Perfect Game: Der Couch-Multiplayer aus Halo

Jay Nightwind | 17.04.15 | / | Kommentieren
Multiplayer kommt für gewöhlich in zwei Geschmacksrichtungen daher: Als Wettbewerb oder als Kooperation. Außerdem, wenn wir im Lebensmittelbild bleiben wollen in zwei Zubereitungen: Online oder offline. Trennungen, die über die Jahre gewachsen sind und auch durchaus sinnvoll waren. Nur eine Spieleserie hat sich eine ganz entscheidende Frage gestellt:

Why don't we have both? 

In der Halo-Reihe ist es seit unzähligen Ablegern der Serie ganz üblich, dass der Multiplayer ein On-/Off-line-Couch-Co-Op-Wettbewerb ist. Aber wie funktioniert das genau?

Phase 1:
Die meisten Multiplayer-Spielmodi lassen sich im Splitscreen mit bis zu Vier Spielern spielen. Nichts ungewöhnliches für einen Konsolen-Shooter, eigentlich sogar verpflichtenden Tradition, wenn wir mal zu den ehemaligen Heimspiel-Klassikern wie GoldenEye oder auch Perfect Dark schauen.

Phase 2:
Sowohl Kooperative Missionen und auch Wettbewerbspartien lassen sich natürlich online spielen. Inzwischen ein Standard in der Branche und auch der Ort an dem großer Spaß wohnt, weil unbekannte Spieler halt auch unbekanntes Spielverhalten mitbringen. Da kommt der Reiz des Wettbewerbs oder auch einfach der kuriosen Ereignisse auf, wenn Spieler sehr stark sind, oder sehr sehr seltsame Dinge passieren.  

Phase 3:
Die Entscheidene! Noch lange bevor Microsoft an seiner Konsole erlaubt hat die bezahlten Onlinekonten mit anderen Nutzern der selben Konsole dauerhaft zu teilen, hat es Halo erlaubt, die anderen Spieler, die nicht mal Konten beim Onlinedienst haben mussten, mit ins Spiel zu ziehen. Dabei waren diese auch für andere Spieler immer als Gäste an der gleichen Konsole zu erkennen, was ja aber vollkommen wumpe ist. Bei Vier Spielern war also nur ein bezahltes Konto notwendig, um gemeinsam online spielen zu können.

Eine geniale Entscheidung, denn so wurden die beiden gewachsenen Säulen des Videospiels "Couch" und "Online" zusammen geführt. Erst viel zu spät nach dem unsere Halo-Karrieren eingefroren wurden (Halo4 war es in meinem Fall) habe ich gesehen, dass es ganze Couch-Clans gab, die in 4 gegen 4 Partien von Sofas überall auf der Welt gegeneinander gespielt haben.

Was ja auch eine tolle Basis für Teamarbeit ist. Macht halt mehr Spaß dem anderen ins Gesicht anstatt nur ins Headset zu brüllen. Und nach eine gelungenden Runde gemeinsam anstoßen zu können hat dann auch noch den teambildenen Charakter, denn sich viele Management-Etagen nur teuer in Seminaren erarbeiten können.

Ich erinnere mich immer wieder gerne an die gemeinsamen Runden die wir vor diversen Fernsehern verbracht haben. Sei es der Karaoke-Abend, an dem wir beim Zocken aus jedem Wort ein Lied gemacht haben oder die diversen Power-Play-Runden in den Hermann und ich wie zwei Buddy-Movie-Cops gearbeitet haben. "Ich fahre, du schießt!"

Und natürlich kann ich jetzt den Beweis wieder für ganz viele andere Titel anstreben, die es eventuell sogar leichter haben als ein Ego-Shooter, weil sie eben nicht das Bild aufteilen müssten. Aber ich möchte an dieser Stelle eine Warnung aussprechen. Denn nicht jeder Couch-Co-Op für Vier Leute mit online Anbindung ist auch automatisch gut. Es gibt ein wenig Kleinkram zu beachten.

Die neuerschienden Borderlands - Handsome Collection, in der die Titel um einen Vierspieler-Splitscreen ergänzt wurden, zeigt sehr gut, warum nicht einfach jedes Spiel aufgestockt werden kann: Aufgrund vollkommen überladener Menüs und Displays, ist es für den einzelnen Spieler überhaupt gar nicht mehr möglich seinen Bereich wirklich einschätzen zu können. Leider sind die Anzeigen auch nicht in der Größe verstellbar oder ausblendbar. Tatsächlich wären hier neue kleiner Anzeigen klüger gewesen.

Solche Hindernisse aus dem Weg genommen, wäre es aber durchaus für viele Spielreihen einfach um zu setzen, ihre eh schon vorhandenen Online-Spielmodi so einzustellen, um auch seine Freunde auf dem Sofa mitbringen zu können. Und das auch gerne ohne einen Online-Account haben zu müssen. Egal ob in Sportspielen eine ganz Mannschaft zusammen sitzt, oder Bei Tekken Tag Tournament beide Spieler zusammen sitzen (Geht aktuell schon, aber beide brauchen ein bezahltes Konto): Multiplayer sollte wie Tacos sein: Weich und Hart.

Übrigens auch aus einem ganz trockenen kapitalistischen Grund: Was ist denn bessere Werbung für ein gutes Spiel, als wenn mensch es mit seinen Freunden zusammen erlernen und testen kann?
Mit dieser Möglichkeit gewinnen also sogar alle Beteiligten. Also, bis auf vielleicht die Programmierer für den Netzcode des Spiels.


Alle Bauteile fürs perfekte Spiel:

Clan: Ein weiteres Feld

Jay Nightwind | 15.04.15 | / / | 2 Kommentare
Im November des letzten Jahres haben wir einen Clan gegründet. "Wir" sind einige Menschen rund um diesen Blog, Freunde und Leute die Lust haben gemeinsam zu spielen, zu bloggen, zu streamen und andere ganz unterschiedliche Projekte auf den Weg zu bringen.

Inzwischen ist ein wenig Bewegung in unseren Clan geraten und wenn auch wir ganz sicher noch in einer Phase sind, wo wir uns als Gruppe noch weiter finden dürfen, haben wir es doch schon geschafft einige spannende Gespräche in unserem Forum auf den Weg zu bringen, aber zum Beispiel auch schon einen gemeinsamen Workshop unter Leitung von OnkelToffa zu veranstalten, der allen Beteiligten Spaß gemacht hat und einiges beigebracht hat. Ein dickes "Danke schön!" dafür nochmal hier an dieser Stelle!

In der letzten Zeit habe ich mich wieder mehr meiner Leidenschaft, dem Poetry Slam gewidmet und hatte die Gelegenheit, einen Workshop für Nachwuchs-Bühnenliteraten zu geben. Neben viel Spaß den wir hatten und einem tollen Sonderslam den wir auf unserer "Weststadtstory" veranstaltet haben, habe ich aber auch angefangen über Möglichkeiten für den Slamnachwuchs, aber auch für die Weiterentwicklung als Slammer nachgedacht.

Was mir immer ein wenig gefehlt hat, ist ein Ort an dem mensch sich in Ruhe über Texte austauschen kann. Natürlich geht das in meinem Blog, natürlich geht das in einem Backstage bei einem Slam, aber das eine ist schon öffentlich und das andere einfach nicht wirklich ruhig und auf einen Abend beschränkt. Das passte irgendwie nicht so ganz zu dem, was ich mir als ruhigen Besprechungsort vorstelle.

Jetzt haben wir das Forum und eine nette Truppe von Menschen, die gerne sinnvoll und hilfreich Kritik geben, außerdem Spaß an Kreativem haben. Ein perfekter Ort, um auch über Slamtexte Kritik und Fragen einzuholen, ohne direkt vor so vielen Menschen zu stehen, dass es öffentlich und belastend wird.

Kurze Zusammenfassung:
Der Nachtwind-Clan bekommt auch ein Slam-Ressort.

Wer als Slammer im Forum seine Texte ausstellt und mitdiskutiert verpflichtet sich erstmal zu nichts, außer, dass er oder sie sich im Forum natürlich gut benimmt. Weder die Rechte an den Texten wechseln irgendwie den Besitzer, noch verändert sich irgendwas an den Auftritten der jeweiligen Künstler auf den Slams. Das hier ist lediglich die Einladung in unser Wohnzimmer, für alle die gerne ein wenig über ihre Texte reden wollen.

Die Anmeldung im Forum ist erstmal recht einfach, ihr geht auf nachtwind.boards.net und legt euch ein Benutzerkonto zu.
Weil wir finden, dass es sich so gehört, müsst ihr euch dann einmal kurz im Forum in der "Vorstellungsrunde" vorstellen. Da müsst ihr nicht euer ganzes Herz ausschütten, aber so ein paar Zeilen die eine faire Chance geben vorerst zu wissen mit wem die Leute es in Zukunft zu tun haben sind immer nett.
Danach steht euch das ganze Forum offen und darin auch der Bereich "Slam" in dem ihr dann Beiträge erstellen könnt, in denen ihr eure Texte teilen könnt und Feedback einfordern könnt. Ich bin mir sicher, dass ihr dort nützliche Tipps bekommen werdet.

Fragen könnt ihr natürlich auch hier in den Kommentaren dazu stellen. Wir freuen uns auf euch!

Achso: Wer übrigens auch mobil ins Forum schauen mag, sollte sich die Tapatalk-App fürs Handy anschauen. Die auch mit ganz vielen anderen Foren kompatibel ist.

Herzi,
Jay

Poetry Slam von Innen: Leuchttürme

Jay Nightwind | 13.04.15 | / / | 4 Kommentare

Immer mal wieder schreibe ich hier über Poetry Slam - früher habe ich hier quasi Spielnachberichte geschrieben und auch ganz ganz selten mal Kommentare und Einblicke in die Szene. Worüber ich seltsamerweise nie so wirklich geschrieben habe, ist mein eigener Slam. Irgendwo am Rande habe ich wohl mal erwähnt, dass ich in Essen einen Poetry Slam veranstalte, aber sonst nicht.

Das hätte so nach Eigenwerbung und Selbstdarstellung gerochen und das hat mir bisher nie so wirklich gut gefallen. Aber inzwischen hat sich etwas eingeschlichen, was ich als Stolz bezeichnen würde. Denn jetzt in unserem vierten Jahr wird mir plötzlich bewusst, was wir da eigentlich geschaffen haben. Aber das dient nur als Intro für eine für mich sehr wichtige Geschichte, die ich viel zu selten erzähle. Und für diese Geschichte müssen wir ganz vorne anfangen.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz von hoher Tradition, ja fast schon ritueller Wichtigkeit, dass ein jeder und eine jede, die irgendwie für sich selbst in Betracht ziehen Poetry Slam auszuprobieren oder gerade zufälligerweise frisch darauf gestoßen sind, mit eben diesen zwei magisch unbekannten Wörtern die Suchmaschine des Vertrauens zu bemühen. Genauer die Video-Suchmaschine des Vertrauens. Denn dass mensch selbst nicht der erste ist, der sowas auf der Bühne macht, ist einem für gewöhnlich bewusst.

Oft passiert es dann, dass mensch in einer Versenkung aus Selbstzweifel im ewigen Peitschenschwund sich selbst zerfleischt, weil die dort entdeckten Texte so unwahrscheinlich vielfach besser wirken als die eigenen Stücke. Das kommt aber auf den Typ Mensch an, denn mit einem Hauch mehr Optimismus findet mensch auch auf dem allseits beliebten Videoportal einen Leuchtturm. Einen Text, von dem mensch nicht geahnt hätte, dass es so überhaupt möglich ist auf die Bühne zu steigen und der alle anderen überstrahlt. Allerdings eben nicht um zu vernichten, sondern um den verirrten auf dem Meer der Bühnenliteratur den Weg zu zeigen, der sie in Sicherheit bringt oder wenigstens beschreibt wo das Ufer liegt.

Das passiert natürlich alles im Kopf des Empfängers. Der Vortragende hat das nie so geplant, dass er durch seinen Text zum Helden erwählt wird. Wenn doch: meinen höchsten Respekt!

Mein Leuchtturmvideo wurde zu einer Zeit gesucht, als meine ganzen geschätzten deutschsprachigen KollegInnen noch nicht das Videoportal für sich eingenommen hatten und so landete ich bei dieser jungen Frau aus den U.S.A. Bitte einmal kurz durchatmen, Kopf frei machen, und dann anhören:



Ich weiß nicht mehr wirklich, wie ich bei ihr rausgekommen bin, aber so ist es ja mit Leuchttürmen. Sie tauchen am Horizont als Lichtschein auf, ohne dass wir genau wissen, wo er eigentlich steht.
Sarah Kay hat mich direkt in ihren Bann gezogen. Das Thema ist simpel, die Ausführungen tief und auch keine Sekunde hat sie nicht die gesamte Bühne inne.

Ihr Video wurde das erste, dass ich zu meinen "Favoriten" bei Youtube gespeichert habe. Und es war sehr sehr lange auch das Einzige. Ich hörte mir weitere Texte von ihr an, wovon es damals gar nicht mal so viele im Netz gab und mein Kopf machte etwas, was ich früher sehr gut mit Poetry Slammern konnte: Ich war so ein dezentes kleines bisschen verliebt. So sehr, dass ich - nicht so wie sonst - eigentlich niemandem das Video zeigte. Das sollte mein kleines Geheimnis bleiben. Schnitt.

Als wir damals am 29.10.2011 in einem Nebenraum der Weststadthalle zum ersten Mal zu unserem eigenen Slam eingeladen haben, da hatten wir nicht viele Ziele. Ich weiß nicht mal, ob meine Jungs, Gabriel und Tobi, überhaupt Ziele hatten. Ich wollte gerne eine Kulturveranstaltung in Essen anbieten, die sich jeder anschauen kann, unabhängig von seinem Stand in der Geldbörse. Ich habe dabei in erster Linie an Schüler und Studenten gedacht, weil ich mich gut erinnern konnte, wie teuer ein Konzert für vier Euro alleine schon manchmal sein konnte, wenn gerade Ende des Monats war. Hätte mir damals jemand gesagt, dass aus den etwa 60 Seelen vor der Bühne mal fast 500 werden, die jetzt jeden Monat in der Halle sitzen und klug erdachten Texten lauschen, hätte ich mich kaputt gelacht. Nie im Leben!

Wir sind gewachsen, meine Ziele haben sich minimal verändert. Ich will immer noch Kultur bei freiwilligem Unkostenbeitrag anbieten, aber ich fühle mich unseren Zuschauern gegenüber stärker verpflichtet als früher. Einfach weil ich weiß, dass sie uns dahin gebracht haben, wo wir jetzt sind.
Es hatte sich inzwischen viel getan, wir wurden bekannter, die Zuschauerzahlen stiegen wie erwähnt an, wir hatten begonnen ein wenig zu netzwerken und haben Freundschaften und Allianzen mit anderen Slams geschmiedet. Und dann standen wir gerade kurz vor unserer vierten - gerade laufenden Saison - als folgendes in meinem Postfach passiert:

Nachricht von Sebastian23:
Hey Jay,
Ich habe eine Anfrage vorliegen von einer amerikanischen Slammerin, die so gut ist, dass es knistert. Sie gibt nächsten Monat einen Workshop in Bonn und sucht für den Abend des 18ten noch eine Show, bei der sie und ihr Kollege featuren könnten. Das ist sie:

Nun ist an dem Tag eben WestStadtStory - die Frage ist nur, ob ihr Lust habt und euch gewappnet fühlt, zwei der bekanntesten amerikanischen Slam Poeten als Feature außerhalb des Wettbewerbs auftreten zu lassen. Was meinst du?

Erst als meine Seele, welche gerade mit einer Heftigkeit einer Artilleriekanone meinen Körper verlassen hatte, langsam wieder den Kontakt herstellt, kann ich versuchen mit meinen zitternden Fingern so etwas wie eine Antwort zu schreiben:
"Sebastian. Ich weine hier gerade fast. Ich liebe Sarah Kay. Wirklich. Ich will. Ja. Ich will. Was war nochmal die Frage?"
Bis heute kann ich in keinsterweise dem guten Sebastian in Dankbarkeit aufschütten, was er da für mich getan hat. Ja, für mich. Natürlich sollte es unseren Slam unglaublich veredeln, zum Auftakt der vierten Saison nicht nur Sarah Kay, sondern sogar auch noch ihren nicht minder begnadeten Bühnenpartner Philip Kaye auf unsere bescheidene Bühne zu holen, aber die bloße Vorstellung ich könnte meine Leuchtturmpoetin auf "meiner" Bühne live sehen, sprengte das Fassungsvermögen meines Kopfes. Den ich, wie sich herausstellen sollte, eh im Laufe dieser Geschichte etwas ausbauen musste, damit er eben fassen kann.

Denn nicht nur, dass die beiden bei uns auftreten sollten; wegen einer Messe in der Stadt gab es keine -bezahlbaren- Hotelzimmer mehr und so haben diese Rockstars des Poetry Slams (Meine Meinung) in den bescheidenen Wänden gelebt, die ich mein Zuhause nenne. So ist es innerhalb unserer deutschsprachigen Slamszene recht üblich, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es für die beiden auch klargeht. Ging es aber.

Und so hatten wir/ hatte ich nicht nur die Gelegenheit den beiden eine Bühne zu bieten, sondern auch mit ihnen über Slam hier und in den Staaten zu sprechen, zu bewundern, wie stapelbare Aufschnittdosen sie vollkommen begeisterten, übers Schreiben, Inspiration, Motivation für Slam,  über die Seele von Sprachen zu reden und sie mit unserem Pferderennen zu amüsieren. Es brauchte ein wenig, aber die Rockstargefühle bauten sich langsam ab und an ihre Stelle trat das Gefühl, hier einfach Freunde oder geschätzte Kollegen sitzen zu haben.

Das war neben der Bühne. Auf der Bühne verwandelten sie unsere Halle schlagartig in einen neuen Ort. Es war immer noch ein Poetry Slam, aber es hatten sich Dinge verändert. Ich weinte vor Stolz fast bei der Anmoderation unserer Gäste und unsere Poetry Slammer an diesem Abend zeigten sich vor den internationalen Gästen angespornt, wie ich es nur selten zuvor gesehen habe. Unser Publikum an dem Abend war uns dankbar für Sarah und Phil und haben gar nicht gemerkt, dass sie sich dafür selbst hätten danken müssen. Jeder spürte es an diesem Abend ganz deutlich: Bei Poetry Slam kann manchmal auch diese Magie passieren, die viele von uns nur noch aus Disney-Filmen kennen.

Wäre es nach mir gegangen, hätte ich Sarah und Phil für immer behalten. Ich habe zwar meine Star-Wahrnehmung dämpfen können, aber aus nächster Nähe konnte mensch sich nur viel mehr in die beiden verlieben. Da herrschte hier auch bei allen Einigkeit. Und als die beiden dann abreisen mussten - ironischerweise mussten meine Freundin und ich vor den Gästen das Haus verlassen - waren wir am Ende einfach nur stolz, so gute Gastgeber gewesen zu sein und zwei tolle, herzensgute Menschen kennen gelernt zu haben.

Auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Ich werde Sebastian nie in meinem Leben genug dafür danken und es ihm vergelten können, was er da für mich getan hat. Auch dieser Beitrag ist ein viel zu kleines Denkmal.

Eines, dass ich meinen beiden Poetry Slam Leuchttürmen setzen möchte. Die es vielleicht, schon lange wieder in ihrem Leben zurück, nie erfahren werden. Ich bin euch zutiefst dankbar, dass ihr uns den Stolz auf das gebracht habt, was wir da seit Jahren machen. Ihr habt dieses Gefühl in uns eingepflanzt und wir werden es hegen und pflegen.


Und auch wenn meine Verliebtheit einen kleinen Funken mehr Sarah gilt - sorry Phil -, möchte ich euch auch noch einen Text von Phil mitgeben, den er auch auf unserem Slam vorgetragen und uns damit bewegt hat.

Technische Romantik

Stephan Krahwinkel | 11.04.15 | / / | 4 Kommentare
(Urheber: Stephan Krahwinkel/ Bokehemia)

Wenn der Himmel sich rot-golden färbt, verfallen wir gerne in eine romantische, melancholische Stimmung. So auch ich - dann zücke ich gerne die Kamera und versuche diese Momente festzuhalten. Knipse drauf los. Dann werde ich ganz gedankenverloren beim Betrachten der gelben Kugel.

Doch es gibt da auch diesen nüchternen Blick auf das wiederkehrende Ereignis der untergehenden Sonne. Dann wird mein Blick technischer, und ich denke mehr darüber nach, in welcher Zeit ich das beste Foto schießen kann, welche Einstellungen dazu notwendig sind.

Heinrich Heine hat das bereits in einem wunderbar ironischen Gedicht festgehalten:

Das Fräulein stand am Meere...

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.


Während der Nachbearbeitung sehe ich die Bilder dann wieder. Und der technische Blick weicht doch wieder dem romantischen. Ich kann mich einfach nicht entziehen: Dieser Anblick ist einfach herzerwärmend.

Ein schönes Wochenende euch allen!

(Urheber: Stephan Krahwinkel/ Bokehemia)