Smartphone statt Laptop – Fotos mit dem Smartphone

Andasch | 14.06.18 | / | Kommentieren

Schon in der Einführung bin ich kurz auf die Smartphone-Kamera eingegangen und habe erzählt wie gut man die für den Schnappschuss zwischendurch oder kleine Videoprojekte nutzen kann.

Mehrere Kameras auf der Rückseite

Smartphone-Kameras machen gute Fotos. Die Kamera-Software wurde optimiert bis zum geht nicht mehr und auch die Linsen und Sensoren sind um einiges besser geworden als noch vor ein paar Jahren. Zum Teil gibt es Modelle mit zwei oder sogar drei Kameras auf der Rückseite. Damit sollen Tiefenschärfe-Effekte möglich werden. Bei meinem Huawai Honour X6 klappt das auch. Mal besser und mal schlechter. Insgesamt bin ich mit der Funktion aber zufrieden.

Der Profi-Modus 

Der Automatik-Modus versagt bei Dunkelheit
Android ist nicht gleich Android. Viele Hersteller modifizieren das Google-Betriebssystem nach eigenen Vorstellungen. Daher unterscheiden sich auch die mitgelieferten Kamera-Apps verschiedener Hersteller zum Teil deutlich.
Die Kamera App meines Huawai-Smartphones beispielsweise finde ich ziemlich gelungen. Im Automatik-Modus entstehen gute Bilder. Aber gerade wenn es ein wenig dunkler wird, scheint die App nicht mehr genau zu wissen, was sie tun soll. Abhilfe schafft hier der sogenannte „Profi-Modus“.
Hier kann ich manuell einstellen mit welcher ISO oder Verschlusszeit das Foto geschossen werden soll und auch der Weißabgleich lässt sich anpassen. Damit lässt sich nochmal einiges aus Fotos rausholen. Ein Profi muss man nicht unbedingt sein: Je größer die ISO desto heller das Bild. Je kürzer die Verschlusszeit, desto dunkler das Bild.
1/50 ist eine Fünfzigstelsekunde. Je kleiner also die Zahl unter dem Bruchstrich, desto länger wird die Verschlusszeit (weil der Bruch dann logischerweise ja größer wird). Ab einer Sekunde werden dann in der Regel Kommazahlen verwendet. Hier gilt natürlich: Je größer die Zahl desto länger die Verschlusszeit und damit auch heller das Bild.  

Mit dem Profimodus lässt sich ein wenig rumspielen und verschiedenste Optiken erreichen:






Die Freihandgrenze

Aber vorsichtig. Bei zu langen Verschlusszeiten drohen die Bilder unscharf zu werden, weil entweder das Motiv sich bewegt, oder aber man das Smartphone nicht lange genug stillhalten kann. Viele Smartphone Hersteller versuchen hier, softwaretechnisch gegenzusteuern, aber wer zu viel wackelt, bekommt trotzdem unscharfe Bilder. Das nennt man Freihandgrenze. Die unterscheidet sich natürlich von Mensch zu Mensch, aber auch von der Brennweite unseres Objektivs und unserem Bildsensor.

Als Faustregel gilt: 1/ Brennweite x Crop Faktor

Die Crop Faktoren berechnet sich aus der Größe des Bildsensor und liegt für Smartphones irgendwo zwischen 9,5 und 5,6. Falls ihr das für euer Smartphone herausfinden wollt, müsst ihr erst herausfinden wie groß eurer Bildsensor ist, dann könnt ihr bei Wikipedia nachschauen wie groß der Crop Faktor ist. In meinem Fall ist der Crop Faktor ungefähr 7. Die Brennweite meiner Kamera ist 26 mm und damit ergibt ich eine theoretische Freihandgrenze von ungefähr 0,3 Sekunden. Für mein Gefühl ist da aber meist ein bisschen mehr drin. Gerade wenn ich mich irgendwo anlehne oder das Smartphone sogar irgendwo ablegen kann. Am Besten probiert ihr selbst aus, wielange bei Euch stillhalten drin ist.Wenn es zu dunkel wird können wir mit der Verschlusszeit also nur bis zu einem bestimmten Maß reagieren.

ISO

Aber auch die ISO ist kein Allheil-Mittel. Bei höheren ISO-Werten kann es zu Bildrauschen kommen. Hier kommt es auf die Qualität des Sensors an. Manche Smartphones schaffen gute Bilder noch bei ISO 1600 zu machen und andere Modelle führen schon bei ISO 800 zu einem gewaltigen Rauschen.

Andere Kamera-Apps

Wer diese Optionen in seiner Kamera-App nicht findet, muss aber nicht traurig sein. Der Playstore ist voll mit Kamera-App-Alternativen. Unter Experten genießt die Google-eigene Kamera App zurzeit hohes Ansehen. Wer sie nicht im Playstore findet, kann hier die apk. Datei herunterladen. Damit lässt sich die App auch ohne Zugriff im Playstore installieren. Auch die Opensource-Kamera Open Camera bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und sieht für mich nach kurzer Nutzung sehr lohnenswert aus. Hier fehlt mir allerdings noch die Möglichkeit die Verschlusszeit manuell einzustellen.

Was nicht so gut funktioniert

Smartphonekamera arbeiten mit Festbrennweiten. Das bedeutet übersetzt: Ein Zoom ist nicht drin. Da ich das Objektiv auch nicht ausstauschen kann, muss ich mit dem Bildausschnitt, den ich habe leben. Manche Kamera-Apps bieten eine Zoom-Funktion, das ist aber lediglich ein Digitalzoom, der nur selten hilft. Den Bildausschnitt wählen wir lieber später in der Bearbeitung aus. Ist etwas weit weg und würde ein Fotograf ein Teleobjektiv benutzen stehen wir mit unserem Smartphone ziemlich blöd da. Teilweise gibt es Aufsatz-Objektive für das Smartphone. Wie die funktionieren und ob, sie sich lohen diskutieren wir in einem anderem Beitrag.





Sticker kleben ist politische Aktion!

Jay Nightwind | 13.06.18 | / | Kommentieren
Willkommen in politisch brisanten Zeiten. Während die hohen Herren und Damen sich mit Hilfe der sozialen Medien stündlich in immer größere Wannen voll Fett setzen können, scheint die Aufspaltung zwischen Fraktionen immer mehr zum Alltag zu werden. Die Menschen in meinem Umfeld sagen oft, dass sie unpolitisch sind. Sie hängen keiner Partei an, verfolgen das Tagesgeschehen nicht und Berlin ist für sie halt auch nur ne Stadt.

Was ihnen erstmal keiner verraten hat, ist die Tatsache, dass es kein unpolitisches Handeln gibt. Der Fremdwörter-Duden auf meinem Regal sagt, das Politik das "Handeln mit Wirkung auf das Leben der Öffentlichkeit" meint. Wer also einen grünen Stromanbieter wählt, wer mit dem Auto statt der Bahn fährt, wer sein Geld in Aktien investiert, wer eine Mitgliedschaft in der Bücherei hat und und und und und und, handelt politisch. Haha, Pech gehabt, ob ihr wollt oder nicht!

Neben dem politischen Handeln, da gibt es aber auch die politische Aktion. Sie verfolgt Ziele zu Gunsten einer bestimmten inhaltlichen Strömung. Da spielen sicher schon nicht mehr alle mit, denn politische Aktion erfordert Organisation, Struktur und Vorbereitung. Politische Aktion ist kompliziert und sperrig. Wenn sie groß gedacht wird. Dabei kann es auch einfach und im Kleinen funktionieren.

Menschen egal welcher inhaltlichen Geschmacksrichtung machen Werbung für ihre Sache. In meinem Gefühl machen die Sozialen Medien mit ihrem Bedarf nach Gewinnen im Internet eine Kapital- und Provokationsschlacht aus Werbung. Im Analogen sind die Spielregeln etwas einfacher, wenn auch vergleichbar. Allerdings gibt es keine Benachrichtigungen, wenn etwas kommentiert oder gelöscht wird. Das merken wir uns mal kurz.

Ich kann nur für den Ruhrpott sprechen, aber wenn es eine massive und spannende Form der Werbung gibt, dann sind das Sticker. Kleine Aufkleber, die ein Logo und eine Sache markant machen und an allen Orten auftauchen können. Das Bekleben von Laternen etc. ist natürlich verboten, dass hält aber niemanden so richtig auf. Fans von Sportvereinen zum Beispiel färben ihre Stadt weiträumig in den Vereinsfarben, Bands freuen sich dumm und dusselig, wenn sie Aufkleber mit ihrem Namen drauf haben. Aber weshalb eigentlich? Ich meine, ist es nachgewiesen, dass ein Aufkleber schon mal eine CD verkauft hat? Hat jemand wegen eines Stickers seine Begeisterung für den FC Schalke 04 noch mal überdacht? Eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht. Trotzdem machen die Aufkleber etwas mit uns.

Die Psychologie hat den "Mere-Exposure-Effekt" nachgewiesen. Vereinfacht gesagt beinhaltet dieser, dass wir eine Sache die wir immer wieder als Reizwahrnehmung bekommen, im Laufe der Zeit immer besser finden. Was nicht bedeutet, dass wir automatisch Fan davon werden, aber wir quasi "abstumpfen". Je öfter uns die Störung begegnet, desto weniger schockiert sie uns. Ich bin nicht Psychologe genug, um genau und detailiert zu beschreiben, wie sich das im Alltag auf uns auswirkt, aber wenn wir uns die Konzepte und Frequenzen von Werbung anschauen, dann muss an diesem Effekt was dran sein.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Mere-Exposure-Effekt uns im Alltag beeinflusst, dann könnte das bedeuten, dass eine dauerhafte Konfrontation mit Emblemen und Aussagen des rechtspolitischen Spektrums uns im schlimmsten Fall die Furcht und Abstoßung gegen solche verlieren lässt. Sie normalisieren sich für uns. Das ist mindestens ein Problem. Wenn gesellschaftsspaltende Inhalte uns nicht mehr stören, dann verlieren wir eine ganze Rutsche Menschlichkeit.

Zurück zu den Stickern. In meinem Stadtteil sind ein ganzes Weilchen Aufkleber der "identitären Bewegung" aufgetaucht. Früher habe ich mich kaum für die Aufkleber an Laternen interessiert, aber als ich in meiner Nachbarschaft zum ersten Mal auf den Spartanerschild gestoßen bin - ein Emblem, welches schon popkulturell mit 300 eine positive Betonung bekommen hat - bin ich auf einmal kribbelig geworden. Mein Stadtteil darf und soll nicht seine Lebensqualität einbüßen. Die bloße Anwesenheit der Sticker hat mich genervt. Das ist nicht mein Bild von hier.

Gut, im Gegensatz zu meinen Freund*innen, würde ich sofort sagen, dass ich politisch bin. Aber auch mir fehlt oft die Zeit und die Energie, mich in Organisationen einzubringen. Trotzdem wollte ich etwas tun.
Das Gute an einem Sticker, im Gegensatz zu einem Post auf Facebook, ist, dass mensch ihn einfach überkleben kann. Das Ursprungsmotiv verschwindet, zu Gunsten eines neuen Inhalts.
Wenn ihr also selbst etwas tun wollt, dann ist das ein guter Einsteiger-Level für politische Aktivität.
Und hier kommt das Schöne: Um einen Sticker von "rechts" zu überkleben, gibt es kaum falsche Möglichkeiten. Jeder Aufkleber hilft. Es ist egal, ob ein Band-Aufkleber, die Werbung für eine Fastfoodkette, ein lustiger Spruch oder ein Werbemotiv für eine Internetseite darüber gelegt werden: Was weg ist, ist weg. Und Inhalte denen ich nicht mehr ausgesetzt werde, schockieren mich wieder dann, wenn es darauf ankommt.

Tutorial: Professionelle Social Media Posts ganz einfach – Canva

Andasch | 11.06.18 | / | 1 Kommentar
Bildbearbeitung war noch nie so richtig ein Heimspiel für mich. Und ich gebe es zu: Manchmal habe ich ein bisschen Schrift bei Paint auf ein Bild geknallt. Seit ein paar Tagen hat das aber ein Ende. Ich hab die Website Canva kennengelernt. Canva ist ein kostenloses Grafikdesign-Tool nach dem Baukasten-Prinzip.



Canva ist wirklich einfach. Wir können bestehende Designs ändern, eigene Bildern hochladen oder aus der Datenbank auf kostenlose lizenzfreie Fotos zugreifen. Weil es so einfach und intuitiv ist, kann man gar nicht soviel dazu schreiben. Unten findet ihr (lautlose) Videos die euch zeigen, wie man mit Canva arbeitet, Beiträge anlegt und bestehende Design ändert.





Wer gern mobil arbeitet, kann auch die Canva-App im Google Play Store oder in Apples App Store runterladen. Damit wird das Smartphone unterwegs zum vollwertigen Social Media-Tool.

Kanban Board als Organisationsmittel

Möchtegern-Held | 08.06.18 | / | 3 Kommentare

Nachdem Jay in seiner Done-Liste nach unseren Organisationsmitteln gefragt hat und es mir allgemein immer schwer fällt seinen Aufforderungen zu widerstehen, musste ich hier einfach nachgeben. Organisation ist eine meiner Leidenschaften. Gut…ich bin Hauptberuflich Project Manager, also gehört das irgendwie dazu. Beruflich organisiere ich mich halt über Mails, Checklisten, Project-Management-Tools etc., aber für zu Hause ist das einfach nicht tauglich für mich.
Vor einigen Jahren habe ich mich für Scrum begeistern können. Scrum ist eine agile Projektmethodik, die einfach eine hohe Flexibilität an den Tag legt. Eines der wichtigsten Medien ist das sog. Kanban Board. Darauf gehe ich gleich genauer ein. Die eigentlich Scrum Methodik wende ich mittlerweile nicht mehr an, da ich als einziges Team-Mitglied nur mich selbst organisieren muss und dafür brauche ich nicht diverse Meetings. Meine 9 diversen anderen Ichs in mir bekomme ich gut ohne sowas gemanaged (was für eine Wortvergewaltigung übrigens).
Nun aber zum Board und der eigentlichen Organisation. Auf dem Foto seht ihr tatsächlich mein aktuelles Board mit allen Aufgaben, die aktuell so anstehen.

Die Überschriften sind nun recht simpel gewählt. Je nach Projektmethodik kann man die auch anders nennen.

Jedes der Post-It’s stellt ein Thema oder eine Aufgabe dar. Behandelt der Zettel ein Thema, so sammel ich erstmal klein darauf welche möglichen Aufgaben evtl. anfallen. Habe ich beschlossen, dass ich alle Aufgaben zusammen organisiert habe, dann schreibe ich für jede Aufgabe einen eigenen Zettel, denn es ist nie möglich alle Aufgaben auf einmal zu lösen.
Manchmal packe ich auch 2 Sachen zusammen, da es quasi in einem Rutsch passiert (z.B. sauber machen + Einkauf)

Einige Zettel sind auch komplette Tagesplanungen, aber das ist eigentlich nur die Ausnahme, wenn sich ganz viel schnell hintereinander reiht. In diesem Fall das Wochenende mit meinem Sohn. Das ist also eine Daniel-Speziallösung ;)

Rote Zettel sind bei mir wöchentlich wiederkehrende Aufgaben.

Der eine orangene Zettel ist ist eine Lernaufgabe, die ebenfalls wiederkehrend ist.



Nun…jetzt heißt es sich nicht zu verzetteln. 5€ gingen in die schlechte Wortspiel-Kasse.
Links sammle ich die Aufgaben, die ich zu erledigen habe unter TODO. Je höher eine Aufgabe an dem Brett angebracht ist, desto höher hat sie Priorität. Je weiter unten sie ist, desto länger kann sie warten oder ich bin gar gezwungen zu warten. Mein Kuba-Urlaub ist nämlich abhängig von meinen Sprachkenntnissen und meinem Geld. 

Geht ein Zettel auf die rechte Seite der TODO-Liste, dann ist er bald dran. Ist er dann ganz oben und hat somit eine hohe Priorität….ja dann ist er wohl im nächsten Durchlauf fällig.

Durchlauf? Ja! Jeden Sonntag stelle ich mich hin und gehe jede Aufgabe durch, schaue ob ich was ergänzen oder streichen kann oder ob sich die Priorität geändert hat. Dann entscheide ich was ich in der laufenden Woche erledigen möchte oder muss und verschiebe den Zettel ins DOING.
Das heißt im DOING habe ich immer vor Augen was ich diese Woche zu tun habe. Ich bin also fokussiert. Den Rest der Aufgaben kann ich getrost ignorieren. Neige ich dazu mich ablenken zu lassen, dann gehe ich sogar soweit den Zettel solange mit mir rum zu schleppen oder auf’s Handy zu kleben, bis er erledigt ist. Aber erledigt heißt auch wirklich erledigt – alle Leute informiert, die es interessiert, Folgeaufgaben abgeleitet etc.

Ist die Aufgabe dann erledigt, dann wandert er in die DONE-Spalte. Wozu? Warum nicht gleich wegwerfen? Ha! Am Sonntag, wo ich ja die kommende Woche plane, gehe ich nochmal durch das DONE. Ich nehme jede einzelne Aufgabe ab, gehe im Kopf durch was ich da getan habe und dann beginnt der schöne Moment, wo ich die Aufgaben nehme, zerknülle und wegwerfe. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, ob ich bescheuert bin. Nein, aber dieses bewusste Erleben und kurz sich selbst für seinen Erfolg zu feiern ist wichtig. Das Zerknüllen hat einen psychologischen Effekt des „fertig! abgeschlossen!“ – dazu kommt die Haptik. Eine recht große, bekannte Website für den Gebrauchtwagenhandel arbeitet auch mit Scrum. Die treiben das sogar auf die Spitze und stecken die ganzen Aufgaben-Zettel (oder auch User-Stories genannt in Scrum) in einen Briefumschlag und senden sie an ihren größten Mitbewerber. Als ich das gehört habe musste ich über diese Bosheit erstmal herzlich lachen. 

Und so organisiert sich Daniel. Leider kann meine Alexa noch keine Zettel schreiben, sonst hätte ich zumindest eine teilweise Digitalisierung ;) 

Aber ich bin auch neugierig! Gibt es weitere Organisationsformen für euren Alltag?

Vlog - Bücher fürs Schreiben

Jay Nightwind | 07.06.18 | / | 2 Kommentare

Ich habe es satt mich für meine Ernährungsweise zu rechtfertigen

Miriam Jagdmann | 06.06.18 | / | 1 Kommentar
Ich bin Vegetarier. Ich habe schon viele Unterhaltungen über meine Art mich zu ernähren geführt. Viele meiner Gesprächspartner waren einfach nur interessiert, viele haben sich anerkennend oder solidarisch geäußert. Einigen reichte auch die reine Information, ohne ein tiefergehendes Gespräch zu suchen. Leider habe ich mich aber mindestens genauso oft auch für meine Ernährungsweise rechtfertigen müssen.

"Wie du isst kein Fleisch?! Man braucht Fleisch zum Leben!" Ich sitze hier vor dir, ich habe keine Mangelerscheinungen oder ähnliches. Mir geht es gut, mir ging es seit meiner Geburt gut und ja, ich habe nie in meinem Leben Fleisch gegessen. "Du bist so aufgewachsen? Dann hast du das ja gar nicht selbst entschieden." Doch hab ich. Es gab in meinem Leben genug Gelegenheiten, bei denen ich Fleisch hätte essen können. Zum Beispiel als ich mit der Familie meiner Freundin Einkaufen war und die Verkäuferin an der Fleischtheke auch mir eine Scheibe Wurst anbieten wollte. Oder bei diversen Grillabenden mit Freunden, wo mensch mir ungefragt ein Würstchen auf den Teller gelegt hat. Ich bin eine mündige Person und könnte jederzeit meinen Verzicht auf Fleisch beenden. Will ich aber nicht. "Du kannst nicht etwas ablehnen ohne es zu kennen." Doch, kann ich. Ich weiß auch nicht wie es ist Achterbahn zu fahren und habe trotzdem kein Interesse daran es auszuprobieren. „Aber Fleisch ist so lecker!“ Das glaube ich dir. Wenn ich mensch in meiner Nähe Fleisch zubereitet riecht es häufig nach etwas, das lecker sein könnte. Aber probieren möchte ich es trotzdem nicht. "Du musst einfach mal gutes Bio-Fleisch essen." Nein, muss ich nicht. Bio-Fleisch ist nämlich auch Fleisch. "Aber Milch und Eier und so isst du doch oder?" Ja. Und Fisch auch. "Häh dann bist du ja gar kein richtiger Vegetarier." Ich bin Peso- Vegetarier. Die Bezeichnung ist aber eigentlich auch Schnurz, ich esse kein Fleisch aber Fisch. Fertig. „Aber Fische sind doch auch Tiere" Ja. Und ich esse sie trotzdem. Lecker finde ich sie übrigens auch noch.

Solange ich mich erinnern kann muss ich mich dafür rechtfertigen warum ich Vegetarier bin. Dabei sollte das überhaupt kein Thema sein. Ob ich Fleisch einfach nicht mag, die Tiere mir leidtun oder die Farbe von Fleisch nicht zu meinem Outfit passt. Es ist meine Sache wie ich mich ernähre.

Ich habe es satt mich für meine Ernährungsweise zu rechtfertigen. Deshalb nenne ich in diesem Beitrag auch keine Gründe für meinen Verzicht. Was ich esse oder eben nicht esse sollte keine Erklärung brauchen. Ich greife damit nicht in das Leben anderer ein und ich versuche niemanden von dieser Ernährungsweise zu überzeugen. Solange es nicht krankhaft ist und ich mich damit wohlfühle, sollte es anderen auch egal was ich esse.

PS: Natürlich darf mensch mich trotzdem nach Gründen fragen. Solange die Art und Weise wie ich mich ernähre auch grundlos akzeptiert wird.

PPS: Ja, das Wortspiel im Titel ist Absicht. ;)

Weshalb ich Videospiele mag: Erschließung neuer Themen

Malte | 04.06.18 | 4 Kommentare

Lernprogramme gibt es gefühlt seit den ersten PCs

Videospiele sind nicht immer nur ein schnöder Zeitvertreib, bei dem Freundschaften kaputt gehen oder man tagelang vor dem Bildschirm versackt. Manchmal schaffen sie es auch, Interessengebiete zu wecken, die man vorher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Im Folgenden möchte ich euch das generelle Phänomen, wie Videospiele mich einiges lernen ließen, sowie ein paar passende Beispiele dazu aufzählen.

Was will mir ein Spiel denn beibringen?


Viele kennen mit Sicherheit noch diverse Lernprogramme, die die Eltern einem damals so geschenkt haben. „Hier hast du ein Videospiel, mit dem du sogar Mathe lernen kannst!“. Danach verbrachte man ein paar Stunden in Addys Raumschiff oder ließ Peter Lustig erklären, wieso Bienen eigentlich wie ein BVB-Trikot aussehen. Ich habe die meiste Zeit mit Cookie, dem Kookaburra, verbracht. Ein australischer Vogel, der mir die englische Sprache vermitteln wollte. Das Ding an solchen Lernprogrammen ist allerdings, dass der Spielfaktor relativ gering ist. Klickt auf die Bilder, die in einer fremden Sprache beschrieben werden. Löst ein paar Matheaufgaben, um einen neuen Dialog freizuschalten oder schafft ein Minispiel, um einen Lernfilm zu bekommen. Bei allen Aufgaben ist aber sofort klar, dass es sich hier um eine Lernaufgabe handelt. Die anfänglich hohe Motivation sinkt bei solchen Lernprogrammen dann mit der Zeit sehr stark und es wird weniger als Spiel und mehr als zusätzliche Hausaufgabe aufgefasst.

Alternativ wird daher oft das Prinzip der Gamification genutzt. Alltägliche Prozesse werden mit Elementen aus Videospielen versetzt, um die Motivation hoch zu halten. Durch erfüllte Aufgaben erhält man Punkte und Belohnungen, verwandelt den Alltag also in ein Spiel. Solche Prozesse finden sich mittlerweile auch in einigen Videospielen, das wäre allerdings ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.

Addy wollte euch Mathe, Erdkunde und andere Späße beibringen.

Mehr als nur ein Spiel?


Worum es mir hier aber gehen soll, sind Spiele, die ihren Lernprozess so verstecken, dass er den Spielenden nicht deutlich bewusst wird. Videospiele sind dann gute Lernobjekte, wenn das Lernen beiläufig passiert. Nach ein paar Stunden beendet man eine Runde und weiß plötzlich mehr als vorher, hat neue Kompetenzen oder Fähigkeiten entwickelt. Es gibt mittlerweile einige Videospiele, die einen historischen Kontext aufgreifen oder ein Setting nutzen, welches sich um ein konkretes Thema dreht. Die Spieler*innen setzen sich so beiläufig mit einem Thema auseinander, während sie die augenscheinlich davon völlig losgelösten Aufgaben im Spiel angehen. So finden sich im übrigen auch diverse Lernkonzepte, wie man klassische Videospiele im Schulunterricht einsetzen kann. Wirtschaftssysteme können nach einer Runde Civilisation nachvollziehbarer erklärt werden, bei Minecraft baut eine Klasse ein eigenständiges Gesellschaftssystem auf oder Adventures werden zur Förderung literarischer Kompetenzen genutzt, um diese zu fördern, ohne Schüler*innen mit schwachen Lesekompetenzen auszugrenzen.

Ich liebe Videospiele eben genau dafür. Der spielerische Kontext bietet so viel Raum, so viele Möglichkeiten und stößt mich immer wieder auf neue Themen. Selbst wenn diese im Spiel nur bedingt behandelt werden, wecken sie ein Interesse, sich weitergehend mit einem Thema zu beschäftigen. Der Lerneffekt entsteht bei mir dann nicht nur durch das Spiel im eigentlichen Sinne, sondern vor allem dadurch, dass ich auf ein Thema gestoßen werde, über das ich mir im Nachgang noch diverse Dokumentation anschaue, Reportagen lese und anderweitig recherchiere. Videospiele haben großes Potential, eine intrinsische Motivation zu non-formalem oder informellem Lernen zu schaffen, was ohne akademischen Sprachgebrauch bedeutet, dass man aus sich heraus der Bedürfnis verspürt, selbstständig ohne Aussicht auf Zertifikate oder Urkunden, neues Wissen zu erlangen.
Neben allen Punkten, die man mehr oder weniger gerechtfertigt an Videospielen kritisieren oder debattieren kann wie die Darstellung von Stereotypen, Repräsentation von Minderheiten oder Umgang mit Gewalt, ist es wichtig, immer auch hervorzuheben, was Videospiele einem Menschen geben können. Neben einem entspannten Ausstieg aus dem Alltag, einer guten Zeit mit Freunden oder einem Test von Reaktion und Geschicklichkeit werden wir mit Szenarien konfrontiert, zu denen wir anders vielleicht nie Zugang erhalten würden. Das alles aus einer Perspektive, die uns als Spieler*in in eine aktive Rolle bringt. Die Auseinandersetzung mit einem Thema startet so also direkt auf einer interaktiven Ebene. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns ein paar rudimentäre Gedanken dazu zu machen, wenn wir im Spiel einen Fortschritt erzielen wollen.

Minecraft wird tatsächlich an Schulen eingesetzt.

Let's call some names!


Im Folgenden habe ich natürlich noch einige Beispiele für euch, die genau so etwas bei mir ausgelöst haben und dementsprechend vielleicht auch für euch einen Blick wert wären, wenn ihr sie noch nicht kennen solltet:


Assassins Creed
Let's join the Boston Tea Party

Mit der Assassins Creed-Reihe von Ubisoft ist mir dieses Potential in Videospielen das erste Mal aufgefallen. Genauer gesagt war es der dritte Teil. Falls hier Leser*innen unterwegs sind, die mit der Reihe nichts anfangen können, eine kurze Einführung: Über eine Maschine namens Animus ist es möglich, über die DNA genetische Erinnerungen der Vorfahren abzurufen und damit in der jeweiligen Epoche das Leben dieser Vorfahren nacherleben. So entsteht in Assassins Creed 3 die Möglichkeit, in die Haut von Connor zu schlüpfen. Er ist Sohn einer amerikanischen Ureinwohnerin und eines Briten. Aus seinen Augen erlebt ihr den Konflikt der titelgebenden Assassinen gegen die Templer. Beide versuchen nämlich, uralte Relikte zu ergattern, mit denen ihr Weltbild auf die Menschheit übertragen werden kann. Das ganze findet hier während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges statt und wirft euch in alte Städte dieser Zeit wie Boston oder New York, zeigt Querverweise zu historischen Ereignissen auf und lässt euch wichtige Gebäude der damaligen Zeit sehen. Die spielerische Interaktion mit diesen Elementen sowie die Möglichkeit, in einer Infobox diverse Details dazu nachzulesen, hat mich dazu gebracht, mich wirklich intensiv mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Ich würde sagen, dass ich ohne Assassins Creed nicht diesen Wissensstand über die amerikanische Revolution hätte, wie es nun der Fall ist. Und das alles, obwohl dieser Ableger sicherlich kein Highlight der Reihe war und ist.


Valiant Hearts
Erster Weltkrieg zum Nacherleben
Valiant Hearts, ebenfalls aus der Schmiede von Ubisoft, fährt spielerisch zwar ein völlig anderes Konzept, geht aber ähnlich an historische Informationen heran. Hier spielt ihr die Geschichte einiger Personen während des ersten Weltkriegs nach. In einer handgezeichneten 2D-Optik werdet ihr auf eine emotionale Reise genommen, die sowohl etwas fürs Herz bietet aber auch die schrecklichen Seiten des Krieges nicht verschleiert. Auch hier findet ihr immer wieder Gegenstände und Informationen, die den ersten Weltkrieg sehr detailliert beleuchten. Wie bei Assassins Creed müsst ihr diese Informationen nicht durchlesen, sie stehen aber jederzeit zur Verfügung und werden motivierend als einzusammelnde Collectibles platziert. In beiden bisher genannten Spielen habt ihr so zwar eine Masse an Text, die ihr durchlesen müsstet, doch durch die spielerische Nähe war mein Interesse riesig, sich auch diese Texte intensiver durchzulesen und nicht nur zu überfliegen. Militärisch relevante Orte, Informationen über eingesetzte Waffen oder Truppen und die Geschichte bestimmter einzelner Personen werden einem so nähergebracht. Ich selber war nach dem Beenden des Spiels erstaunt, wie wenig ich doch über den ersten Weltkrieg wusste und war froh, auf diesem Wege einige Wissenslücken schließen zu können.

Age of Empires
Mehr als nur ikonische Mönche
Der Strategieklassiker hat nicht nur lustig klingende Mönche, packende Multiplayermatches oder eine erfolgreiche Sendung auf Rocketbeans TV zu bieten. Die zu spielenden Solokampagnen befassen sich allesamt mit dem Leben historischer Persönlichkeiten oder monumentalen Schlachten. Das ganze ist dank der bereitgestellten Informationen auch akkurat genug, dass wissenschaftliche Konzepte erarbeitet wurden, wie Age of Empires im Unterricht eingesetzt werden kann, um Jugendlichen Freude an Geschichte zu bereiten. Und auch wenn Assassins Creed die erste Reihe war, bei der mir dieser Mehrwert von Videospielen wirklich bewusst geworden ist, hat Age of Empires diese Wirkung als erstes entfalten können. Zu Zeiten meines ersten Rechners, ohne Internet oder Zugang zu LAN-Partys, blieb mir ja nur die Solokampagne. Also zog ich mit Johanna von Orleans in die Schlacht, lernte nicht in Braveheart, sondern hier William Wallace kennen oder hörte zum ersten Mal etwas von Friedrich Barbarossa. Ich will nicht sagen, dass mir die ganzen Geschichten und Infos, die Age of Empires bereitstellte, dauerhaft im Kopf geblieben sind. Dafür fehlte mir wohl etwas an nötiger Reife. Aber grobe Informationen sind dann doch hängengeblieben. Und wenn ich jetzt etwas von den genannten Persönlichkeiten höre, denke ich tatsächlich zuerst an die isometrische Ansicht des Strategiespiels. Ich weiß gerade nicht, ob das so positiv ist. Es zeigt aber das Potential, das doch in diesen Spielen steckt. Also wieso nicht die bereits gemachtem Gedanken fortsetzen, wie man das gut nutzen kann.

Layers of Fear
Massenhaft Bilder bieten Raum zur Interpretation
Abschließend möchte ich euch noch ein Spiel vorstellen, das sein Fachgebiet etwas eleganter vermittelt als mit Textboxen, die ihr freiwillig lesen könnt. In Layers of Fear spielt ihr einen Künstler, der sein Magnum Opus, das perfekte Bild, schaffen will. Dabei begebt ihr euch in die Tiefen seiner Psyche und seht euch mit seinen privaten und familiären Problemen konfrontiert. Das ganze ist wie eine Geisterbahnfahrt inszeniert, es ist schaurig, oft unangenehm und sehr intensiv. Einen wichtigen Teil der Darstellung machen vor allem Gemälde aus, die an den Wänden hängen oder sich vor euren Augen verändern, verzerren oder bewegen. Diese Gemälde sind allerdings nicht extra für das Spiel erstellt worden, sondern sind vor allem Kunstwerke großer Künstler*innen. Im Internet lassen sich dabei Listen finden, welche Gemälde alle zu sehen sind. Layers of Fear hat mich als absoluten Banausen für diese Art von Kunst dazu gebracht, mich mit möglichen Interpretationsansätzen dieser Bilder auseinanderzusetzen. Ich wollte wissen, warum eventuell gerade dieses Bild an dieser Stelle im Spiel hängt, habe recherchiert und mich in Gebiete eingelesen, die mich vorher einen feuchten Kehricht interessiert haben. Im Gegensatz zu den anderen genannten Spielen bekommt ihr die Informationen hier nicht serviert. Ihr könnt die Bilder einfach als atmosphärische Deko wahrnehmen oder sie völlig ignorieren. Oder aber ihr setzt euch an einen Rechner und recherchiert selber, was euch da vorgesetzt wurde. Mir persönlich hat das ähnlich viel Freude bereitet wie das Spiel selber. Und das hat mich selbst wirklich überrascht.


Fallen euch noch Spiele ein, die völlig neue Interessengebiete bei euch geweckt haben? Schreibt sie gerne in die Kommentare, ich bin gespannt!