Dürre

Wenn wir an etwas regelmäßig machen oder uns fortlaufend mit etwas beschäftigen, fallen wir manchmal auf Erzählungen des unbegrenzten und ständigen Wachstums rein. Wir verwechseln Messwerte für Erfolg die von Außen kommen (Likes, Follower*innen, Views, verkaufte Tickets, verkaufte Produkte, Platzierungen usw.) mit Wachstum weil wir steigenden Zahlen sehen. Oder eben denken dass es nicht läuft, weil die Zahlen nicht steigen. 

Wir mögen nicht alles was wir erschaffen. Selbst wenn wir etwas herstellen, was grundsätzlich immer nach außen gleich aussieht und auch im Ablauf gleich produziert wird, sehen wir selbst wenn es schlechter geworden ist als andere. Und dann kommt Frustration, weil wir einen Standard nicht halten können. 

Aber der Standard ist eben kein einzelner Messwert wenn wir Kunst (oder etwas anderes) machen. Es ist eher ein Bereich in dem es Schwankungen geben wird. Das wird passieren. Wir können nicht dauerhaft die identische Leistung erbringen. Und manchmal eben auch keine mit der wir zufrieden sind.

Wenn es mal richtig schlimm wird, dann kann es zu einer Dürre kommen, einer Phase in der es nicht so gut läuft oder wir das Gefühl bekommen, dass wir blockiert sind. Im schlimmsten Fall glauben wir, dass wir unsere Sache nicht mehr können. Und manchmal hören wir dann auf. Und dann warten wir auf einen Tag an dem wir uns erst wieder gut fühlen, bevor wir wieder aktiv werden. 

Eine Wüste sieht sich oft erstmal überall sehr ähnlich, sie ist groß und überwältigend. Sie besteht aus ungezählten Sandkörnern, die für uns gleich aussehen. Und dort ist es immer trocken, ein ewiger Zustand der Dürre, kein Umfeld im dem wir dauerhaft überleben können. Wir müssen zum Wasser. Und das Wasser, wird eher nicht zu uns kommen. Wir können uns natürlich hinsetzen und warten, hoffen, bis ein Wunder auftritt. Aber selbst wenn wir dann Wasser bekommen, aber dann sitzen bleiben, werden wir schnell wieder in der Dürre sein. 

Unsere Chance an Wasser zu kommen steigt, wenn wir weiter in eine Richtung arbeiten. Denn auch wenn für uns erstmal die Wüste oder unser Werk uninspiriert aussieht und als würden es nicht voran gehen, ändern wir unsere Lage, wenn wir uns bewegen. Uns fehlen vielleicht die Fertigkeiten zu erkennen, wo die Unterschiede in der großen Wüste liegen, aber wenn wir laufen, dann kann plötzlich eine Oase oder eine Ortschaft am Horizont auftauchen. Etwas was wohl nicht passiert, wenn wir stehen bleiben. 

Wenn wir mit unserem Werk in einer Dürre sind, ist leider weiter arbeiten eine gute Methode um der Dürre zu entkommen. Es ist wichtig uns klar zu machen, dass die Dürre oder das Tief nicht Teil unserer Identität ist oder wir unseren Skill verloren haben. Das ist alles noch da. Und wir wollen wissen wie wir die Dürre überleben können, weshalb wir uns auch in ihr bewegen müssen. Und dann wird sich unsere Landschaft auch wieder ändern. 

Ob das für eine echte Wüste unter modernen Bedingungen wirklich stimmt, weiß ich nicht. Aber für die metaphorische Wüste stimmt es sicher. Wer weiter läuft, wird zwangsläufig etwas neues sehen. Und das wird uns dann erlauben zu unserem Standard zurück zu kehren oder ihn sogar zu erhöhen. Denn wenn wir uns mit der Dürre auskennen, können wir ihr nach und nach aus besser ausweichen und vorsorgen. 

---
Persönliche Anmerkung: Diese täglichen Beiträge im Blog beweisen das mir auch. Nicht jeder Artikel den ich hier schreibe ist gleich gut. Manche finde ich selbst besser als andere. Ich für mich mache mir aber bewusst, dass es eben auch die anderen braucht, damit ich in Bewegung bleibe. Denn auch aus einem "schlechten" Werk lerne ich etwas. Also wachse ich auch dann, wenn ich gerade nicht "gut" arbeite. 

Kommentare

  1. Anonym3.6.23

    Das hab ich wohl gebraucht. Ich warte seit ein paar Wochen, dass das Wasser zurück kommt... Davon ausgehend, dass es wie mit den Gezeiten ist und nach Ebbe auch wieder die Flut kommt. Ganz von alleine, während man gemütlich am Strand sitzt und wartet. Vielleicht sogar ein Nickerchen macht, bis man geweckt wird, weil die Zehenspitzen wieder nass werden. Das Bild mit der Wüste scheint hier besser zu passen, auch wenn ich es mir anders wünschen würde. Danke für deine Worte und Gedanken.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sehr gerne. Ja, warten möchte ich auch gar nicht unbedingt verteufeln. Erzwingen lässt sich Inspiration zum Beispiel nicht, aber halt eben begünstigen. Wir können uns bemerkbar machen, damit sie uns leichter finden kann.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Anmerkungen? Fragen? Wünsche? Schreib gerne einen Kommentar. Ich schaue regelmäßig rein, moderiere die Kommentare aber auch, also bleibt nett.

Vielleicht auch spannend: