Warum spiele ich eigentlich immer noch Fifa 14?

Jay Nightwind | 22.06.17 | / | Kommentieren
Es ist die Saison 2025/2026 in der ersten Bundesliga. Das Transferfenster ist gerade
vorbei und bis auf einen Mittelfeldspieler, den ich noch aus meiner Zeit als Trainer in Monaco kenne, habe ich kaum Veränderungen vorgenommen. Das war auch für mich neu. Für gewöhnlich gab es keine Sicherheit in meinem Kader, wer 25 war und keine absolute Granate war wurde aussortiert. In meinen Aufstellungen herrscht Jugendwahn.

Spieler mit großen Namen gibt es schon länger nicht mehr. Leon Goretzka denkt laut der Presse im Spiel darüber nach, seinen Vertrag auslaufen zu lassen und sich zur Ruhe zu setzen. Kann er direkt in Italien bleiben und sich ein schönes Haus kaufen. Die Spieler der Mannschaften haben in den Menüs schon ein Weilchen keine Bilder mehr, einige die heute als Talente durch die Kader der Mannschaften huschen und sehr jung sind, treten jetzt als Veteranen auf. Die neuen Helden des Volksopiums in Europa haben ihre Namen aus einem sehr wechselhaften Zufallsgenerator. Pablo Jesus Rosa, Florian Dijks, Eduardo Zacarias, Akahito Kuriko empfinde ich als plausible Namen, als ich im Jugendkader den Sechszehnjährigen Zhi Gin Brosinski entdecke, verpflichte ich ihn nur wegen diesem poetischen Namen. In England ist mir natürlich auch vom Algorythmus James Bond hingeworfen worden, der leider wenig Talent für Fussball hat.

Vier Saisons lang war ich selbst als Spieler unterwegs, treu im Dienste von Atletico Bilbao, danach bin ich sehr jung Manager geworden. Le Havre, dann Monaco, denen ich für immer die Treue geschworen hätte, wäre da nicht dieses Angebot von Schalke gekommen. Die Mannschaft, der ich meines Geburtsortes wegen unsinnige Loyalität geschworen habe. In der Spielwelt gar nicht so unsinnig, habe ich sie immerhin mittlerweile zur Meisterschaft geführt. Wie im echten Leben auch: Wäre ich der Trainer und Manager, sähe es schon ganz anders aus im Profifuppes.

"Monaco war eine tolle Zeit." Jay Nightwind, Trainer Schalke04


Es ist auch 2017. Fifa 14 war eine Dreingabe zur XBox One in Europa und mit einer spät aufgeflammten Leidenschaft für Fussballspiele für mich ein gutes Geschenk. In den Kampf zwischen PES und Fifa mische ich mich nicht ein, weil: Geschenkter Gaul. Das Werbemenü der Xbox will mich zum Vorbestellen von Fifa 18 begeistern. Mein Interesse daran tut es meinem humoristischen Niveau gleich: Es ist sehr verflacht.

Es ist ein leichtes darauf zu fluchen, das EA jedes Jahr einen neuen Teil produziert, noch viel leichter darüber Witze zu machen. Inzwischen ist das kapitalistische Angewohnheit: Der Bedarf an der neusten Variante wird durch Werbung suggeriert, da mensch ja eine Kuh auch nicht nur einmal melkt und dann weg wirft. Das wird auch vollkommen zu recht kritisiert, sowohl bei Tieren, Handys, Filmen (Guck mal, ein Spiderman-Remake!), Computern und und und.
Auch ich habe Freund*Innen, die sich jedes Jahr das neuste Fifa kaufen und ich mache ihnen keinen Vorwurf daraus. Neben der Zahl im Titel gibt es ja auch tatsächlich Innovationen. Frauenfussball zum Beispiel. Dass EA sich für diesen längst überfälligen Schritt als feministische Spieleschmiede versucht feiern zu lassen empfinde ich immer noch albern, aber wichtiger ist: Es tut sich was. Aber nicht für mich.

Videospiele leben davon, dass sie ein interaktives Medium sind. Das Produkt, welches ich erwerbe, verändert sich sobald ich es verwende. Niemand bei EA kann verhindern, dass ich Fifa so spiele, wie ich es will. Das liegt in meiner Hand. Niemand bei EA kann erzwingen, dass ich anfange, das Spiel so zu spielen, wie sie es sich ausgedacht haben. Im Zeitalter von Speedrunnern, die bauliche Fehler in Spielen als Mechanismen des Spiels nutzen und definieren, ist das ein klarer aufdringlicher Gedanke. Das führt uns aber zu einem Problem:

Ich spiele den Saisonmodus und ich habe diesen endlos Modus noch nicht durchgespielt.

Im besten Fall geht das auch gar nicht. Das Spiel generiert unentwegt neue Nachwuchsspieler, welche teilweise vollkommen crazy sind, aber die Kader immer wieder auffrischen und tatsächlich für große spielerische Abwechslung sorgen. Wenn dein Torwart plötzlich auch Mittelfeld und Sturm spielen kann, dann bietet das ungeahnte Möglichkeiten. Die Stärken von Mannschaften verändern sich durch diese Spieler, die Geschichten hinter dem Fussball, die Fifa nicht mal selbst erzählt, verändern sich. Düsseldorf spielt seit vier Jahren Europa-Liga, das kann nur in einer alternativen Zukunft passieren. Ständig rücken neue Spieler nach, wie in echt und halten den Sport spannend.

Hihi. James Bond.


Technisch erahne ich aber schon, dass dieser Modus an seine Grenzen kommen wird. Die Kommentatoren fangen zwischenzeitlich an über Dinge zu sprechen, die gar nicht passiert sind, es werden Spielernamen auf anderen Plätzen erwähnt, die nicht mehr existieren, der deutsche Pokal wird regelmäßig als der niederländische anmoderiert. Feldspieler tragen lange Hosen, die dann aber manchmal unsichtbar sind. Fehler, die in einem frischen Spielstand nicht auftreten. Der Support für Fifa14 ist natürlich auch schon ewig vorbei, auf Patches brauch ich nicht mehr warten.

Und wenn es einen geben würde, dann könnte mich nur eine Sache zu einem neuen Fifa führen: Lasst mich meinen Spielstand übertragen! Von mir aus verkauft jedes Jahr ein neues Fifa, aber nehmt mir nicht meinen Fortschritt und meine ans Herz gewachsenen Helden weg. Auch wenn es nur virtuelle Leben sind, lasst sie auch etwas zählen. Wer weiß, ob ich in Fifa18 überhaupt einen wie Jesus Rosa gefördert bekommen würde. Wer weiß, ob Andrea Verre auch mit anderen Optionen so ein Badass geworden wäre? Ich will die Jungs nicht zurücklassen müssen. Ich bin der Trainer! Ich bin denen gegenüber verpflichtet, genauso wie es ein echter Trainer gegenüber seinem Verein sein sollte. Aber genau wie die Vereine es machen, kann ein Trainer einfach abgesägt werden, wenn es mal nicht mehr passt. Fifa sägt jedes Jahr die Spieler ab und den Support für einen alten Titel, damit es zu einem neuen geht, aber da gehe ich nicht mit. Auch wenn ich dann in der technischen Schweineliga spielen muss.

So und jetzt gilt es diese Saison zu einem Erfolg zu machen, mit Leuten wie Lasse Korte und Lopero Morena sollte das ja wohl kein Problem sein!

Podcast: Künstliche Intelligenz in Spielen mit Zockhard, David Grashoff und Thomas Engelhard

Jay Nightwind | 20.06.17 | / / | 1 Kommentar
Unser Andy hat also vor kurzem ein dickes Gaming-Special im Jugend- und Freizeitzentrum Emo in Essen Rüttenscheid auf die Beine gestellt. Im Rahmen dieses Abends sind wundervolle Dinge passiert und auch tolle Inhalte entstanden. Dazu gehört dieser Podcast über künstliche Intelligenzen in Videospielen. Mit am Tisch sitzen diverse Profis, Programmierer, Hobbynerds und nette Menschen. Am besten, ihr gebt euch einfach dieses Stündchen feinsten Inhalt.



Natürlich dürft ihr euch das Ganze auch wieder herunterladen und mitnehmen, falls ihr nicht die ganze Zeit am Netz hängen wollt. Wir wünschen gute Unterhaltung!

Wenn ich das richtig verstanden habe - Joseph Campbells Monomythos

Jay Nightwind | 14.06.17 | | Kommentieren
Bildquelle: WikiCommons
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist das mit dem Monomythos von Joseph Campbell so:

In jeder Geschichte die wir Menschen überliefernswert finden, kommen immer die gleichen Figuren, Rollen bzw. Funktionen vor. Da ist ein Heldencharakter, welcher zu Beginn der Geschichte von der Allgemeinheit nicht zu unterscheiden ist, aber durch Herausforderungen geprüft wird und sich weiterentwickelt, bis er sein Ziel erreichen kann. Dieses Ziel ist meist ein großes Übel zu besiegen, welches den Helden und die Gemeinschaft bedroht. Dieses Übel nennt Campbell den "Schatten", welches traditionell von außerhalb der Gemeinschaft kommt. Zwischen dem Helden und dem Schatten entspinnt sich die Geschichte, welche als "Reise des Helden" bezeichnet wird.

Campbell sagt, dass diese Bedrohung in modernen Fällen und Geschichten nicht zwangsweise eine Gefahr von Außerhalb oder ein Fremder sein muss. Jede der Rollen kann sich in den Schatten verwandeln, aus dem Blick mancher Rollen sieht der Held auch möglicherweise wie ein Schatten aus.

Damit der Held diese Antritt, tritt der Herold auf, welcher nicht nur dem Helden andeutet, dass er nun vom Normalo zum Besonderen aufsteigen muss, sondern auch die negativen Konsequenzen aufzeigt, wenn der Held die Herausforderung nicht annimmt. Gerade der Herold muss dabei keine aktive handelne Person sein, sondern kann zum Beispiel auch von einem Gegenstand oder Ereignis dargestellt werden.

Wenn der Held seine Mission annimmt, kann er  nichts, was er benötigt um den bei weitem mächtigeren Schatten besiegen zu können. Deshalb gibt mindestens ein Element, welches als Mentor auftritt. Der Mentor lehrt den Helden Dinge, welche er im Laufe seiner Reise brauchen wird, um den Schatten schlussendlich besiegen zu können. Aus diversen Gründen, ist dazu meist der Mentor selbst nicht im Stande.

Um den Helden zu prüfen und ihn in die Situation zu bringen, das Gelernte auch Anwenden zu müssen, gibt es verschiedene Prüfungen. Diese treten in Form der Festungswächter auf, was ein wirklich seltsamer Name ist. Aber tatsächlich vertreten sie fundamental auf und ein, wofür der Schatten steht und sie bestärken das schädliche Element in seiner Ausrichtung. Der Held muss diese Hindernisse überwinden, um sein Ziel zu erreichen.

Eine weitere Figur, welche sich gerade beim Bewältigen von Hindernissen zeigen kann, ist der Formwechsler. Dabei handelt es sich um eine Figur, die ihre Rolle ablegt und eine überraschende Wendung in die Geschichte bringt. Die Zahl der Veränderungen ist dabei nicht begrenzt, was in einer modernen personenbezogenden Erzählweise besonders häufig auftritt. Fernsehserien zum Beispiel lieben den Formwechsler.

Zur Lösung der Anspannung in der Erzählung, gibt es auch häufig einen Trickster. Dieser lockert die Geschehnisse auf, bietet eine komödiantische Entlastung an, ist besonders häufig auch gleichzeitig in einer anderen Rolle unterwegs, sieht sein Trickster-Tum nur als Charaktereigenschaften, während er die Ziele einer anderen Rolle verfolgt.

Diese Sieben Rollen kommen laut Joseph Campbell in jeder menschlichen Geschichte vor, die uns attraktiv erscheint. Als Grundlage seiner Untersuchung hat der Mythologe sowohl religiöse Texte, als auch Traumdeutungen, Folklore und auch Unterhaltungsliteratur seiner Zeit untersucht. Die mögliche Überholung seiner These hat er besonders in der Globalisierung erkannt, welche uns zunehmend die Faktoren reduziert, welche außerhalb der Gesellschaft liegen oder uns verpflichten, erst unser persönliches und gesellschaftliches Inneres zu festigen, bevor wir neue Schatten suchen, die es zu bekämpfen gilt.

Wenn wir davon ausgehen, dass Campbell mit seiner These recht hat, dann können wir bei einer Unzufriedenheit mit unserem eigenen Leben probieren seine Analyse anzuwenden. Davon ausgehend, dass wir der Held in unserer Erzählung sind, kann eine Unzufriedenheit darauf basieren, dass uns ein Schatten im Leben fehlt, ein Herold der uns beruft, Mentor*Innen die uns fördern oder auch Prüfungen, welche unsere Fertigkeiten herausfordern.

Quelle:
- Joseph Campbell, "Der Heros in tausend Gestalten"

"Wenn ich das richtig verstanden habe" ist eine Reihe bei der Menschen erlernte Inhalte in eigenen Worten zusammenfassen. Dabei soll nicht nur nochmal der Inhalt wiederholt werden, sondern auch verarbeitet werden. Die Veröffentlichung im Blog erlaubt es dann Leser*Innen vertiefende Fragen oder ergänzende Impulse zu geben. In Zeiten von verdrehten verfälschten Fakten und massiver Informationsflut, kann es sinnvoll sein sich über die Dinge die wir zu wissen glauben zu unterhalten.
Wenn ihr also Ergänzungen, Korrekturen oder Fragen zum obigen Beitrag habt, dann schreibt sie in die Kommentare, aber benennt auch eure Quellen eindeutig. Wir freuen uns auf den Austausch.

Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm

Jay Nightwind | 06.05.17 | / | 2 Kommentare
Wie schwer kann es schon sein Poesie zu schreiben?
Die Reime
Das Metrum
Die Bilder
Das Herz wieder einzuverleiben?

Die ewige Hatz, nach dem vollendeten Satz,
Der Formel
Dem Schlüssel
Der Perfektion
in Sinn, Sinnlichkeit und Ton

Wie hoch ist schon die Hürde?
Ein Meter für den Stolz
Ein Meter fürs Wissen
Ein Meter für den Anspruch
Zehn Meter für die Würde

Den Wunsch wertig zu sein
Mit dem Lernen der Sprache fertig zu sein
Der Wunsch nach einem besseren Reim
Der Wunsch die Gedanken in Wörterketten zu legen
und das Herz zu befreien
Wie schwer, kann das schon sein?

So schwer wie Mundwinkel in einem Gesicht
Die leicht wie eine Feder sind
wenn wir im heißesten Sommer
den kühlsten Wind mit unserem Hemd fangen

So schwer wie eine mathematische Formel die nur aus unbekannten Variablen besteht und weil das nicht mal ein Gewicht ist, müssen wir am Ende noch alle Einheiten umrechnen und das, das ist wirklich schwer

So schwer, dass genau ein federleichtes Lächeln schon zu viel wiegt

So schwer, dass Atlas zwar die ganze Welt, aber nicht die Worte heben kann

So schwer, dass sich die Masse verdichtet und alles Licht in sich aufnimmt, wie ein schwarzes Loch im Weltall deiner Westentasche, in der du dich auskennst, aber trotzdem nichts finden kannst, denn alles was Licht ist, liegt außerhalb

So schwer, wie sich eine Hand öffnen lässt, die eine Faust sein muss, um Freiheit zu verlangen, um die Kinder zu schützen, um die Mauern der Tyrannen zu zerschlagen und mit einem fest umschlossenden Pflug Felder der Freiheit zu bestellen, auch wenn das Wasser für die Gedankensamen dafür aus den Felsen gepresst werden muss

Genau Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm schwer, denn so viel wiege ich, wenn ich Poesie schreiben will, mit einem schwarzen Loch in der Tasche und kein Atlas meine Welt heben kann, weil sie genau ein Lächeln zu schwer ist

Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm ,wenn ich die Faust hebe, obwohl ich den Mund viel lieber hochreißen würde, um vor die Mauern in den Köpfen schreien zu können, weil ich eine Aufgabe in dieser Welt habe, die ich alleine nicht schaffen kann:
für schwarze Leben
und weibliche Rechte
und abgesenkte Bordsteine
und offene Herzen für die, die aufgehoben werden wollen.

Denn wir sind Atlas
Müssen die Welt anheben und hochhalten
Mit Worten und Formeln und Fäusten und Herzen und
Wie schwer kann es schon sein, Poesie zu schreiben?
Siebeneinhalb Milliarden Herzen, Fünfundsiebzig Kilo und Einundzwanzig Gramm