Häppchen: Comics mal anders

Andasch | 20.11.17 | / | 2 Kommentare
Bei Comics denken wir immer an die großen Superhelden: Spiderman, Batman und Superman. Durch das Marvel Cinematic Universe vielleicht auch an Ironman, Antman und so weiter. Aber Comics lesen ja eigentlich nur Kinder oder Nerds. Mittlerweile vielleicht auch einfach Hardcorefans der verschiedenen Universen. Comics haben aber soviel mehr zu bieten. 

Ich möchte heute in aller Kürze nur meinen Lieblingscomic vorstellen. Der hat nichts mit Superhelden zutun. Er ist melanchonisch und spielt in einer Welt ohne Magie oder Superkräfte. Nur eine WG und ihre Bewohner.
Tim Gaedke erlaubt seinen Figuren in Punchdrunk einfach da zu sein. Keine große Heldenreise, keine Lösung. Am Ende ist nichts groß anders, aber es ist doch ziemlich viel passiert. Wie im echten Leben halt..




Nur 1 Euro

Miriam | 16.11.17 | / | 4 Kommentare
"Haben Sie vielleicht ein bisschen Kleingeld für mich?", fragt mich ein Mensch am
Hauptbahnhof. Ich krame mein Portemonnaie heraus und drücke ihm ein paar Centmünzen in die Hand. Er bedankt sich. Ich lächel. Er zieht weiter. "Haben Sie vielleicht ein bisschen Kleingeld für mich?" Viele sagen nein. Einige schütteln nur den Kopf. Andere nehmen nicht mal die Kopfhörer aus den Ohren.

Szenenwechsel. Ich werfe Nudeln in meinen Einkaufskorb. Es folgen Milch, Joghurt, Frischkäse. Meine Freudin fragt "Wie viel Geld steht dir im Monat für Essen zur Verfügung?" Ohne darüber nachzudenken antworte ich "Da setze ich mir keine Grenzen." 

Ich lebe im Wohlstand. Ich habe eine eigene Wohnung, in der sich ein völlig funktionstüchtiges Bad befindet. Und eine Heizung. Ich habe ein eigenes Zimmer mit einem eigenem Bett und einem Schrank voller Klamotten. Ich gehe einkaufen und achte kaum auf die Endsumme. Ich sortiere Centstücke aus meinem Portemonnaie aus, weil sie mir lästig sind. Ich esse täglich durchschnittlich drei Mahlzeiten, eine davon in der Regel warm. Ich lebe im Wohlstand. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt zu hungern oder keinen festen Schlafplatz zu haben. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt nicht zu wissen wie man sich das nächste Brötchen finanzieren soll. Oder wann. Ich lebe im Wohlstand. Und jeder, der mich fragt "Haben sie ein bisschen Kleingeld?", der tut das nicht. Deshalb kann ich ihm etwas von meinem Wohlstand abgeben. Ein Euro ist nicht viel Geld. Nicht für mich. Einen Euro abzugeben macht mich nicht deutlich ärmer. Er macht mein Gegenüber auch nicht deutlich reicher. Ein Euro ist nicht viel Geld. Aber mit einem Euro kann sich mein Gegenüber vielleicht schon ein Brötchen kaufen. Oder einen Kaffee.

Nach dem Armutsbericht gilt in Deutschland als arm, wer unter der Einkommensarmutsgrenze lebt. Das bedeutet, dass das Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Das mittlere Einkommen wiederrum ist ein Durchschnittswert aller Haushaltseinkommen unseres Landes: Alle Haushalte werden nach ihrem Einkommen der Reihe nach geordnet. Das in der Mitte liegende Einkommen bildet dann das mittlere Einkommen. 2015 gab es in Deutschland rund 12,9 Millionen Menschen, die unter der Einkommensarmutsgrenze lebten. Es ist klar, jedem kann ich nicht helfen. Oder?

Eine Redakteurin von jetzt.de, Charlotte Haunhorst, hat genau das einmal in einem "Experiment" ausprobiert. Ein Jahr lang gab sie jedem scheinbar Bedürftigen, dem sie begegnet ist, Geld. Dabei hat sie sich an einige selbst auferlegte Kriterien gehalten: Jede Person, die sie direkt passierte oder die sie ansprach, bekam mindestens 50 Cent. Obdachlos oder "nur bedürftig" war der Journalistin dabei unwichtig. Ob das Geld am Ende für einen Kaffee oder ein Bier ausgegeben wurde, spielte beim Spenden ebenfalls keine Rolle. 

Meine Entscheidung, wer Geld bekommt, hängt vor allen vom Inhalt meines Portemonnaies ab. Und vom Bauchgefühl. Klar ein bisschen Verstand ist auch dabei. Wenn mensch sagt "Ich brauche das Geld für die Notschlafstelle", dann ist das eine Lüge. Denn Notschlafstellen sind in der Regel kostenlos. Nur Zusatzdienstleistungen, wie zum Beispiel Zahnbürste, Spind oder Dusche kosten etwas. In Essen gibt es zum Beispiel eine Übernachtungsmöglichkeit in der Lichtstraße. Jugendliche bis 21 Jahren können außerdem in der Notschlafstelle Raum58 unterkommen. In Dortmund gibt es die Männernotschlafstelle in der Adlerstraße und die Frauennotschlafstelle der Diakonie in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße. Auch in dieser Stadt gibt es für Jugendliche eine eigene Schlafstelle, das Sleep-In in Dortmund Körne. 

Ich stehe mit einer Freundin am Dortmunder Hauptbahnhof. Ein Mensch spricht uns an "Entschuldigung, habt ihr vielleicht etwas Geld für einen Kaffee?" Ich verneine: "Ich habe leider kein Kleingeld im Portemonnaie." Es fühlt sich nicht gut an, diesen Menschen wegzuschicken. Denn während ich nur 50 Meter weiter zum Bankautomaten gehen müsste, um eine  beliebige Summe abzuheben, von der ich entweder einen Kaffee oder ein Drei-Gänge-Menü kaufen könnte, muss dieser Mensch x-Mal völlig Fremde um Hilfe bitten, um am Ende einen Euro für einen Kaffee zusammen zu haben. Und wird dabei wahrscheinlich mehr Neins als Centmünzen kassieren. "Ist doch nur ein Euro", wird er sicher nicht denken, wenn er das Geld dann irgendwann zusammen hat. 

Weltraumsöldner: Danton & Lexi

Jay Nightwind | 13.11.17 | / | Kommentieren

"Okay Lexi", Danton versuchte sich die Müdigkeit mit der Hand aus dem Gesicht zu ziehen, "Was haben wir hier?". In einer ausufernden Bewegung streckte er sich und gähnte, bevor er dann die Augen öffnete. Lexis Stimme schepperte über die minderwertigen Boxen des Cockpits: "Farbikat: Markheimer, ein kleiner Transporter. Ausgelegt für Transportmengen bis zu 40 Tonnen. Er trägt das Registrierungszeichen von der Alessio Unternehmensgruppe, allerdings keine aufgezeichnete Kennungsnummer." Im hinteren Teil des Cockpits suchte Danton seine Jacke, nachdem er sich ungelenk in seinen Holstergurt geschoben hatte. "Haben wir eine Beschreibung des Transporters, den Alessio als gestohlen gemeldet hat?" - "Ja Danton.", Lexi klang viel zu glücklich, "Sie lautet: Er sieht aus wie jeder andere Transporter und fehlt im Depot. Da du dich geweigert hast für 40 Credits den Polizisten zu bestechen, haben wir nicht mehr erfahren." Lexi war viel zu glücklich. "Lexi, was würde ich nur ohne dich und deine nachsichtige Art tun?" - "Sterben. Spätestens bei der Jagd nach dem Juggler wärst du ohne mich gestorben." Danton verzog sein Gesicht, erst weil ihn die Direktheit störte, dann, weil sie Recht hatte. Genervt erwiderte er: "Ja, Lexi. Was möchtest du hören?"


Es wirkte so, als müsste Lexi nachdenken. Sie antwortete nicht mit dieser brutalen Geschwindigkeit, die ihr Markenzeichen war. "Ich möchte gar nichts hören. Ich möchte, dass wir diesen Job ordentlich zu Ende bringen und dann fliegen wir heim, du kaufst mir diesen dämlichen Wärmebildsensor, auf den ich jetzt seit Wochen bestehe und dann muss ich bei zukünftigen Jobs nicht mehr raten, wieviele Leute in den anderen Schiffen dir eine weitere dieser störenden Körperöffnungen verpassen wollen." Danton wollte gerade einsetzen, doch Lexi ergänzte noch: "Und dann! Dann können wir endlich aufhören so ein scheißverdammtes Klischee der armen heruntergekommenden Kopfgeldjäger zu sein, sondern uns eine Visitenkarte oder sogar eine eigene Satellitenfrequenz zulegen." - "Wow. Lexi? Scheißverdammt? Ich wusste nicht mal, dass du sowas in deinem Wortschatz hast." - "Was soll ich sagen, Danton? Der regelmäßige Umgang mit Kriminellen lässt auch an einer feingeistigen K.I. wie mir ihre Spuren."

Danton stellte sich Lexi lächelnd vor. Dann zog er seine Jacke zu, steckte seine Waffe in den Holster. "Wieviel Munition haben wir eigentlich noch?", fragte der Kopfgeldjäger die Intelligenz seines Schiffes. "Wir haben noch Neun Patronen in deinem Revolver und in einer Schublade in deinem Schrank weitere Zwanzig Schuss. Persönliche Anmerkung: Wir sind lächerlich ausgestattet für einen Kampf." - "Deshalb kämpfen wir ja auch meist nicht, meine liebste Lexi. Wir benutzen unseren Verstand. Und bevor du den Witz machst: Ich bin selbst immer überrascht, dass das klappt." Lexi schwieg, was meist nicht bedeutete, dass sie nichts zu sagen hatte, sondern sich auf das Ankoppeln an das andere Schiff konzentrierte. Konzentrierte. So sah es natürlich für Danton aus, sie selbst würde sagen, dass sie ihren Arbeitsspeicher auf eine Anwendung bezieht.

"Okay. Rechne mit vier Leuten. Du weißt nicht was im Transporter ist. Wir wissen, dass es für Alessio wertvoll genug ist jemanden loszuschicken, aber nicht wertvoll genug jemanden Hochwertigen zu buchen. Oder so illegal, dass sie keinen gebrauchen können, der irgendeiner Regierung nahe steht. Der Transporter sollte möglichst unbeschädigt bleiben und wer auch immer da drin ist, wird wissen, dass wir kommen." Danton stand vor der Ausgangstür und wartete darauf, dass Lexi bestätigte, das er nun ins andere Schiff wechseln konnt. Er sprach zwar laut mit sich selbst, Lexi hörte ihn trotzdem. Rituale waren wichtig für Danton. Für wen auch nicht? Sie selbst lief ja mit Routinen und gleichmäßigen Algorithmen. "Lexi, in wieviel Minuten kommst du nach?" - "Am liebsten gar nicht. Du weißt wie unwohl ich mich in dem anderen Frame fühle. Kannst du nicht einfach den Helm aufsetzen und den Funk aktiv lassen?", Lexi klang mit einem Schwanken in der Stimme tatsächlich authentisch unglücklich mit Dantons Frage. "Gut. Wir machen das mit dem Helm."

Die Verbindung zwischen den Schiffen war etabliert, Danton hatte seinen Revolver in der Hand und spielte nervös mit dem Daumen am Hahn der Waffe herum. An das Abfeuern der Waffe gewöhnt man sich schnell, es war immer gleich, auch nur eine weitere Routine. Abzug, Hahn, Zündung und das Projektil fliegt. An das Töten gewöhnte man sich nie. Keine zwei Seelen verließen auf gleiche Art den Körper. Danton hatte drei Menschen erschossen, seit er in diesem Geschäft war. Dass sein Arbeitsbereich ein Geschäft war, schien ihm schon schlimm genug. Jeden Tag freute er sich, wenn er nur selbst einen Transport oder eine Nachforschung anstellen musste. Alles war besser als Leute zu jagen. Naja. Alles, außer in einem festen Job zu arbeiten. Denn dafür brauchte man einen anerkannten Abschluss bei einem Unternehmen. Das alte Spiel: Freiheit oder Sicherheit. Nur wer richtig ekelhaft wohlhabend war konnte beides haben. Und auf rauen Welten war beides stark begrenzt.

Ein leichtes Zischen kündigte an, dass sich die Luft zwischen den Schiffen ausglich. Danton streckte seine Arme und atmete tief aus. Heute müsste er vermutlich ein paar Leute erschießen, um eine Wärmebildkamera zu kaufen. Freiheit oder Sicherheit? Freiheit. Er wusste nicht warum, aber die Antwort war immer Freiheit.

Ein Tag im Leben

Hanna Honig | 08.11.17 | / | Kommentieren
Ein Text über Freundschaft.
Und gegen Vergessen.

Du sitzt auf einem Steinvorsprung an einer roten Brücke und blickst in die Ferne.
Du schaust auf einen Fluss, über den noch leichter Nebel zieht.
Das grüne Feld daneben steht schon im leichten Licht, denn der Tag bricht grade an. Es dämmert.
Du sitzt schon die ganze Nacht hier und wartest auf mich.
Wir waren zwar nicht verabredet, aber du kannst davon ausgehen, dass ich kommen werde.
Es ist Freitag und wir treffen uns jeden Freitag hier.
In so vielen Sommernächten sind wir über das Brückengeländer geklettert, auf genau diesen Vorsprung und haben in die Nacht gelacht, geschrien und geweint.
Wir machen ja immer alles zusammen.
Du bist schon immer alles für mich gewesen.
Ich habe dir das so oft gesagt, aber ich wusste nie ob es auch so bei dir ankam.
Ich habe mich immer gefragt, ob ich dir so wichtig bin, wie du mir.
Aber ich habe mich bis jetzt nie getraut dich zu fragen.

Langsam laufe ich durch den Nebel, hier bei mir ist er wirklich noch sehr dicht.
Ich klettere über das Brückengeländer und setzte mich neben dich auf den Stein.
"Hallo, guten Morgen." sage ich.
Ich umarme dich.
Deine Haare wehen leicht im Wind und die Nacht hängt noch in deinem Blick, als du dich kurz zu mir drehst.
Ich schaue dir in die Augen und muss lächeln, ich muss immer lächeln wenn ich dich ansehe.
Ist das jetzt eine Eigenschaft von mir oder von dir?
Du schaust wieder aufs Feld.
Heute bist du wieder sehr traurig.
Es tut mir so weh dich so zu sehen, ich konnte das noch nie ertragen.
Ich wollte immer nur, dass es dir gut geht und das geht es dir jetzt nicht.
"Ich vermisse dich." Sagst du.
Ich lege meinen Kopf auf deine Schulter.
Dann beginnst du zu weinen.
Es bricht mir mein Herz einfach in zwei Teile.
Ich lege mein Hand auf deine Hand.
Du weinst.
Ich streiche dir über deine Haare.
Du weinst weiter.
Ganz fest nehme ich dich in den Arm.
"Ich bin doch immer da. Ich würde alles für dich tun, ich werde dich immer beschützen. Das weißt du doch."
Du hörst kurz auf zu schluchzten, aber Tränen fließen nun still über dein Gesicht.
"Weißt du noch, was ich mal gesagt habe?
Selbst wenn ich mal nicht da sein sollte, dann bin ich trotzdem da. Ich merke, wenn du mich brauchst, immer."
Dann ist es ganz still.
Du weinst nicht mehr, sondern hast dich auf deine Jacke gelegt und blickst in den Himmel.
Die Sonne geht auf.
Sie lässt deine Haare leuchten.
"Hey, du darfst nicht so traurig sein,
du bist zu wertvoll dafür."
Sage ich.
Dann kramst du in deiner Tasche nach deinem Handy und machst von diesem leise Musik an.
Oh, ich mag das Lied, das haben wir schon so oft zusammen gesungen.
"Das hast du mir gezeigt, weißt du noch?
Sage ich.
Und dann haben wir das immer zusammen gesungen, aber du kannst es wirklich so viel besser als ich!
Dieses "Weißt du eigentlich, was du bist für mich? Alles andre als normal und jederzeit loyal, royal. Du bist mein Fundament, keine die mich so gut kennt, keine-""
Du fängst wieder an zu weinen?
Nein, bitte nicht.
Du legst dich auf die Seite und weinst einfach nur.
Bitte, du musst damit aufhören.
Ich lege mich neben dich, nehme dich wieder in den Arm.
So liegen wir lange da, bis du dich wieder aufsetzt.
Jetzt steht die Sonne am Himmel, es ist warm. So ein schöner Tag, du solltest wirklich nicht traurig sein.
Ich bin doch bei dir.

Die Sonne scheint sogar durch den Nebel hindurch, der mich umgibt.
Jetzt ist es schon ein Jahr her, dass ich gestorben bin.
Ich wollte damals zu dir.
Ich war so wütend auf dich, weil du dich so von mir abgegrenzt hast.
Es hat wirklich weh getan.
Ich habe das nicht verstanden.
Du warst alles für mich, und mir erschien es so, als sei ich für dich totale Nebensache.
Eine Selbstverständlichkeit!
Deswegen wollte ich an diesem Tag meinen ganzen Mut zusammen nehmen und dich endlich fragen, WAS ich dir bedeutete.
Es war Freitag, wir wollten uns an der Brücke treffen.
Ich war blind vor Wut, blind und dumm vor Wut ging ich los von zuhause, blind vor Wut lief ich über die Straße und blind sieht man keine Autos...
Du hast vergeblich gewartet an diesem Freitag Abend.
Hast mich irgendwann immer wieder angerufen.
Aber ich hab dir nicht mehr geantwortet.
Doch du hast mir geantwortet, obwohl ich dir diese Frage nie gestellt habe.
Diese Frage mit der Wichtigkeit.
Denn du sitzt jeden Freitag hier und wartest auf mich.
Jeden Tag bist du traurig.
Deswegen bist du jeden Tag traurig!
Und freitags weinst du immer.
Ich kann das nicht mehr ertragen.
Es tut mir so leid, dass ich mir je die Frage gestellt habe, ob ich dir was bedeutete.
Es tut mir leid, dass ich so blind war.
Meine Blindheit hat mich umgebracht.
Aber das ist nicht schlimm.
Es ist schlimm, dass du leidest.

Ich schreie. Ganz laut.
Bitte. Du musst mich doch hören.
Alles tut mir weh, obwohl ich tot bin.
Alles tut so weh.
Ich weine.
Ich habe noch nie geweint, in meinem Zustand...
"Auch wenn ich mal nicht da bin, bin ich trotzdem bei dir, weißt du noch?
Und DU musst weiterleben.
Du hast so ein schönes Leben verdient!"
ICH weine weiter. Immer weiter.

Hey, Moment. Wir können zusammen weinen?! Wir können! Wir machen ja immer alles zusammen! Wir haben schon immer alles zusammen gemacht!
Der Nebel um mich herum wird ganz plötzlich ganz kurz weniger.
Du schaust zu mir rüber.
Deine Augen weiten sich und ich sehe ein Glitzern darin, was ich so lange nicht gesehen habe, aber so sehr liebe.
"Du." Sagst du.
"Danke, dass du gekommen bist."
Dann lächelst du.
Der Nebel wird wieder dichter.

Zusammen stehen wir auf, klettern über die Brücke und jetzt?
Lauf du in den Tag hinein!
Ich lasse dich gehen, weil ich weiß, dass du weißt, dass du eben NICHT alleine bist.
Auch wenn ich nur einen ganz kurzen Moment für dich da war.
Erst ein kurzes Leben.
Dann aber diesen einen Augenblick,
Diesen Schimmer in deinen Augen.
War ich kurz zurück.
Jetzt bin ich weg.
Für immer.
Aber ich bin immer für dich da.
Einen Tag im Leben, jeden Tag im Leben. In deinem Leben, ich bin eben nur woanders.

Vlog: Die Sokratischen Siebe für den Alltag

Der Nachtwind | 06.11.17 | / / | Kommentieren
Blogautor und Poetry Slammer Jay Nightwind ist auf der Suche nach der ultimativen Lösung für gute Kommunikation. Wie das so ist: Für viele Probleme gibt es alte Lösungen. Warum nicht die Philosophen befragen? Die drei Sokratischen Siebe scheinen unserem Autor geeignet, gerade in Zeiten von Hate Speech und Fake News.

Bundeswehr aus Youtube abziehen!

Jay Nightwind | 01.11.17 | / | 4 Kommentare
Als Spotify mir die exklusiv produzierte Werbung hinrotzt, bekomme ich direkt erhöhten Puls. "Hör dir jetzt die Playlist zur neuen Bundeswehr-Webserie "Mali" an." Nicht nur, dass es mich überrascht, dass eine vor zwei Jahren begonnende Werbekampagne weiterläuft, trotz massiver inhaltlicher Verkürzungen, nein. Erst wurde Youtube mit "die Rekruten" belagert. Nach der Umwandlung in "Bundeswehr Exclusive" ging es mit "Mali" weiter.

Militärischer Ausdruck sehr beabsichtigt. Denn auch vor Videos, die ich mir anschaue, wird mir die Kampagne angepriesen. Auf Spotify zeigt sich, dass sie tatsächlich und wirklich einen eigenen originalen Soundtrack haben produzieren lassen. Eine Nähe zum modernen Hiphop und Charterfolgen ist mehr als gewollt, daran herrscht kein Zweifel. "Ähnliche Künstler: Kollegah, Kontra K, Ali As" die Zielgruppe definiert sich von alleine.

Spotify, Youtube, Facebook. Die Streitkräfte finden also Einzug in die sozialen Medien, sind aber plötzlich nicht mehr unbeholfende Regierungsorgane, sondern spielen groß auf. Die Youtube-Webserien sind entsprechend moderner Standards produziert, sollen in erzählerischen Abschnitten mit modernen schnellen Schnitten schmackhaft machen, die Bundeswehr als Arbeitgeber in Betracht zu ziehen.

Der Trailer für die neue Serie erinnert schon eher an Kinoproduktionen, als an eine Dokumentation des Auslandseinsatzes.



Was ist denn jetzt eigentlich der Aufreger? Warum bekomme ich denn Puls, wenn ich das sehe? Ich war doch selbst vor vielen Jahren bei den Streitkräften und bin kein Pazifist. Ich hatte sogar mal Reservistenstatus, hätte also einberufen werden können im Falle eines Falles. Weshalb stört mich jetzt also die Kampagne einer Einrichtung, die ich selbst gar nicht vollständig ablehne? Weil es eine Werbekampagne ist.

Werbekampagnen, die machen Unternehmen. Und Unternehmen, die verkaufen ein Produkt. Und Produkte, die verkauft mensch am besten durch Erfolge und gutes Marketing. Gutes Marketing, das heißt heute, Menschen und Lifestyle zu präsentieren. Daher werden - entgegen allen Maßgaben der Geheimhaltung - zum Beispiel die sympathischen acht Berufssoldat*Innen in den Fokus gestellt und in Einzelprofilen vorgestellt. Weil wir sie als Identifikationsflächen brauchen. Denn so bringen wir einen Teil des Produktes an den Menschen: Die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiv machen.

Zeitsprung:
Politischer Bildungsunterricht in meiner Grundausbildungseinheit, irgendwann 2004. Ein Hauptfeldwebel fragt uns, was denn wohl der Grund ist, weshalb wir eine Wehrpflicht haben? Eine verdammt gute Frage, wie ich finde, denn zum einen wirkt Krieg mit unseren Nachbarn auf mich abwegig und Krieg anderswo unterstützen/verteidigen als moralisch falsch.

"Weil alle eine Armee haben?"
"Weil wir sonst Opfer einer Invasion werden?"
"Weil wir von der NATO gezwungen werden das Staatenbündnis mit zu verteidigen?"
"Weil es Arbeitsplätze schafft?"
"Weil wir im Kalten Krieg eine Verteidigungslinie für den Westen sein mussten?"

Mit den Antworten unserer Ausbildungsgruppe war der Ausbilder wirklich nicht zufrieden. Seine Erklärung verblüffte mich zuerst. Sinngemäß sah sie so aus:
Die Bundeswehr wird mit Pflichtdienstleistenden aufgefüllt, da sie eine Armee einer Demokratie ist. Wir brauchen den Bürger an der Waffe, den Zivilisten in Uniform. Damit die Streitkräfte einer dauerhaften lebhaften Überprüfung durch Menschen aus der Gesellschaft ausgesetzt sind. Diese Überprüfung sichert, dass die Streitkräfte transparent bleiben. Dass nicht verborgen werden kann, was innerhalb der Streitkräfte passiert.

Passend. Ein paar Monate bevor wir in die Grundausbildung kamen, hatten sich die Ereignisse in Coesfeld zugetragen. Rekrut*Innen wurden von Ausbilder*Innen misshandelt und diese Nachricht hatte den schnellen Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Gemessen an der Aussage unseres Hauptfeldwebels wirkte mir die Transparenz im Fall Coesfeld gegeben. Es gab eine intensive Untersuchung, Befragungen und eine strenge Beschäftigung mit den Vorfällen. Als ich nach zwei Jahren die Bundeswehr wieder verlassen hatte, wurden die Ereignisse von Coesfeld noch bis 2010 vor einem zivilien Gericht verhandelt und zum Messgrad dessen, wie innerhalb der Bundeswehr gearbeitet wurde.

Der Verlust, den die Bundeswehr dadurch erfahren hat, dass keine Pflichtdienstleistenden mehr dort dienen, zeigt sich darin, was die Bundeswehr nun ist: Ein Unternehmen. Wurden Ausbildende und Vorgesetzte vorher auch durch die Untergebenen kontrolliert, da diese keiner "beruflichen" Bindung zur Truppe folgten, gibt es jetzt nur noch Angestellte. Die Position von Angestellten wird in Deutschland natürlich auch sehr stark geschützt, aber eine vermindertes Bewusstsein und eine höhere Kontrolle der Bundeswehr darüber, was über sie bekannt wird, bringt sie moralisch in eine neue Situation. Dazu hat die Bundeswehr jetzt möglicherweise neue Interessen, einfach, da eine Berufsarmee anders arbeiten muss. Was die Interessen sind, welche natürlich auch politisch geprägt sind, bleibt dabei unklar. Auch, weil kein Bürger in Uniform mehr auf die Finger der Berufssoldaten schaut.

Wenn ich die Aussetzung der Wehrpflicht wie sie durchgeführt wurde bewerten müsste, würde ich von einem Fehler sprechen. Die Bundeswehr wird zu einer Firma, einem Betrieb und in Zeiten von Globalisierung und Lobbyismus, sehe ich das als große Gefahr an. Krieg darf kein Geschäft werden, die Bundeswehr keine wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Beobachtungsgemäß wirkt sich das oft schlecht auf die "Menschlichkeit" aus, was im militärischen Umfeld meist eh schon knifflig ist.

Jetzt bewirbt die Bundeswehr fantastische Held*Innen, die vor Mali auch "deine" Freiheit verteidigen. Sie vermarkten Musik auf Spotify, drehen Filme und steigen darin ein, wie andere Werbestrategen einen Lifestyle zu vermarkten. Ich möchte das nicht. Bundeswehr ist kein Lebensstil und auch nicht erstrebenswert. Die Bundeswehr verliert an Menschlichkeit, weil die Diversität in den Reihen der Dienenden abnimmt. Die Bundeswehr sollte den Bürgern dienen und durch die Bürger kontrolliert werden. Bundeswehr ist ein Übel der aktuellen politischen Situation, das wir leider noch nicht überwunden haben. 

#Kleinerdreifür: Zwergriese

Jay Nightwind | 31.10.17 | | Kommentieren
Hey Rudel!
Nach klugen Beiträgen von Misharrrgh und Markus Freise ist mir wieder stark ins Gedächtnis gestiegen, dass wenn wir wollen, dass auf Facebook und anderen sozialen Medien auch "schwache" Seiten gesehen und gepusht werden, wir Inhalte, die wir gut finden und feiern selber auch anheben müssen. Das nehme ich zum Anlass, meine "Reichweite" von nun an immer mal wieder Leuten und Dingen zu spenden, die es meiner Meinung nach verdient haben, gesehen zu werden. Nennen wir es einfach mal #kleinerdreifür, also wegen <3

Und heute möchte ich euch einen sehr geschätzten Bühnenfreund ans Herz legen:
Mein kleinerdreifür Zwergriese!

Einige kennen den Bühnenpoeten vielleicht von Poetry Slam Bühnen, als Moderator oder eben als Teilnehmer. Dort arbeitet er technisch hochwertige und ist einer dieser modernen Selbstoptimierer, die immer noch mal ein Schräubchen suchen, an dem gedreht werden kann. Manchmal hat das zur Folge, dass er zögert. Und dafür feier ich ihn. Er ist in Essen ein fantastischer Gegenpol zu (m)einer "Erstmal machen"-Atiitüde.

Und tatsächlich sehe ich ihn in Essen als wichtigen Teil der Slamszene, den er übernimmt Verantwortung für die Entwicklung hier, macht sich Arbeit z.B. mit der Erstellung der Homepage für "Poetry Slam in Essen". Gleichzeitig beginnt auch er sich in der Talententwicklung und Slammer*Innen-Förderung einzubringen. Das deckt sich sehr mit meinen Visionen für diese Stadt und ich bin sehr sehr dankbar, dass er Idee und Pläne mit mir teilt und diskutiert.

Warum solltet ihr ihm folgen? Weil er ein Tausendsassa sind wird, weil er neugierig für alles ist und das bedeutet, dass in Zukunft mit ihm auf Bühnen (und auch daneben) alles passieren kann. Von klugen Texten, einem eigenen Buch, einem Rap-Album und frischen Veranstaltungen für die Essener Kulturlandschaft, kann alles kommen, kann alles passieren. Und egal was es ist: Ich freue mich auf viele viele gute Erlebnisse mit ihm!