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Eine Woche lang jeden Tag ein Update für Ideendämmerung. 8.11. - 15.11.

12.11.2009

Ideendämmerung: Der Rucksack

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"Na, Gesandter?"

Schwarzes Blut. Ich war mir nicht sicher, was das zu bedeuten hatte. Langsam füllte sich mein Kopf mit all möglichen Informationen über mich, wobei es eher so war, als würde meine Krankenakte gerade in die Luft geworfen und alle Blätter flogen wild umher. Ich bin allergisch gegen Gerste, hatte schon die Röteln, aber kein Mumps, ich erkälte mich nicht schnell, werde aber sehr schnell heiser, meinen Kiefer habe ich mir mal gebrochen und auch einen Arm, das war nach einem Fahrradunfall als ich fünf war, aber egal wann, ich hatte NIE schwarzes Blut. Alle Schürfwunden und Schnitte meines Lebens durchlebte ich im Geiste noch mal und jedes Mal war es ein freundliches Blutrot, das aus mir schoss. Jetzt war es also Schwarz.
Es waren tatsächlich Fotos in dem Rucksack. So fern ich es aus dem Augenwinkel beurteilen konnte strahlten Grendels Augen richtig auf. Ich war mir sogar ziemlich sicher, dass sie wirklich im Inneren glühten. Ich legte die Fotos vor mir aus in der Hoffnung etwas zu erkennen und mich zu erinnern.
Grendel deutete Sede und Robert: "Na? Geht ins Quartier und ruht euch aus. Ich habe auch dafür gesorgt, dass es dort kühl ist und etwas zu trinken gibt. Außerdem habe ich euch eure Ringe geschmiedet. Na?" - "Aber sollten wird nic..?" - "GEHT! VERSCHWINDET!" 

Foto 1: Ein weißer Handschuh. Keine Erinnerung.
Foto 2: Ein schwarzer Handschuh. Auch keine Erinnerung.
Foto 3: Eine Sonnenbrille. Nichts.
Foto 4: Ein silberner Armreif. Null.
Die restlichen Fotos überflog ich nur noch. Außer den Fotos von ein paar steinernen Entenfiguren fiel mir nichts besonders auf. Enten? Was zum? Und in mir löste auch nichts aus. Ich hatte die Hoffnung, es wäre wie am Gleiter. Berühren, stürzen, benutzen können. Nichts.
Grendel hatte eine viel positivere Einstellung zu dem Inhalt meines Rucksacks als ich: "Na, Gesandter? Was willst du uns hierzu sagen? Sind das die Abbilder der Macht? Oder wie aktiviert man sie?" Ich zuckte mit den Schultern. Was sollte ich auch sonst tun? "Oder müssen wir sie erst finden?"
Einen kurzen Moment war da ein hell aufleuchtender Blitz in meinem Hirn, der all die Energie zurück gab, die ich im Laufe meiner Verzweiflung verloren hatte. Erst war der Rucksack mein Zielpunkt und den habe ich gefunden. Jetzt gibt es neue Hinweise für mich und da ich überhaupt gar kein Interesse daran hatte heraus zu finden, was Grendel wohl eventuell noch mit mir vorhatte, formte sie ein Plan in mir, aber ich brauchte dazu das passende Timing.
Sede und Robert waren gegangen und ich konnte nur hoffen, dass Sede meine Gedanken nicht mehr hörte, sonst wären wir, also ich und mein Plan, ruiniert gewesen. Wobei er sich auch keiner besonderen Tiefe erfreute. "Ich weiß, wo wir diese Gegenstände finden können, Grendel.", sagte ich und schob die Fotos wieder zusammen. Grendel hatte sie fasziniert angestarrt und wendete jetzt seinen Blick zu mir: "Na? Tatsächlich? Na?"
Ich stand wieder aufrecht vor Grendel und sah genau in seine Augen. Die Iris in seinen Augen glühte und hatte eine eigene Bewegung, wie geschmolzener Stahl. Die Bilder hielt ich in meiner rechten Hand. "Ja, tatsächlich es ist ganz einfach wir müssen nur" RENN! RENN!
Ich rammte Grendel meinen gesamten Körper in seinen Körper und brachte ihn zum Taumeln. Blitzartig stürzte ich davon. Meine Schulter brannte von dem Treffer. Ich rannte los, suchte einen Ausgang, links, rechts, fand einen, hindurch, eine Höhle entlang, ein Tor erspäht, hindurch gesprungen. Ob Grendel mir folgte konnte ich nicht überprüfen, dafür fehlte mir eindeutig die Zeit. Ob ich Zeit hatte konnte ich auch nicht überprüfen. Ich rannte, rannte, rannte, durch den breiten Gang hinter dem Tor. Wie in einem Schloss. Eine Burg. Was auch immer.
"Hier!", rief man mir zu. Eine kleine Tür, die hier überhaupt nicht hinpasste. Sie sah so modern aus. Sie sah so sehr nach der Welt aus, aus der ich kam. Ein junger Mann stand in der Tür, was hinter ihm war könnte ich nicht erkennen. Ich hatte keine Zeit zu zögern und sprang durch die Tür. Das ein seltsames gleichmäßiges Ticken von dem Jungen ausging, nahm ich nur ganz am Rande wahr.


11.11.2009

Ideendämmerung: Ein Zeichen, das nicht lügen kann

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"RED MIT MIR!"

Es war dunkel. Es war warm. Sehr warm. Immer wieder warf sich mir glühende Hitze entgegen. Auch um mich herum ächzte man. Es war als würden wir in die Sonne laufen. Zumindest stellte ich es mir so in etwa vor. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie dieser Ort direkt hinter einer Tür liegen konnte, aber ich konnte mir nichts von alledem was hier passiert war vorstellen. Immerhin näherte ich mich dem Rucksack.
"Wir sind da.", verkündete Robert und zog mir die Augenbinde hinunter, die er mir zuvor aufgesetzt hatte. Glühender Stahl vor einem brennend schmorigen Abgrund bei schwefeligem Geruch. An einer glühenden Brüstung stand eine Gestalt, die trotz all dieser Hitze vermummt war. Mir war, als wären wir auf einem Vorsprung in einem Vulkan. Meinen Rucksack konnte ich aufgrund der lebensfeindlichen Atmosphäre nicht ausmachen. Zu hell, zu heiß, zu plötzlich.
Als die Gestalt auf mich zu kam, da wurde es mir kalt. Eiskalt, wie es auch schauerhaft meinen Rücken hinunterlief. Die vermummenden Tücher wurden fallen gelassen. Eine eiserne Maske verdeckte große Teile des Gesichts. Was sonst zu sehen war, das sah verschmort aus. Kohlenartig. Auch die Arme waren in Eisen eingeschlagen. Das war keine Rüstung, es war der Körper dieses Wesens. In dem freien Oberkörper steckten zum Teil Schrauben und Nägel. Und obwohl sich im Gesicht nichts bewegte, so sprach die Gestalt zu mir:
"Wie, Wie ist dein Name, Fremder? Na? Wie ist er?" Ich schaute nur enttäuscht zum Boden. "Kennst du ihn nicht? Deinen eigenen Namen? Oder muss man dir erst helfen, dass er dir einfällt? Na?" Ich schwieg. Sede sah mich von der Seite vermessend an. Sie spürte, dass ich in meinem Gedächtnis suchte, aber nichts fand. "Vielleicht finden wir die Antwort ja in deinem Rucksack? Na? Na?" Was war das nur für eine Gestalt und was geschah hier gerade? Daran, dass ich nichts verstand änderte sich nichts. "RED MIT MIR!", schrie es mir entgegen. Was sollte ich sagen? "NIEMAND VERWEIGERT SICH GRENDEL. NIEMAND!", schrie es und riss mich an meiner Kleidung hoch.
Grendel war überraschenderweise kalt. Die Rüstung, das Gesicht; trotz all dem Metall ging eine eisige Kälte von Grendel aus.
"Ich..Ich hab keine Ahnung wie ich heiße und auch nicht, ob der Rucksack da helfen wird.", warf ich gedrungen aus. "Na also. Na? Na? Es geht doch. Hat doch gar nicht.....weh getan." Grendel lies mich wieder herab und fuhr mir mit seinen Eisenpranken ins Haar. "Lass uns doch einmal zusammen einen Blick hinein werfen." Unheimlich war gar kein Ausdruck für Grendels Erscheinung. Ich weiß gar nicht, wie Robert und Sede so ruhig bleiben konnten. Grendel zog mich zu einem felsgeschlagenen Tisch und zog den Rucksack dahinter vor. Dann legte er ihn offen vor mich.
"Na? Kennst du die Geschichte vom Gesandten des Alwier? Kennst du sie?" - "N-N-Nein?" - "Na? Na, dann werde ich sie dir erzählen. In den Schriften in der Halle der Charaktere hat der Alwier höchstpersönlich, so erzählt man, einen Gesandten angekündigt. Was genau dieser Gesandte mit sich führt, dass erfährt man in den Schriften nicht. Die Rede ist dort von der Macht." Alwier? Macht? Schriften? Wovon sprach Grendel? "Schau ruhig mal in deinen Rucksack.", sagte Grendel mit befehlendem Ton. Skeptisch beugte ich mich zu meinem Rucksack und begann hinein zu greifen. Ich hatte keine Ahnung, was drin sein würde. Hoffentlich etwas aufschlussreiches, wie ein Ausweis. "Der Gesandte sollte ein Zeichen tragen. Er sollte erkennbar für uns sein. Ein einmaliges Zeichen, dass man nicht fälschen kann. Ein Zeichen, dass nicht lügen kann. " Besonders viel war nicht in dem Rucksack. Ich hatte nur ein paar dünne Scheiben greifen können. Fühlte sich an, als wären es Fotos. "Weiß du woran wir ihn erkennen können?"
Ich ging kalt zu Boden, als Grendel mir mit seiner eisernen Faust einen Schlag verpasste. "Es ist sein Blut, es ist schwarz."
Mein Kopf brannte, aber nicht von dem Schlag. Ich weiß nicht, was ich war, aber ich war es nie zuvor. Mir lief es warm aus dem Mund und als ich es mit der Hand wegwischte, da geschah in meinem Kopf noch ein mal alles auf ein mal.
Mein Blut war Schwarz. Mein Blut war Schwarz und ich bin mir sicher: Das war es noch nie.

10.11.2009

Ideendämmerung: Wundversorgung

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"Hier um dir zu helfen."

Eine Linie aus Blut deutete von Zieglers Versuch die Verfolgung seiner Gefangenen aufzunehmen. Sie zog sich aus dem Hangar bis in einen der Flure, durch die gerade eben noch Sede und der Unbekannte gerannt waren. Er selbst lehnte nur noch an der Wand und bemühte sich, den Schmerz so zu steigern, dass sein Adrenalin betäubte. Also drückte er sich die Wand hoch und belastete das zerschossene Bein. Es fehlte allerdings jegliche Knochenstruktur. Ziegler spürte regelrecht, wie sich nur kleine Splitter in seinem Bein, wie Gestein im Weltraum bewegten. Er hatte nie ganz verstanden wer Sede war, aber jetzt wusste er in jedem Fall, dass sie eine erfahrene Schützin war. So viel war aus ihrem Eintrag im "Archiv der Charaktere" nicht zu entnehmen. Da fehlten nämlich Seiten. Eine kleine Grundskepsis in Zieglers Kopf speicherte diese Information unter "Verdacht".
Irgendwie wurde es kalt und still um Ziegler. Ihm war sogar, als würde das Licht nachlassen. Es verlor seine Schärfe und die Leuchten an der Decke gaben nur noch ein fackelhaftes Licht ab. Eine frische Kälte zog sich in seine Uniform und ein entspanntes Summen legte sich in sein Ohr. Im Herzen allerdings wurde ihm warm, denn er erkannte das Summen und auch die umrandenden Gefühle.
"Alles in Ordnung, Kapitän?" - "Der Nachtwind." - "Ja, ich bin es. Hier um dir zu helfen. Nun lass mich dich stützen." Der Nachtwind hob Ziegler mit Leichtigkeit von der Wand und lehnte ihn auf. "Wollen wir in die Halle?" Seine Stimme war immer leise und eindringlich, sein Gesicht immer von einem schwarzen Schal verdeckt. Schattenhaft und still. "Ja.", gab Ziegler zurück, mit dem Seufzen eines Menschen, der Hilfe gerade wirklich am dringensten gebrauchen konnte.
Die Halle der Charaktere. Ihre Form ist fest, aber ihr Aussehen ändert sich laufend. Ignis hatte vermutet, dass es von den Personen abhing, die sich in ihr bewegen. War Plaine zum Beispiel dort, dann überwog eine eher mittelalterliche Architektur, war Ziegler da, glänzte alles in kaltem Stahl. Besonders spannend wurde es, waren Personen von besonders verschiedenen Orten in der Halle. Die Stile die sie mitbrachten, konkurrierten nie, sondern suchten immer eine Art Kompromiss. Computerterminals mit Holztasten und Scheunentore mit Bewegungsmeldern waren nur die kleineren Absurditäten, die aufgefallen waren.
Die Haupthalle strahlte kalt in einem Lackgrün, in dem große Rohre und Kabelkanäle von den Wänden an die Decke hochragten. Nur die Tür zu Noahs Garten und Grabstelle leuchtete in poliertem Marmor wie immer.
"Was war passiert?", fragte der Nachtwind, während er sich darum bemühte Ziegler medizinisch zu versorgen. "Wir sind Ignis Notruf nach Absurdistan gefolgt, um dort Zeuge seinen Todes zu werden." Vor dem Nachtwind sprachen alle offen und ohne jede Trauer. "Ich denke die Schützin war Sede." - "Sede?" - "Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube von ihr in Noahs Unterlagen gelesen zu haben. Sie ist noch aus der Zeit vor König Noah." - "Warum hat sie Ignis erschossen?" Der Nachtwind fragte interessiert und beruhigend. Seine Stimme war Balsam für die Seele, zumindest für Ziegler in diesem Moment. "Er war mit einem Unbekannten auf der Flucht in einem Gleiter, der nicht nach Absurdistan gehörte." - "Meinst du, die Grenzüberschreitungen haben was damit zu tun?"
"Sie sind entkommen.", grunzte ein vollkommen erledigter Plaine in die Halle, welche sich nach und nach mit Fackeln ausstaffierte. "Dieser Robert, der uns in Absurdistan entkommen ist hat eine Tür geöffnet und als ich da war, da war sie von der anderen Seite verschlossen." Ziegler griff sich an die Stirn, in der Hoffnung etwas Ordnung in den Kopf zu drücken. "Bei dir alles in Ordnung, Ziegler?", fragte Plaine, der das verbundene Bein ansah.  Ziegler nickte: "Der Nachtwind tut gerade sein bestes. Ich werde aber später auf die Sternenhimmel zurück gehen und meine Ärztin sehen.", Ziegler stockte nur kurz doch dann drängte sich ihm eine Frage auf: "Wo ist der verflixte Uhrwerkjunge? Ich glaube, der muss mir erklären, warum alle System auf dem Schiff ausgefallen sind." - "Keine Ahnung. Ich hab ihn schon länger nicht mehr gesehen. Der Uhrmacher?" Ziegler nickte kalt. "Ganz sicher."

09.11.2009

Ideendämmerung: Ausbruchstimmung

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"Wenn du aufhören würdest zu denken, dann könnte ich mich auch konzentrieren."

Schlaf.
Vor mir stand Ignis. Er sah gesund aus und zufrieden. Er gab mir seine warme Hand und ein innerer Frieden durchspülte mich, ja überkam mich regelrecht. "Wenn du mal nach Essen kommen solltest, dann steck die Hände in die Taschen und atme tief durch. So mache ich es auch jedes Mal, wenn ich dort ankomme." Verwirrend aber wahr. Es fühlte sich wahr an.
Wach.
Plötzlich war es kalt an meinem Hals, laut in meinem Kopf, hektisch um mich herum. "Das würde ich lassen, Ziegler!", schrie Sede, die mir so schnell ich es wahrnehmen konnte eine Waffe an den Hals drückte. Ich sah einen uniformierten Mann der mit einem Gewehr auf uns zielte und einen weiteren, der ein Schwert in der Hand hielt. Alles war in rote Beleuchtung getaucht und eine schrecklich laute Sirene zog durch den Raum. "Ich hab schon Ignis erschossen, warum sollte ich vor dem hier halt machen?" Beide knirschten sichtbar mit den Zähnen, sahen aber wild entschlossen aus.
"Du rennst gleich so schnell du kannst, ich werde dir die Richtungen ansagen. Wir müssen vom Schiff und durch die Halle der Charaktere. Was auch immer du siehst, renn so schnell du kannst. Und komm auf keine dummen Ideen, ich werde genau hinter dir sein und hab eine Waffe.", sprach Sede mir in den Kopf.
Sede riss die Waffe von meinem Hals. Ich wurde zu Boden geworfen unter Zieglers beklemmten Aufschrei, als ihm Sedes Schuss das Bein durchschlug. "LOS! Gerade aus und dann direkt rechts!" Ich rannte so schnell ich konnte.
Rechts, Schüsse, Alarm, Gerade, Rechts, Alarm, Schreie, Panik, Panik, Panik.
Mein Herz rannte schon außerhalb meines Körpers mit mir um die Wette. Ich warf einen blitzartigen Blick hinter mich und sah Sede, wie sie den Schwertkämpfer mit Schüssen niederhielt. Dieser wich aber immer intelligent in die Ausbuchten des Schiffes aus. "Guck nach vorne und renn!", schrie sie mir in den Kopf.
Der blöde Rucksack. Ich wusste nicht einmal mehr, ob ich ihn wirklich haben wollte. Was, wenn er mir gar keine Hilfe war? Und was würden die Leute für die Sede arbeitet mit mir tun? Seitdem ich in Absurdistan auf den LKW gezogen wurde war ich nur noch auf der Flucht. Daran müsste ich etwas ändern. Ein Griff in meine verlassene Bibliothek warf die Frage auf, ob das Gegenteil von Flucht wohl die Jagd war, aber Zeit darüber nachzudenken bekam ich leider nicht.
Flucht.
Vorwärts, schnell die Rampe runter, durch den Hangar, durch das Tor, durch den Flur, über die Kisten springen, fast auf dem Boden ausrutschen, abfangen, Tempo aufnehmen, in den rechten Flur, die Treppen hinunter, die Wendeltreppen hinunter, die langen Wendeltreppen hinunter, die langen Wendeltreppen hinunter zum Kern, Kern der Halle und "lauf schneller!".
Sede hatte aufgeholt und war unmittelbar hinter mir. Eine Hand hatte sie mir auf die Schulter aufgelegt, mit der Waffenhand zielte sie weiterhin hinter uns. Während ich ziemlich hektisch und laut atmete, war Sede bester Kondition. Überraschenderweise sagte sie laut: "Gib doch auf, Plaine." Dann feuerte sie in den steinernen Flur durch den wir rannten und lachte ein wenig: "Der Hund lässt sich einfach nicht treffen." Er lies sich nicht treffen? Aber sie konnte doch seine Gedanken lesen. Sede wendete den Kopf zu mir, wurde schneller und schob mich nun plötzlich vorwärts. "Wenn du aufhören würdest zu denken, dann könnte ich mich auch konzentrieren." Konnte sie sich gar nicht aussuchen wessen Gedanken sie liest? Hörte sie etwa alle gleichzeitig? War ihre Gabe zeitgleich ein Fluch? ARRRGGG.
Mit festem Griff quetschte sie mir die Schulter. Wie ein einschlagender Blitz in einen Baum, so brannten ihre Finger sich in Bruchsekunden in mein Fleisch. Brennend zogen Atem und Puls an und gaben mir etwas zusätzliche Kraft in die Beine.
"Sede! Hier!", rief eine vertraute Stimme aus einer Tür, die sich etwas entfernt von uns im Flur auftat. Robert.


08.11.2009

Ideendämmerung: König Noah

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"Du lernst nicht besonders schnell hinzu, was?"

Der Kurs war gesetzt und Ziegler hatte sich in sein Quartier zurück gezogen. Er schaute auf ein Foto seiner Tochter Hitomi. Auf dem Foto trainierte sie gerade am Sandsack. Im Hintergrund sah man die Grundzüge der F.E.S. Sternenhimmel. Diese sterilen Lagerraumleuchten, die Ziegler so mochte. Ziegler machte sich irgendwie Sorgen um sie, denn er war schon lange weg. Zumindest länger als sonst. Jetzt da Ignis gestorben war, da plagten Ziegler Verlustängste. Vielleicht lag es daran, dass sein Vorgänger "König" Noah immer gesagt hatte, er wolle wie ein Vater für alle in der Halle sein.
"König Noah war ein viel besserer Anführer als ich.", seufzte Ziegler.
Plaine schlich durch die Gänge der Beau de Rochas und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Die Wut über den Verlust übermannte ihn aber jedes mal. Nicht nur, dass Ignis immer ein guter Berater, Freund und Mensch war, er war quasi das Lexikon der Halle. Er wusste so vieles, er forschte an den Inschriften im Fundament der Halle und er war es, der damals die Grenzen und die Türen entschlüsselte. Man erzählt sich, er war einer der Ersten in der Halle der Charaktere gewesen.
Plaine dachte an die Gelehrten und die Magier in seiner Heimat. Wahnsinnige machtgierige Verrückte. Wäre nicht Plaines Sehnsucht nach dem Schwert, dann würde er gar nicht zurück gehen wollen. Aber hinter keiner der Grenzen hinter denen er mit Ziegler bisher war, gab es auch nur einen Drachen. Und wo es keine Drachen gab, da gab es eigentlich auch keine Verwendung für einen Drachenjäger. Ignis zeigte Plaine erst, was für ein wertvoller Fährtenleser er durch seine Drachenjagd geworden war.

Tick Tack! Tick Tack!
Sekunden verrinnen in den Taten
Tick Tack! Tick Tack!
Ich kann nicht mehr lange warten
Tick Tack! Tick Tack!
Du wirst bald träge und schwach
Aber in 200 Minuten
macht der Uhrmacher dich wieder wach!

Der Junge mit dem Uhrwerk als Herz lief zügig durch die Beau de Rochas. Er musste alle Notfallsysteme vorbereiten und zwar rechtzeitig. Dann wendete er auf der Stelle und lief in Richtung von Zieglers Quartier. Es war Zeit Ziegler die Wahrheit zu erzählen. Das letzte mal als der Uhrmacher auf der Beau de Rochas auftauchte wäre fast die gesamte Besatzung gestorben. Es war blanke Ironie, dass der Uhrmacher alles was er mit seinen Händen berührte ausschaltete, aber den Jungen wieder einschaltete, war sein Uhrwerk abgelaufen. Aber diese Ironie nahm der Junge inzwischen als Geschichte seines Lebens hin, immerhin war er ganz ähnlich an sein Uhrwerk gekommen.
In drei Stunden und zwanzig Minuten wird der Uhrmacher kommen. Den unheimlichen Singsang, der den Uhrmacher ankündigt, den konnte nur der Junge hören. Und er hasste es, so fern man mit einem Herz wie seinem hassen konnte.
Zu Ziegler? Zu den Notfallsystemen? Wohin nur?

"Abwarten? Das ist dein Plan?" - "Ja. Aber wenn er dir nicht gefällt, dann kannst du ja schon mal gehen." Sede war routiniert und kalt. Zu dem war sie vollkommen überlegen. Ich war auf sie angewiesen, sie brauchte mich nicht. Ich konnte mir selbst nicht versprechen, dass ich mich nicht für Ignis Tod rächen würde, wenn wir zusammen ausgebrochen waren. "Das kann ich dir aber versprechen. Du lernst nicht besonders schnell hinzu, was?", rauschte sie mir in den Kopf. Was war das nur für eine Welt in der ich gelandet war, in der es scheinbar riesige Raumschiffe und gedankenlesende Mörderinnen gab? Ich gab mich richtig auf und lies die wenige Energie die noch in mir steckte einfach verpuffen. Ich kauerte mich auf der Liege zusammen und versuchte einfach nicht zu heulen.

"König Noah
Frei für das Leben gestorben
um nicht für das Sterben zu leben"
So steht es auf seinem Grab.