als Verb

In dem Podcast den ich am regelmäßigsten höre, Rich Roll Podcast, war Baratunde Thurston zu Gast. Er ist und kann viele Dinge, er ist Comedian, Aktivist, hat für das amerikansiche Satire-Magazin "The Onion" geschrieben und aus meiner Sicht ist er auch sehr sehr klug. In seinem Gespräch mit Rich Roll ging es um Medien und wie wir wieder besser als Gemeinschaften leben können, aber diese Gemeinschaft auch für eine bessere Demokratie und als Wirkkraft auf Politik nutzen können. Seine Grundidee dabei:

"Reimagening citizen as a verb and reclaiming our collective Power"
So steht es als erste Text auf der Internetseite seines Projektes "How to Citizen". Citizen, was sich ins deutschsprachige wohl als Bürger*in übersetzen lässt, soll als als Verb gedacht werden. Schaue ich auf mich und meinen Sprachgebraucht, hätte ich es wohl als Titel oder Zustand verstanden. Bürger*in. Und dabei liegt es im deutschsprachigen noch offensichtlicher als im englischsprachigen, dass es auf einem Verb basiert. Bürgen. "Mit seiner eigenen Person für jemanden/etwas einstehen" sagt die Definition. Dieser Gedanke wird mich auf jeden Fall beschäftigen, was es denn aktuell bedeuten kann, eben das Sein als "Bürger*in" aktiv und handelnd zu gestalten. Weil was ich sicher sagen kann: Es ist in den letzten Jahren aufgrund sehr vieler Faktoren sicher zurück gefallen. Aber mit Hilfe der Homepage des Projektes habe ich schon ein paar Anhaltspunkte gefunden, wohin ich mich bei dieser Beschäftigung bewegen könnte.

Ein Wort wieder als Verb denken. Dieser Gedanke für sich beschäftigt mich aber auch. Denn natürlich können wir mit dem Finger auf Sachen zeigen und sagen: Das ist Kunst. Aber für uns selbst, als Künstler*innen, da ist es eben besser, es als Verb zu denken. Da "kunsten" nicht ganz der gewohnten Sprache entspricht, werde ich das bei "Kunst machen" bleiben. Vielleicht weil ich mich nicht ganz traue es mit einem neuen Wort zu versuchen. künstlern? künsteln? Vielleicht muss ich da auch noch etwas suchen. Was mich an diesem Gedanken aber so begeistert, dass es die Natur der Sache so gut trifft. Denn wenn wir nichts tun, dann passiert auch keine Kunst. Eine Person die deklariert, sie wäre Künstler*in, aber dann nichts erschafft, ist für mich schwer als solche zu sehen. Da fehlt es an Glaubwürdigkeit. Was es aber im Umkehrschluss auch bedeuten kann, dass wenn wir etwas auch wirklich tun, wir eben wohl auch uns dann den Titel verdienen.

Und jetzt sitze ich da, schaue auf mich und meine "Titel" und selbstgewählten Definitionen und schaue mir an: Wenn ich sie als Verb sehe, mit welchen Handlungen müsste ich es ausfüllen? Wann würde ich selbst mir glauben, dass ich diesen Titel tragen darf? Welche Sachen fallen mir noch ein, die ich tun könnte, aber noch nicht mache, die auch dazu passen, ein Wort als Verb zu sehen?

Wenn meine innere Kritik in Zukunft also zum Beispiel in Zukunft in Frage stellt ob ich Künstler bin, was immer mal wieder vorkommt, dann schaue ich wann und wo ich das letzte Mal meine Kunst gemacht habe. Und vielleicht mache ich sie einfach dann in dem Moment, weil nichts schaltet die Kritik so schnell stumm, wie ein gut platzierter (Gegen)Beweis. Und dann geht es auch gar nicht darum, ob ich einen großen Erfolg hatte oder es besonders gut war. Es zu tun kann dann reichen.

"How to artist" "How to friend" "How to family"
Es gibt viel zu forschen.

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