Die Sache mit meinem Hausarzt und den Linien

Jay Nightwind | 11.07.18 | | 1 Kommentar
Mein Arzt hat schon viele gute Dinge zu mir gesagt. "Das müssen wir uns nochmal angucken, vielleicht habe ich Ihnen den Arm gebrochen." zum Beispiel, als er mir eine Muskelgruppe wieder richtig einsortiert hat. "Ich würde es Ihnen gerne verschreiben. Ich denke nur, dass 'Mit Freunden einen trinken gehen' nicht von der Krankenkasse übernommen wird.", als ich mich überarbeitet hatte und davon krank wurde.

Diesmal sagt er wieder, was ich nicht hören will. "Ich denke nicht, dass Sie depressiv sind. Sie sind nur leider genau so klug, dass sie alles zergrübeln können." Ich wäre gerne depressiv. Oder was anderes. Ich nehme alles aus dem ICD 10. Hauptsache die Antwort ist nicht, dass ich einfach ich bin und das oft sehr anstrengend ist. Ich wäre lieber krank, als klug genug. Das ist bitter zynisch für jeden Erkrankten zu hören, ich frage mich nur was schwerer ist:
Erfahren, was mensch hat oder nicht wissen, ob mensch was hat?

Mein Arzt sagt nein, ich sage Mist, er empfiehlt mir eine zweite Meinung. Ich frage ihn, ob er davon ausgeht, dass er falsch liegt und mich deshalb zu einem anderen Arzt schickt? Er sagt, dass er sich so sicher ist, dass er weiß, was ein anderer sagen wird. Er denkt, ich sollte bei einem zweiten Arzt nochmal das selbe hören. Und das tue ich. Bei mehreren Psycholog*Innen. "Es tut uns leid, Sie sind gesund."

Zurück bei meinem Hausarzt, sagt er mir, dass die Symptome zu nichts verpflichten. Als ich nach den Symptomen frage, wird mir klar, dass er nicht als Mediziner gesprochen hat. "Wenig Rückhalt aus der Familie, kein angepasstes Leben. Sie sind ein Original, mit eigenen Gedanken. Viele Menschen sind bei ähnlichen Vorzeichen krank, sie sind gesund. Sie stehen auf einer Linie."

Ich stehe auf einer Linie. So war es schon immer. Ich ging zum Gymnasium, obwohl meine Eltern nicht studiert waren. Meine Clique außerhalb der Schule akzeptierte mich, weil ihnen noch ein kluger fehlte. Die Leute mit denen ich im Jugendverband zu tun haben wollte, waren deutlich älter als ich. Die, die mit mir zu tun haben wollten, waren alle jünger als ich. Da wo es heute in meinem Leben um feinsinnige Kunstfertigkeit geht, werde ich als Vorschlaghammer gesehen. Wenn es um stumpfes Handwerkern geht, traut es mir keiner zu, weil ich so weich bin.

Ich bin besonders. Wobei ich diesen Begriff immer irreführend empfinde. Das Wort meinte mal, dass mensch sich verdient gemacht hat und eine Auszeichnung tragen sollte. Das bin ich nicht. Ich bin in nichts der Beste. Ich bin aber der Exot. Und das mit großer Zuverlässigkeit. In jeder Gruppe, jedem Team, bin ich der, der zu einem anderen Ergebnis kommt, auf die selbe Frage. Oft höre ich, dass die Menschen so jemanden "wie mich" noch nie erlebt haben. Ich rede anders, ich höre anders zu, ich habe seltsame Fertigkeiten - meine Mutantenkräfte - die mir Beobachtungen erlauben, Schlussfolgerungen. Menschen sagen mir, dass sie Angst haben, von mir analysiert zu werden. Ich merke, dass da immer diese Linie ist.

Linien sind gut. Sie verbinden. Sie trennen. Sie bringen Struktur. Mein Arzt sagt, dass ich unter den Kranken der Gesunde bin. Weil ich gesund bin. Und er ist unter den Hausärzten ein Hausarzt. Und einer, den ich sehr schätze. "Wenn wir unseren Platz in der Welt verändern wollen, müssen wir immer Energie aufwenden. Wer sich immer bewegt, wird müde und kommt nicht zur Ruhe." Das sagt auch mein Arzt. Manchmal möchte ich nicht besonders, nicht exotisch sein. Ich möchte akzeptiert sein. Wie ich bin. Keine Linie. Die Linie sieht auch nur wie eine Linie aus, wenn mensch drauf steht. Von Innen ist sie ein Kreis der einschließt und festhält. Eine Linie, die vereint. Manchmal, wäre ich gerne im Kreis. Weil ich weiß, wer auf der Linie steht, der nächste sein könnte, der rausfällt.

Kommentar: Ich bin ein scheiß Sexist!

Möchtegern-Held | 09.07.18 | / | Kommentieren
So oder so ähnlich klang es jedenfalls vor einer Weile in meinem Kopf nachdem ich auf zwei Dates als solcher beschimpft wurde. Dann war es an mir abzuwägen, wieviel da wirklich dran ist und es beschäftigt mich zuweilen immer noch.

Kurz zum allgemeinen Verständnis: Ich bin halber Brite und pflege gewisse Höflichkeiten, die ich erlernt habe. Ich halte Menschen die Tür auf – auch Frauen. Wenn ich eine Frau zu einem Date einlade, dann gehe ich davon aus, dass ich zahle, weil ich sie eingeladen habe. Nicht bei einem Kennlern-Kaffee oder so, sondern ein klassisches erstes gemeinsames Abendessen im Restaurant. Nicht, weil ich nicht glaube, dass eine Frau nicht genug Geld hätte ihr Essen zu bezahlen (so der harsche Vorwurf inkl. Standpauke, den ich mir eingefangen hatte), sondern weil ich es als nette Geste sah. Ebenso das Tür aufhalten. Für mich hat das nichts damit zu tun, dass eine Frau nicht stark genug dafür wäre oder Hilfe benötige. Ich finde das ist nett. Wenn eine Frau mir die Tür aufmacht bedanke ich mich freundlich bei ihr und denke kein Stück darüber nach, ob ich gerade an Männlichkeit verloren hätte.

Aber bin ich denn jetzt dadurch sexistisch? Ich hörte diesbezüglich den schönen Spruch „meine Freiheit hört da auf, wo die eines anderen anfängt“. Wenn dem wirklich so wäre, dann dürfte niemand mehr eine eigene Meinung haben. Oder gar irgendwas tun – weder Fleisch essen noch Strom verbrauchen, denn irgendwem tritt man immer auf den Schlips. Und war dieser Spruch jetzt eigentlich schon wieder sexistisch, weil Schlipse vorwiegend von Männern getragen werden? Immerhin wurde ich auch angegriffen, weil ich das Wort „herrlich“ benutzt habe im Kontext zu meinem Essen.

Wo wir gerade bei schlechtem Humor sind: ich lache auch über frauenfeindliche Witze (bis zu einem gewissen Grad). Ich lache auch über Witze über Behinderte (frei nach Chris Tall: für die Gleichberechtigung). Und übelst derb lache ich über Witze, die uns Männer diskriminieren und Unfähigkeit bescheinigen. Bin ich jetzt noch sexistisch oder schon rassistisch oder gar masochistisch?
Dieses Thema beschäftigt mich so sehr, dass ich mich sogar über die Nachbarskinder aufgeregt habe. Da hat ein Junge einen Ball mit gefühlt 80km/h ins Gesicht getreten bekommen und fängt an zu weinen. Der Bengel war vielleicht 7 oder 8…ja und? Das tut weh! Ich habe als Kind oft geweint. Und dann sagt ein anderer Junge: „Was ist denn mit dir? Du heulst ja wie ein Mädchen!“. Freundchen…ich habe Männer heulen gesehen wie Schlosshunde, wenn ihnen was Schlimmes im Leben passiert ist und wahrscheinlich liegt dir das auch noch bevor. Das ist doch vollkommen in Ordnung!
Aber was mache ich Sexist denn nun bei meinen Dates richtig und was falsch? Ich versuche stets charmant zu sein. Aber ich bin eben auch jemand der verbal auf Tuchfühlung geht. Mit wem ich es da zu tun habe möchte ich schon wissen. Also müssen Grenzen abgesteckt werden. Und wie das nun mal beim Flirten so ist, kann es auch mal anzüglich werden. Nennen wir es knisternd oder prickelnd – ohne dabei gleich frontal die Sex-Tür einzutreten. Man(n) möchte wissen wie pikiert, prüde, offen, freizügig oder gar polyamor das Date ist. Doch wo sind die Grenzen? Was sind die NO-GOs? Rein von mir aus würde ich nie jemanden wegen seiner religiösen Haltung oder sexuellen Vorlieben verurteilen. Und wenn das mal so geklungen hat, dann tut mir das Leid. Aber was geht nun mal gar nicht? Reduzieren auf körperliche Merkmale? Der Spruch „rotes Dach, feuchter Keller“ wurde mir von diversen Redheads lachend entgegen genommen und ich wurde dafür nicht verurteilt.
Wie wird das mal im Bett sein? Wenn ich der Dame einen festen Klaps auf den Po gebe – bin ich dann sexistisch? Auch wenn sie total darauf abfährt? Denunzieren wir damit dann andere Personen, die dies als frauenverachtend empfinden? Muss meine Partnerin jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil sie sich nicht als gleichwertige Frau darstellt, die mir jenes Handeln untersagt oder zumindest mir auch einen Klaps gibt?

Auf der Leinwand lieben alle James Bond - in Realität ist der Kerl auch nur ein dummes, sexistisches Macho-Schwein.

Wie sieht das mit fleischessenden, She-Males im Pony-Pet-Play mit Kommunistenstern-Brandzeichen auf der Arschbacke aus? Wessen Rechte oder Gefühle oder Ansichten verletzen die bitte alles? Gehört sowas nicht verboten?

Ihr merkt…es sind einige kritische und einige stark überspitzte Fragen dabei. Einige gehen vielleicht zu weit, andere nicht. Kurz zur Beantwortung der Frage der Dates: Beide Dates waren entsprechend das erste und das letzte Date mit den Damen und mir. Ich wünsche den Beiden dennoch alles Gute bei der Partnersuche.

Und was mache ich jetzt mit den ganzen Fragen in meinem Kopf? Ich lasse sie hier und da rotieren und hinterfrage mich selbst. Nichtsdestotrotz möchte ich „ich selbst“ sein und mich nicht krampfhaft verbiegen, um es anderen Recht zu machen. Wenn ich mit Kleinigkeiten dies tun kann – warum nicht? Ansonsten behalte ich meinen leicht zweideutigen, wortgewandten, rauen Charme. Sollte eine Frau sich dadurch diskriminiert fühlen, dann können wir vernünftig darüber reden. Sie kann auch an ihrer Selbstliebe arbeiten oder lernen zu differenzieren. Gern darf sie mir auch in die Jacke helfen und mir dann verbal versichern, dass sie sich nicht herabgesetzt fühlt, weil sie mir gerade bei einer niederen Aufgabe / Kleinigkeit zur Hand gegangen ist.

Man(n) und Frau(!) verzeih mir meine spitzzüngige Ausdrucksweise in diesem Artikel. Ich hoffe ich kann gut zwischen Flirt, Sexismus und sexueller Belästigung unterscheiden und lande besser in einem guten Resonanzfeld mit meinen Gesprächspartnern/innen als sich hier vielleicht herauslesen mag.

Spazbiergang

Jay Nightwind | 05.07.18 | / / / / | 2 Kommentare


Wir sind älter geworden. Es ist schwerer geworden, Zeit zu finden. Es ist dieser kleine Horror, den Mensch vorm Leben hat, dass Arbeit und Familie irgendwann keine Zeit mehr überlassen. Freund*Innen werden nur ein Schattenriss im Terminkalender, weil immer mehr Platz von Kindern, Partner*innen, Plänen und Überstunden eingenommen wird. Natürlich muss es nicht so kommen, aber wenn die -wirklich- tollen Kleinen und die neuen Pflichten dann kommen, dann muss trotzdem umgedacht werden.

Angefangen hat es so, dass wir uns das Versprechen gegeben haben, uns einmal im Momat zu sehen. Es ging dabei um nichts exklusives, keine*r wurde ausgeschlossen, aber wir sehen uns auf jeden Fall. Wenn dann noch zwanzig andere Leute dabei sind, okay. Wenn die Kinder dabei sind, um so schöner. Wenn nur wir unterwegs sind, geht auch klar. Da wir alle Gamer/Gaming-Nerds sind, hatten wir viele Abende in unseren Nerd-Höhlen, mit Spielkonsolen, Bierchen und großem Unsinn. Aber irgendwann, wir waren auch überrascht, hatte es den Reiz aufgebraucht. (Multiplayer-Videospiele sind ja auch immer weniger gut).

Als Hermann bei mir zur Tür reinkommt, setzt er sich nicht mal so richtig aufs Sofa. "Wenn ich mich nicht noch etwas bewege, schlafe ich sofort ein.", sagte seine Arbeitswoche durch seinen Mund. Ein halber Plan war schnell gemacht: Wir schnappen uns ein Bier "vonne Bude" und laufen mal grob Richtung Essener Innenstadt.

Ich war schon immer sowas wie ein Stadtläufer. Also wie diese Waldläufer, nur halt als Fährtenleser auf Asphalt. Im Kern, weil ich sehr viel gelaufen bin, erkundet habe und Wege kannte. Früher bin ich jeden Freitag nach der Schule in die Innenstadt gelaufen, aber wenn, dann war ich eigentlich immer alleine unterwegs.

Schon bei unserer ersten Touren, erleben wir kleine Abenteuer, die sich kein Videospiel hätte ausdenken können. Wir hören von einem Radweg über zwei Stadtteile hinweg ein Pokalspiel, werden von einem Dude auf Krücken angerülpst und nach Bier gefragt, eine junge Frau twerkt an jedem Bahnhof aus der offenen Tür des REs raus. Es ist eine absolute Menschen-Safari, wir gucken und staunen. Und wir verlaufen uns. Und verlaufen uns. Und verlaufen uns. Irgendwann fast schon absichtlich.


Als Wortspielbeauftragter taufe ich das Ganze auf "Spazbiergang". Das Bier ist zwar optional, aber im Kern trifft es die Formel dahinter gut. Laufen und Trinken. Ich mache an der Stelle immer (immer) den selben Spruch: "Viel trinken ist wichtig!" Das wird der Sache nicht gerecht, ganze Touren lang wird kein Tropfen Alkohol getrunken.

Ähnlich wie es bei den Kindern meiner Begleiter ist, wird der Radius unserer Erkundungen immer größer. Plötzlich sind es nicht mehr Patroulliengänge in den eigenen Stadtteilen. Wir sammeln Kilometer, laufen von Duisburg-Rheinhausen bis nach Krefeld-Ürdingen. Von Essen-Hügel nach Essen-Überruhr. Wir finden ungeahnte Wälder, traumhafte Flüsse und stoßen auf Mysterien. Es werden wundervolle und wundersame Fotos gemacht. Als wir eine seltsame Tür mit Behördenschild knipsen, ist das Bild auf dem Handy nachher defekt. Wir stehen an der Ruhr und unter einer Autobahn gleichzeitig. Ich sage immer mal wieder: "Hier steht kein Schild, dass es verboten ist." Wir wollen mehr, wir wollen weiter.

Plötzlich, sind wir eine Gruppe "Stadtläufer". Es wird darüber nachgedacht, die Routen zu markieren. Wir planen Touren, wir sind Wanderer. Es werden Objektive für Handykameras gekauft, es werden Kontakte aufgemacht und gesucht, um Tipps für"Hidden Places" zu bekommen. Die Treffen sind plötzlich ganz einfach, alles klappt spontan, wir laufen "mal eben" zehn bis fünfzehn Kilometer. Weil wir überraschend alle Zeit haben.

Es gibt keine Pointe hier. Es gibt keine Wendung. Keine Lehre. Nur einen Eintrag in diesem Tagebuch, einen Hashtag auf Instagram. Irgendwer hat mir mal gesagt, dass die Welt da draußen keine Abenteuer mehr hat. Ich vermute, diese Person war zuletzt sehr viel drinnen, denn wir finden doch immer wieder etwas neues.



Fotos: Hermann Hohls, Jay Nightwind, Medienwald

Irgendwie besser: Papier und Ähnliches

Fatima Talalini | 02.07.18 | / | Kommentieren

Diese Wattepads sind aus alter Kleidung genäht. 
Als Behälter eignetsich eine alte Verpackung 
aus der Drogerie. Foto: Fatima Talalini
Im Seminar sitzen alle (und ich meine hier wirklich ALLE) Studierenden mit Laptop, Tablet oder Smartphone – und die Dozentin teilt Kopien des Seminarfahrplans aus. Warum? (und ich meine hier wirklich WARUM?) Es gibt in Deutschland recyceltes Druckerpapier zu kaufen. Und die Handouts der Referatsgruppe sind aus dickem ultraweißem wunderschönem Papier. Papier, das man auch für Hochzeitseinladungen verwenden könnte. Papier, das in aller Regel im Müll verschwindet. Papier, das bei den ganz Motivierten in eine Mappe geheftet wird, um es dann in im nächsten Semester wegzuschmeißen.

Dass Papier aus Holz hergestellt wird, war mir irgendwie klar. Dass wir Papier sparen sollten, auch. Aber dass 80 % der Urwälder auf der Welt schon zerstört sind, war mir ganz und gar nicht bewusst. 80 %? Wirklich? Das ist eine so absurd hohe Zahle, die so gar nicht passen will zu meinem modernen ach-so-aufgeklärten Leben. Was kann ich also tun?

Mit Collegeblocks aus recyceltem Papier hat meine Öko-Streber-Clique schon in der Schule angefangen. Eindeutiges Zeichen: Der blaue Engel. Ein Umweltsiegel, das schon seit 1978 Produkte kennzeichnet, die Ressourcenschonend hergestellt wurden. Auch das Ökopa-Plus-Siegel ist eine gute Orientierungshilfe. Und für den Büro-, Schul- oder Unibedarf gibt es wirklich keinen Grund mehr, nicht auf recyceltes Papier umzusteigen. Es gibt Schulhefte, College-Blocks, Druckerpapier, Notizbücher, Kalender, Schnellhefter, Trennseiten… In jedem gut sortiertem Schreibwarenladen zu finden.

Briefumschläge, Dokumente oder Handouts - 
zurecht geschnitten eignet sich alles als Notizzettel. 
Ein leerer Teekarton sieht auch
auf dem Schreibtisch cool aus. Foto: Fatima Talalini

Super einfach für mich umsetzbar ist auch, die sinnlosen Papiere, die ich so bekomme, sinnvoll zu nutzen. Die Rückseiten von alten Handouts, Seminarblättern oder Kopien aus der Bibliothek nutze ich als Druckerpapier und zerschnitten als Notizzettelchen. Auch die Rückseite von alten Briefen von irgendwelchen Behörden oder Versicherungen kann man super als Druckerpapier nutzen. Die Briefumschläge sind zerchnitten super Notizzettel. Das verhindert natürlich nicht direkt die Abholzung, aber man spart sich den Neukauf von viel Papier.

Der Alleskönner unter den Upcycling Produkten ist altes Zeitungspapier. Es eignet sich als Geschenkpapier, als Einlage für den Biomüll oder als Bastelmaterial. Flechtkörbe, Blumen, Bilderrahmen - die Auswahl auf DIY-Seiten im Internet scheint unerschöpflich.

Auch Toilettenpapier gibt es in der Umwelt-Variante! Und Wattepads aus Biobaumwolle. Noch besser ist es aber, diese einfach aus alten Kleidungsstücken selbst zu nähen und wieder zu benutzen (danke Kerstin, für diesen tollen Tipp!). Einfach Kreise ausschneiden, zwei aufeinander nähen und nach dem Benutzen in einem Wäschesäckchen mit in die normale Wäsche geben (damit sie nicht von der Maschine gefressen werden).

Statt Küchenpapier einen Lappen und ein Trockentuch aus Baumwolle verwenden. Wenn es gar nicht anders geht, die Umwelt-Variante kaufen (auf den blauen Engel achten).

Für Frauen ist der neue Trend-Tampon-Ersatz der so genannte Moon-Cup oder auch Menstruationstasse genannt. Das ist ein kleiner Becher aus Silikon, der statt der Tampons benutzt wird. Das Coole ist, dass man ihn abkocht und wieder verwertet – also weniger Müll. Das Schwierige ist, dass es ein bisschen Übung braucht

Schritt für Schritt ein Stückchen besser werden!


Recherchequellen:
- http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/anthropozaen/256765/papierproduktion
- https://www.blauer-engel.de/de
- https://www.greenpeace.de/themen/waelder/waldnutzung/papierverbrauch-und-umweltzerstoerung
- https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/waldvernichtung/umwandlung-in-nutzflaechen/
- https://www.apotheken-umschau.de/Gebaermutter/Menstruationstasse-Tampon-Alternative-519921.html




Dieser Blogeintrag ist Teil der Serie "Irgendwie besser". Den ersten Eintrag findest du hier.

Smartphone statt Laptop – Fotos mit dem Smartphone

Andasch | 14.06.18 | / | Kommentieren

Schon in der Einführung bin ich kurz auf die Smartphone-Kamera eingegangen und habe erzählt wie gut man die für den Schnappschuss zwischendurch oder kleine Videoprojekte nutzen kann.

Mehrere Kameras auf der Rückseite

Smartphone-Kameras machen gute Fotos. Die Kamera-Software wurde optimiert bis zum geht nicht mehr und auch die Linsen und Sensoren sind um einiges besser geworden als noch vor ein paar Jahren. Zum Teil gibt es Modelle mit zwei oder sogar drei Kameras auf der Rückseite. Damit sollen Tiefenschärfe-Effekte möglich werden. Bei meinem Huawai Honour X6 klappt das auch. Mal besser und mal schlechter. Insgesamt bin ich mit der Funktion aber zufrieden.

Der Profi-Modus 

Der Automatik-Modus versagt bei Dunkelheit
Android ist nicht gleich Android. Viele Hersteller modifizieren das Google-Betriebssystem nach eigenen Vorstellungen. Daher unterscheiden sich auch die mitgelieferten Kamera-Apps verschiedener Hersteller zum Teil deutlich.
Die Kamera App meines Huawai-Smartphones beispielsweise finde ich ziemlich gelungen. Im Automatik-Modus entstehen gute Bilder. Aber gerade wenn es ein wenig dunkler wird, scheint die App nicht mehr genau zu wissen, was sie tun soll. Abhilfe schafft hier der sogenannte „Profi-Modus“.
Hier kann ich manuell einstellen mit welcher ISO oder Verschlusszeit das Foto geschossen werden soll und auch der Weißabgleich lässt sich anpassen. Damit lässt sich nochmal einiges aus Fotos rausholen. Ein Profi muss man nicht unbedingt sein: Je größer die ISO desto heller das Bild. Je kürzer die Verschlusszeit, desto dunkler das Bild.
1/50 ist eine Fünfzigstelsekunde. Je kleiner also die Zahl unter dem Bruchstrich, desto länger wird die Verschlusszeit (weil der Bruch dann logischerweise ja größer wird). Ab einer Sekunde werden dann in der Regel Kommazahlen verwendet. Hier gilt natürlich: Je größer die Zahl desto länger die Verschlusszeit und damit auch heller das Bild.  

Mit dem Profimodus lässt sich ein wenig rumspielen und verschiedenste Optiken erreichen:






Die Freihandgrenze

Aber vorsichtig. Bei zu langen Verschlusszeiten drohen die Bilder unscharf zu werden, weil entweder das Motiv sich bewegt, oder aber man das Smartphone nicht lange genug stillhalten kann. Viele Smartphone Hersteller versuchen hier, softwaretechnisch gegenzusteuern, aber wer zu viel wackelt, bekommt trotzdem unscharfe Bilder. Das nennt man Freihandgrenze. Die unterscheidet sich natürlich von Mensch zu Mensch, aber auch von der Brennweite unseres Objektivs und unserem Bildsensor.

Als Faustregel gilt: 1/ Brennweite x Crop Faktor

Die Crop Faktoren berechnet sich aus der Größe des Bildsensor und liegt für Smartphones irgendwo zwischen 9,5 und 5,6. Falls ihr das für euer Smartphone herausfinden wollt, müsst ihr erst herausfinden wie groß eurer Bildsensor ist, dann könnt ihr bei Wikipedia nachschauen wie groß der Crop Faktor ist. In meinem Fall ist der Crop Faktor ungefähr 7. Die Brennweite meiner Kamera ist 26 mm und damit ergibt ich eine theoretische Freihandgrenze von ungefähr 0,3 Sekunden. Für mein Gefühl ist da aber meist ein bisschen mehr drin. Gerade wenn ich mich irgendwo anlehne oder das Smartphone sogar irgendwo ablegen kann. Am Besten probiert ihr selbst aus, wielange bei Euch stillhalten drin ist.Wenn es zu dunkel wird können wir mit der Verschlusszeit also nur bis zu einem bestimmten Maß reagieren.

ISO

Aber auch die ISO ist kein Allheil-Mittel. Bei höheren ISO-Werten kann es zu Bildrauschen kommen. Hier kommt es auf die Qualität des Sensors an. Manche Smartphones schaffen gute Bilder noch bei ISO 1600 zu machen und andere Modelle führen schon bei ISO 800 zu einem gewaltigen Rauschen.

Andere Kamera-Apps

Wer diese Optionen in seiner Kamera-App nicht findet, muss aber nicht traurig sein. Der Playstore ist voll mit Kamera-App-Alternativen. Unter Experten genießt die Google-eigene Kamera App zurzeit hohes Ansehen. Wer sie nicht im Playstore findet, kann hier die apk. Datei herunterladen. Damit lässt sich die App auch ohne Zugriff im Playstore installieren. Auch die Opensource-Kamera Open Camera bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und sieht für mich nach kurzer Nutzung sehr lohnenswert aus. Hier fehlt mir allerdings noch die Möglichkeit die Verschlusszeit manuell einzustellen.

Was nicht so gut funktioniert

Smartphonekamera arbeiten mit Festbrennweiten. Das bedeutet übersetzt: Ein Zoom ist nicht drin. Da ich das Objektiv auch nicht ausstauschen kann, muss ich mit dem Bildausschnitt, den ich habe leben. Manche Kamera-Apps bieten eine Zoom-Funktion, das ist aber lediglich ein Digitalzoom, der nur selten hilft. Den Bildausschnitt wählen wir lieber später in der Bearbeitung aus. Ist etwas weit weg und würde ein Fotograf ein Teleobjektiv benutzen stehen wir mit unserem Smartphone ziemlich blöd da. Teilweise gibt es Aufsatz-Objektive für das Smartphone. Wie die funktionieren und ob, sie sich lohen diskutieren wir in einem anderem Beitrag.





Sticker kleben ist politische Aktion!

Jay Nightwind | 13.06.18 | / | Kommentieren
Willkommen in politisch brisanten Zeiten. Während die hohen Herren und Damen sich mit Hilfe der sozialen Medien stündlich in immer größere Wannen voll Fett setzen können, scheint die Aufspaltung zwischen Fraktionen immer mehr zum Alltag zu werden. Die Menschen in meinem Umfeld sagen oft, dass sie unpolitisch sind. Sie hängen keiner Partei an, verfolgen das Tagesgeschehen nicht und Berlin ist für sie halt auch nur ne Stadt.

Was ihnen erstmal keiner verraten hat, ist die Tatsache, dass es kein unpolitisches Handeln gibt. Der Fremdwörter-Duden auf meinem Regal sagt, das Politik das "Handeln mit Wirkung auf das Leben der Öffentlichkeit" meint. Wer also einen grünen Stromanbieter wählt, wer mit dem Auto statt der Bahn fährt, wer sein Geld in Aktien investiert, wer eine Mitgliedschaft in der Bücherei hat und und und und und und, handelt politisch. Haha, Pech gehabt, ob ihr wollt oder nicht!

Neben dem politischen Handeln, da gibt es aber auch die politische Aktion. Sie verfolgt Ziele zu Gunsten einer bestimmten inhaltlichen Strömung. Da spielen sicher schon nicht mehr alle mit, denn politische Aktion erfordert Organisation, Struktur und Vorbereitung. Politische Aktion ist kompliziert und sperrig. Wenn sie groß gedacht wird. Dabei kann es auch einfach und im Kleinen funktionieren.

Menschen egal welcher inhaltlichen Geschmacksrichtung machen Werbung für ihre Sache. In meinem Gefühl machen die Sozialen Medien mit ihrem Bedarf nach Gewinnen im Internet eine Kapital- und Provokationsschlacht aus Werbung. Im Analogen sind die Spielregeln etwas einfacher, wenn auch vergleichbar. Allerdings gibt es keine Benachrichtigungen, wenn etwas kommentiert oder gelöscht wird. Das merken wir uns mal kurz.

Ich kann nur für den Ruhrpott sprechen, aber wenn es eine massive und spannende Form der Werbung gibt, dann sind das Sticker. Kleine Aufkleber, die ein Logo und eine Sache markant machen und an allen Orten auftauchen können. Das Bekleben von Laternen etc. ist natürlich verboten, dass hält aber niemanden so richtig auf. Fans von Sportvereinen zum Beispiel färben ihre Stadt weiträumig in den Vereinsfarben, Bands freuen sich dumm und dusselig, wenn sie Aufkleber mit ihrem Namen drauf haben. Aber weshalb eigentlich? Ich meine, ist es nachgewiesen, dass ein Aufkleber schon mal eine CD verkauft hat? Hat jemand wegen eines Stickers seine Begeisterung für den FC Schalke 04 noch mal überdacht? Eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht. Trotzdem machen die Aufkleber etwas mit uns.

Die Psychologie hat den "Mere-Exposure-Effekt" nachgewiesen. Vereinfacht gesagt beinhaltet dieser, dass wir eine Sache die wir immer wieder als Reizwahrnehmung bekommen, im Laufe der Zeit immer besser finden. Was nicht bedeutet, dass wir automatisch Fan davon werden, aber wir quasi "abstumpfen". Je öfter uns die Störung begegnet, desto weniger schockiert sie uns. Ich bin nicht Psychologe genug, um genau und detailiert zu beschreiben, wie sich das im Alltag auf uns auswirkt, aber wenn wir uns die Konzepte und Frequenzen von Werbung anschauen, dann muss an diesem Effekt was dran sein.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Mere-Exposure-Effekt uns im Alltag beeinflusst, dann könnte das bedeuten, dass eine dauerhafte Konfrontation mit Emblemen und Aussagen des rechtspolitischen Spektrums uns im schlimmsten Fall die Furcht und Abstoßung gegen solche verlieren lässt. Sie normalisieren sich für uns. Das ist mindestens ein Problem. Wenn gesellschaftsspaltende Inhalte uns nicht mehr stören, dann verlieren wir eine ganze Rutsche Menschlichkeit.

Zurück zu den Stickern. In meinem Stadtteil sind ein ganzes Weilchen Aufkleber der "identitären Bewegung" aufgetaucht. Früher habe ich mich kaum für die Aufkleber an Laternen interessiert, aber als ich in meiner Nachbarschaft zum ersten Mal auf den Spartanerschild gestoßen bin - ein Emblem, welches schon popkulturell mit 300 eine positive Betonung bekommen hat - bin ich auf einmal kribbelig geworden. Mein Stadtteil darf und soll nicht seine Lebensqualität einbüßen. Die bloße Anwesenheit der Sticker hat mich genervt. Das ist nicht mein Bild von hier.

Gut, im Gegensatz zu meinen Freund*innen, würde ich sofort sagen, dass ich politisch bin. Aber auch mir fehlt oft die Zeit und die Energie, mich in Organisationen einzubringen. Trotzdem wollte ich etwas tun.
Das Gute an einem Sticker, im Gegensatz zu einem Post auf Facebook, ist, dass mensch ihn einfach überkleben kann. Das Ursprungsmotiv verschwindet, zu Gunsten eines neuen Inhalts.
Wenn ihr also selbst etwas tun wollt, dann ist das ein guter Einsteiger-Level für politische Aktivität.
Und hier kommt das Schöne: Um einen Sticker von "rechts" zu überkleben, gibt es kaum falsche Möglichkeiten. Jeder Aufkleber hilft. Es ist egal, ob ein Band-Aufkleber, die Werbung für eine Fastfoodkette, ein lustiger Spruch oder ein Werbemotiv für eine Internetseite darüber gelegt werden: Was weg ist, ist weg. Und Inhalte denen ich nicht mehr ausgesetzt werde, schockieren mich wieder dann, wenn es darauf ankommt.

Tutorial: Professionelle Social Media Posts ganz einfach – Canva

Andasch | 11.06.18 | / | 1 Kommentar
Bildbearbeitung war noch nie so richtig ein Heimspiel für mich. Und ich gebe es zu: Manchmal habe ich ein bisschen Schrift bei Paint auf ein Bild geknallt. Seit ein paar Tagen hat das aber ein Ende. Ich hab die Website Canva kennengelernt. Canva ist ein kostenloses Grafikdesign-Tool nach dem Baukasten-Prinzip.



Canva ist wirklich einfach. Wir können bestehende Designs ändern, eigene Bildern hochladen oder aus der Datenbank auf kostenlose lizenzfreie Fotos zugreifen. Weil es so einfach und intuitiv ist, kann man gar nicht soviel dazu schreiben. Unten findet ihr (lautlose) Videos die euch zeigen, wie man mit Canva arbeitet, Beiträge anlegt und bestehende Design ändert.





Wer gern mobil arbeitet, kann auch die Canva-App im Google Play Store oder in Apples App Store runterladen. Damit wird das Smartphone unterwegs zum vollwertigen Social Media-Tool.