Tagebuch: Versinken

Jay Nightwind | 27.06.16 | / | 2 Kommentare
Ein Millimeter. Ein Zentimeter. Es ist auf jeden Fall nicht viel. Ein kleines Stück. Nach links oder nach rechts, auf jeden Fall zur Seite. Aber nicht viel. Minimal. Unspürbar. Vielleicht ist es erahnbar, weil der Blickwinkel einen Millimeter weiter zur Seite gerückt ist, aber die Veränderung ist so gering, dass lieber den Sinnen misstraut wird.

Es ist nicht spürbar, bis es durch die Schablone geht. Einem Abbild der eigenen Ränder. Die Bewegung geht darauf zu, aber im letzten Moment passt es nicht. Dann kommen kurz Schwingungen auf, als wäre eine tonloser Gong geschlagen. Das Gefühl, etwas wäre schief oder verzogen übernimmt alle Poren der Wahrnehmung. Und dann blenden sie aus.

Wie beschreibt man am besten, dass alle Sinne abgeschaltet sind? Oder eher nicht verbunden. Denn alle Positionen beziehen sehr wohl Informationen, aber weder Sicht, Geschmack, Gehör, Gleichgewicht, Körpergefühl, Gespür, Geruch spielen noch eine Rolle. Über- und Untersteuern in Einem. Kurz: Ich habe kein Fühl mehr. Als wäre ich unter Wasser, ich ersticke noch nicht, ich weiß, dass ich nur knapp unter der Oberfläche bin, aber ich werde es nicht mehr rechtzeitig nach oben schaffen. Die Zeit ist eingefroren, während sie weiterläuft. Das Herz pumpt Blut, bewegt sich aber kein Stück. Die Schablone klemmt an den Rändern der Seele, weil sie zu weit und zu eng ist.

Ich nenne es "Versinken". Der Prozess, wenn eine innere Trauer alles übernimmt. Es ist keine depressive Lähmung, denn Leben geht sehr wohl noch, was ja oft bei Depressionen nicht mehr geht. Wenn die Beschreibungen stimmen, fehlt bei Depression jedes Gefühl, aber kein Fühl zu haben, bedeutet eher, sich nicht mehr in sich selbst auszukennen.

Die klugen Menschen haben Strategien dagegen gefunden, aber Logik greift nicht richtig. Wie auch, wenn alles nebelig unklar ist? Die Logik sitzt hinter den wahrnehmbaren Sinnen, wie soll sie ohne Informationsversorgung auch greifen? Aber sie arbeitet, im gelben Alarm, im Notstrom, im Autopiloten. Du gehst zur Schule, machst dir Essen, wäscht dich, deine Wäsche, aber es ist dir gleichgültig und wertlos. Du gönnst dir nichts, weil du nichts verdient hast. Du bestrafst dich nicht, weil du nichts verbrochen hast. Du hast keine Strategie, keine Taktik, weil es kein Spiel zu gewinnen gibt.Weder eine noch meine Lösung existieren.

Dieses Mal hat ein anderes Gefühl das Versinken weg gespült, die Wut. Wie "One Punch Mikey" in Snatch war ich unter der Wasseroberfläche, bin nach oben geschossen und habe den härtesten Uppercut ausgepackt. Meine Ohnmacht hat meine Seele an die Wand gedrängt und wenn Leben in die Enge getrieben wird, reagiert es mit Kampf oder Flucht. Ich wurde unfassbar wütend und habe dieser Emotion nachgegeben. Liegestütze, Rennen, Situps, Knechten und Drücken, bis die Muskeln brennen. Das tut dann weh, überschreibt aber jedes andere Gefühl.

Andersherum klappt es nicht unbedingt und auch die Wut hat nur gedrängelt und geschubst. Frustration ist keine Lösung, sondern fester Teil eines Prozess des Scheiterns. Scheitern an einem eigenen Zustand der Kontrolllosigkeit. Andersherum klappt es nicht. Ich kann nicht einfach Sport machen, wenn ich kein Fühl mehr habe. Das hat diesmal geklappt, aber nicht jedesmal. Ich weiß es nicht, was gegen das Versinken hilft. Ich weiß nicht, was ihr gegen so ein Gefühl tut? Aber es lohnt sich, ihm nicht nachzugeben. Es macht eng und klein, schmal und unfrei. Es ist fahren mit angezogener Handbremse. Es ist versinken.

Vlog #002 - Späte Ausbildung

Jay Nightwind | 08.06.16 | / / | Kommentieren
Es gibt wieder Content und heute zum Gucken. Ich mache mal meine Biografie ein Stück für euch auf.

LP: Tekken Tag Tournament 2 - Zufallsteams und Inhalte

Jay Nightwind | 27.05.16 | / / / | Kommentieren
Na? Habt ihr den Kanal von uns schon auf Youtube abonniert? Ich empfehle das auch nur, weil ihr so sicher mitbekommt, wenn da etwas passiert. Aufgrund von fehlender Zeit und schlunziger Nachlässigkeit habe ich nämlich zum Beispiel hier gar nicht mehr die aktuellen Folgen von meinen ungleichmäßigen unregelmäßigen Tekken-Streams geteilt.

Daher, der Faulheit wegen, hier mal der Link zu unserer vollständigen Gaming-Playlist, wo auch noch Gehversuche von Hermann mit dabei sind.


Ich bin euch dankbar! Wenn auch ich keinen dieser coolen professionellen Streamkanäle betreibe, war doch bei der Ausgabe drei meines Tekken-Streams tatsächlich ein engagierter Zuschauer im Chat, mit dem ich intensiv quatschen konnte. Es ging mir dabei um Sexismus in Videospielen, wenn auch nur sehr oberflächlich. Die kurze Erklärung:

Beat'em'Ups wie Tekken sind meiner Meinung nach eigentlich ein toller Ort für weibliche Spielfiguren, weil sie hier genau so kompetent wie die Herren sind. Natürlich beherschen sie andere Bewegungen, aber keine weibliche Figur in einem Prügelspiel ist unfähiger oder schwächer, aufgrund ihres Geschlechts. Auch mit ihnen kann eine Runde gewonnen werden, wie mit jeder anderen Figur auch.

Schade ist es dann aber, wenn die weiblichen Figuren durch ihre Outfits oder andere Darstellungen im Spiel doch wieder sexualisiert werden müssen. Die Grenze was Kampfkleidung und was Sexismus ist berührt sich gelegentlich, aber in einigen Fällen ist es doch überdeutlich, dass hier die Reduzierung von Frauen an anderer Stelle stattfindet. Das finde ich schade, denn es ist eine unfassbare Gelegenheit, die ausgelassen wird.

Die Diskussion um solche Inhalte wird und wurde im Netz heftig geführt, gerade zu Zeiten von #GamerGate. Da ich es meinem einen engagierten Zuschauer noch schuldig bin, wird es in den nächsten Tagen im Blog dazu einen Beitrag mit Lektüreempfehlung geben. Falls euch Sexismus in Videospielen also interessiert, behaltet uns im Gedächtnis. Gerne könnt ihr uns auch jetzt schon eure Fragen zu diesem Thema stellen, dann lassen wir sie in den kommenden Beitrag mit einfließen!

Friend in Need - Vorläufige Pause

Jay Nightwind | 23.05.16 | / / | Kommentieren
Ahoi. Bloggen ist ein komisches Hobby. Eigentlich macht mensch es für sich, es geht ja darum irgendwie Tagebuch zu schreiben und gleichzeitig macht mensch es nicht für sich, denn es ist ja öffentlich. Und wer veröffentlicht, will halt auch gesehen werden.

Seit längerem habe ich Lust, eine durchgängige Serie in den Blog zu bringen, vor einigen Jahren hatte ich ja auch mit Hans schon 2274 geschrieben, eine SciFi-Serie. Damals war ich schlauer. Ich habe die Reihe für mich geschrieben, es ging mir darum Figuren, die in meinem Kopf rumgeisterten auf gute Abenteuer zu schicken. Zu dem sollte es eine Art Schreibübung sein.

Friend in Need hat auch so angefangen, war mal eine nette Schnapsidee, zart basierend auf der alten Amalgam-Reihe in der Marvel und DC-Helden aufeinander getroffen sind. Ein herliches schreckliches Chaos. Leider hat sich beim Schreiben Friend in Need in den Versuch verwandelt, eine besonders lustige, eine sehr gefällige Reihe zu schreiben, die möglichst Menschen ködert. Das wäre nicht so verwerflich als Ziel, wenn es dann nicht so niederschmetternd wäre, wenn es nicht zum gewünschten Erfolg führt. Denn Kommentare, Resonanzen, "Likes" und auch das die Reihe geteilt wird, dass ist nicht passiert und waren traurigerweise meine Ziele.

Ich will hier ganz ehrlich sein: Ich bin an diesem seltsamen Punkt, wo ich weiß, dass meine Sachen nicht schlecht sind, vielleicht manches sogar echt gut, aber ich das Gefühl habe, nicht die Resonanz zu bekommen, die ich - "verdient" will ich nicht sagen - gewünscht habe. Ich blogge seit Acht Jahren, Slamme seit Sechs und das mit zufriedenstellendem Erfolg, aber aktuell wenig Interaktion mit den "Konsumenten". Die ist mir wichtig, die brauche ich auch als Antrieb. Vermutlich bin ich ein Unterhalter und mag gerne bedienen.

Aber wenn die Motivation dann einschläft, weil halt eben die Ziele auch nicht mehr aufrichtig sind, dann kann mensch sich weiter durchquälen oder einen klaren Schnitt machen. Ich entscheide mich für zweiteres. Steward Fin ist mir sympathisch genug, dass ich ihn behalten möchte und die Idee immer noch ganz okay, aber vorläufig geht er mit seinen neuen Superfreunden in eine unbestimmte Pause. Ich hoffe bald wieder Folgen für ihn zu produzieren und so die erste Staffel zu einem Ende zu führen.

In der Zwischenzeit werde ich mich wieder mehr Projekten zu wenden, die sich mehr "ich" anfühlen und weniger eine Angel für neue Leser sein sollen. Wenn ihr zu Friend in Need Anmerkungen haben solltet, wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um diese in die Kommentare zu werfen. Ich bin für jedes Wort dankbar.