legt los. Plötzlich ist etwas anders und es bewegt den Raum. Einer oder alle vier Leistungsbereiche werden über das maß hinaus erfüllt und jeder ist sich sicher, dass wenn er/sie jetzt weghört, es viel zu bereuen gibt. Die Zuhörer hängen an den Lippen, der/die Poet/In geht vollkommen im Auftritt auf. Er oder sie ist die Person, die heute den Unterschied macht.
Manchmal, da passiert dieser Moment auch gar nicht beim Poeten. Der Zuschauer oder die Zuschauerin hat heute selbst eine Geschichte im Herzen, eine Bedürfnis in der Seele, welches überraschend bedient wird. Der Druck sinkt, eine Erleichterung tritt ein, das Gefühl muss dem der Katharsis entsprechen, von dem im Theater immer mal wieder die Rede ist.
Es kann sein, dass nicht nur eine Person am Abend diese Qualität erreicht, sondern ein ganzer Abend voller Höhepunkte steckt und dann ist es auch legitim, jedes Mal diesen Punkt zu geben, der den Unterschied makiert. Er ist ein Exklusivrecht für den oder die Beste, sondern die Erhöhung des Respektes, wenn jemand die Grenzen geweitet hat und etwas Besonderes geschaffen hat, das bleibt.


Fokuspunkte
Du interessierst dich nicht für Authentizität, aber Technik ist dir wichtig? Was schert dich der Inhalt, wenn der oder die jenige authentisch sind? Dann verschiebe die Punkte. Verteile die freigelegten Punkte auf andere Kategorien. Meine Aufteilung ist eh nur Empfehlung, aber das grundsätzliche "Planen" der Bewertung des Abends finde ich gar nicht mal so verkehrt.
Es hilft nämlich dabei, eine Schwachstelle des Jury-Tafel-Systems zu relativieren. Häufig wird der oder die erste Starter/in des Abends schwächer bewertet, weil das Publikum noch steigerungsfähig bleiben will. Es weiß noch nicht, was noch so alles kommt und ist damit noch nicht auf die Qualität des Abends geeicht. Werden für die Texte aber bestimmte Maßstäbe angesetzt, kann es auch mal gut sein, dass auch jemand auf Startplatz Eins alles anbietet, was es an dem Abend braucht, was eine volle Punktzahl dann berechtigt.
Sicher keine Musterlösung, aber vielleicht den Versuch wert.

Sowieso, das alles ist natürlich nur Empfehlung. Ein Gedankenspiel. Ein Versuch zu erfassen, was ein Zuschauer bei einem Slam überhaupt bewerten kann, neben all den Dingen, die niemals nie nicht in die Wertung fließen sollten (z.B.: Körperliche Attraktivität, Outfit, Herkunft etc.). Ganz am Ende, schwingt das Damokles-Schwert über dem Abend, dass es eben nicht um die Punkte und eben nicht um den Wettbewerb geht und es daher eigentlich egal sein sollte. Ein solcher Artikel zeigt nur, dass es ja dann doch auch irgendwie nicht ganz egal ist.
Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es auch nicht vollständig egal. Sonst hätten wir keine Landes- und Bundes-Meisterschaften. Und wenn es diese aber gibt, möchte ich da wenigstens versuchen den Zuschauern eine Art Denkanstoß geben, wie sie denn werten könnten.

"Und für diesen Beitrag brauchen wir eine Wertung, deshalb bitte auf Drei die Jurytafeln hoch....Eins.....Zwei.....Und Drei!"

Motörhead Starterkit

Madse | 09.02.16 | / | Kommentieren
22 Studio-, dutzende Livealben, Singles, Compilations und 40 Jahre Bandgeschichte sind eine ganze Menge, das kann den interessierten Hörer schonmal abschrecken. Aber das muss nicht sein. Ich werde versuchen, einen Einstieg in die musikalische Welt von Motörhead zu geben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ziemlich subjektiv.
Wie so oft, wenn man nicht weiß, von wo man ein Problem angehen soll, bietet sie auch in diesem Fall der Anfang an. Nicht ganz der absolute Anfang (das wäre On Parole von 1975/79, aber dazu gibt es eine ganz eigene Geschichte), aber eins der bekanntesten Lieder von einem der erfolgreichsten Alben: Ace of Spades vom gleichnamigen Langspieler von 1980.


Als nächstes nehmen wir uns Orgasmatron vor, auch hier wieder vom gleichnamigen 1986er Album ( kein Muster, sondern völliger Zufall! ). Der Schubregler steht nicht ganz am vordersten Anschlag, dafür sind Bass und Gitarre tiefer als sonst.
 

Whorehouse Blues von Inferno (2004) klingt vielleicht unerwartet, ergibt aber spätestens dann Sinn, wenn man bedenkt, dass Lemmy sehr viele Bluesmusiker als Inspiration genannt hat.
 

Zu Letzt wollte ich noch einen typischen Song: kurz, laut, schnell, energiegeladen. Mit 2:08 Minuten kommt mir da Rock Out von Motörizer (2008) sehr gelegen!
 

Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte eine Tür aufstoßen und in den Raum zeigen. Wo und wie ihr dann weitermacht, ist euch überlassen, ich bin jedoch nur einen Kommentar weit entfernt.

... und warum die Band so unverkennbar klingt, erfahrt ihr auf Abteilung14

Mein neuer Freund Punchy

Jay Nightwind | 08.02.16 | / | 2 Kommentare
Es ist ausgeglichen, die erste Partie hat er gewonnen, die zweite Ich, die dritte hat gerade erst angefangen. Eigentlich spiele ich bevorzugt mit Captain Falcon, aber manchmal steckt mensch halt zurück, zu Gunsten der guten Stimmung im Hause. Also bin ich jetzt mit Link unterwegs, das war früher meine Lieblingsfigur bei Smash Bros. Daher fühlt es sich nicht wie ein großer Verlust für mich an, eine andere Spielfigur zu nehmen.

Smash Bros. Macht mit Freunden einfach den meisten Spaß, allerdings spielt dann auch keiner mehr mit dir, wenn du a) zu gut, b) die Steuerung und das Spielsystem doch nicht ganz so anfängerfreundlich sind und c) auch noch. Aber alleine braucht das Spiel schnell seinen Reiz auf. Wo normalerweise also das Spiel zu Gunsten der Freunde gewechselt wird, habe ich diesmal die Freunde zu Gunsten des Spiels gewechselt. Denn ich habe Punchy "kennengelernt".

Okay, zu einem vollwertigen Freund wird Punchy es nie schaffen. Außer zocken kann er nämlich nichts. Er ist ein Amiibo, eine dieser neuen Sammelfiguren, die Nintendo für ihre aktuellen System vermarktet. Genau deshalb hat es mich auch angesprochen. Die WiiU überzeugte mich bisher zwar nur zum Kauf zweier Spiele, aber meine Liebe zu Nintendo ist noch groß genug, dass ich mir gerne ein paar schöne Sammlerstücke für mein Regal zu legen wollte. Die Amiibos sind da eine gute Gelegenheit, schon alleine weil sie nicht so teuer sind, wie manch andere Figur von Spielzeugherstellern. Fünfzehn Euro kann so etwas jetzt kosten, wenn mensch Glück hat, ist auch mal ein Amiibo im Angebot. Captain Falcon zum Beispiel hat mich einen Zehner gekostet. Ein typischer Rabatt den Dealer geben, wenn sie sich Junkies züchten wollen.

Die Figur hat eine Art Chip im Sockel, der es erlaubt sie mit der Konsole zu verbinden. Dafür gibt es eine Kontaktfläche entweder am WiiU-Pad oder am 3DS. Bei der ersten Registrierung werden Besitzer und Spitzname der Figur festgelegt. Aufgrund der begrenzten Buchstabenzahl wurde aus meinem Captain Falcon also Punchy. Und zugegebener weise auch, weil ich beim dem Namen Punchy an diesen herrlich herzlichen dümmlichen Kumpel von Ted Mosbey aus How I met your Mother denken muss. Warum ich die Figur mit der Konsole verbinden sollte, war mir nicht so ganz klar, aber die Neugierde siegt.

Die Videospieler aktueller Generationen haben es mit einem Trend zu tun, den es früher nicht gab: DLC. Downloadable Content. Dieser ist häufig Inhalt zu Spielen, der diese ergänzt. Mal kosmetisch, mal inhaltlich, aber meist kostenpflichtig. Einige Spieler sperren sich dem Konzept komplett, andere freuen sich über die Lebenszeitverlängerung ihrer geliebten Titel. Nintendo hat nun im Stillen dieses Konzept sehr klug evolutioniert.

Verbinde ich Punchy bei Mario Kart 8 mit dem Spiel, wird eine gesondertes Outfit freigeschaltet. Das ist nicht viel. Verbinde ich Punchy im Hauptmenü der Konsole mit eben dieser, bekomme ich die Demo eines Spieleklassikers aus vergangenen Zeiten als Download. Diese wechseln auf regelmäßiger Basis. Das ist auch nicht viel, aber schon irgendwie nett. Verbinde ich ihn allerdings bei Smash Bros. mit dem Spiel, wird Punchy zu einer aufstufbaren Spielfigur, welche ich sowohl als Rivalen oder auch Unterstützer mit in den Kampf nehmen kann. Dabei erspielt er Items und Spielwährung, lernt immer besser zu kämpfen und bietet dann eine solide Herausforderung auf dem Feld.

Nintendo hat den spielübergreifenden DLC erfunden. Eine kurze Netzrecherche hat mir gezeigt, dass ich mit Punchy auch in anderen Spielen Boni und zusätzliche Inhalte bekommen könnte. Amiibos die einem Spiel zugeordnet sind (Zu Smash Bros. Sind bisher die meisten erschienen) erfüllen dort dann häufiger Zusatzfunktionen. Auch zukünftige Nintendotitel werden die Funktionen nutzen. Und das finde ich super clever. Denn für Zehn Euro habe ich nicht – wie es sonst oft ist – DLC für ein Spiel gekauft, sondern für eine bisher nicht genau zu bestimmenden Anzahl. Der Pfennigfuchser könnte nun den Kaufpreis durch die Zahl der unterstützten Spiele teilen und so überlegen, wie effektiv so eine Figur ist.

Aber auch ohne finanzielle Kosten-Nutzen-Formeln ist der Amiibo clever. Denn er steuert mich nicht nur als Sammler an, sondern auch als Spieler. Punchy ist auf die maximale Stufe trainiert und ich muss sagen, ein formidabler Kontrahent. Zudem macht aber das Trainieren der Figur echt Spaß, weil die Kämpfe mit einer zusätzlichen Aufgabe verknüpft sind. Das Spielerlebnis wird erweitert. Sollten sich Menschen im meinem Umfeld Smash-Amiibos zulegen, könnten wir diese zum Beispiel auch gegeneinander antreten lassen, ohne selbst das Pad in die Hand zu nehmen, große Schlachten Seit-an-Seit mit dem digitalen Begleiter sind auch denkbar.

Tatsächlich hoffe ich ein wenig darauf, dass die wenigen Menschen im meinem Umfeld mit WiiU sich auch Amiibos hochzüchten und wir mal zusammen kommen, um eben diese Kämpfe auszutragen. Und selbst wenn nicht, bin ich inzwischen recht sicher, dass ich mir noch weitere kaufen werde. Ich bin meist gegenüber diesen Sammlerspielzeugen skeptisch, auch Skylanders und Disney Infinity versuchen mit solchen farbenfrohen Produkten zusätzliches Geld aus Kunden und Kindern zu pressen, aber sie gelten dann halt nur für genau ein Spiel und das macht plötzlich sehr kostspieligen DLC aus den Zusätzen. Schlimmer noch, manche der Titel sind ohne Figuren nicht spielbar. Da geht die volle Punktzahl an Nintendo, der Amiibo gewinnt.

So sehr, dass ich mir auch für andere Konsolen und von anderen Herstellern-Titel übergreifenden DLC wünsche. Mehrwert und Nachhaltigkeit dürfen auch gerne im Digitalen eine größere Rolle spielen.

Punchy und ich, wir werden noch einige Abenteuer vor uns haben. Spätestens wenn es Ryu aus Streetfighter auch als Amiibo gibt, wird es einen neuen Herausforderer und Freund in meinem Regal geben, der gepumpt, gefördert und geschlagen werden will. Bis dahin habe ich Zeit, mir einen weiteren dämlichen Namen für die Registrierung zu überlegen. 

Podcast: Slam in NRW #004 - Dortmund

Jay Nightwind | 05.02.16 | / / | Kommentieren


Ich bin zurück aus dem zeitfressenden Praktikum und kann mich nun wieder darauf konzentrieren, die Slam-Welt zu verpodcasten. Daher heute Abend für euch die vierte Folge der unendlichen Slam-Dokumentation "Slam in NRW". Eine Ausgabe aus Dortmund, im Rahmen des vom Asta der dortigen Uni organisierten Slams. Rainer Holl war Schirmmensch und Moderation, im Interview haben wir aber Sebastian 23 und Svenja Gräfen. Dazu eine dicke Packung Zuschauer. Viel Spaß beim Reinhören.

Nächster Halt: Aachen!